Stand: 28.11.2019 11:54 Uhr

Plácido Domingos mitreißender Auftritt in der Elphi

Ausnahmetalent, Genie, Opernstar: Für den Spanier Plácido Domingo haben die Kritiker in den vergangenen 60 Bühnenjahren außergewöhnlich viele Prädikate gefunden. Jüngst belasten den Tenor jedoch schwere Vorwürfe. Mehrere Sängerinnen hatten Domingo im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexistisches und sexuell übergriffiges Verhalten einflussreicher Männer teils Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe vorgeworfen. In den Vereinigten Staaten distanzierten sich renommierte Konzerthäuser von dem Weltstar. In Hamburg fand das Konzert in der Elbphilharmonie dennoch statt.

Vor 2.000 Besuchern ging der spanische Opernstar Domingo im schwarzen Frack, die welligen grauen Haare nach hinten gelegt und mit ausgebreiteten Armen, in die Charme-Offensive. Das Publikum umjubelte seine kleine Tanzeinlage mit der Sopranistin Ana María Martínez sowie seine leidenschaftliche Arie "Dein ist mein ganzes Herz".

Placido Domingo singt in der Elbphilharmonie

Plácido Domingo in der Elbphilharmonie

Hamburg Journal -

Viel Jubel und Applaus gab es für Opernstar Plácido Domingo bei seinem Konzert in der Elbphilharmonie, auch wenn die Missbrauchsvorwürfe am Image des 78-Jährigen kratzen.

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Konzert in Hamburger Elbphilharmonie ausverkauft

Viel Jubel und Applaus gab es trotzt schwerer Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Domingo. Im Zuge der #MeToo-Debatte hatten neun Frauen den Weltstar wegen Belästigung beschuldigt, einige Fälle sollen 30 Jahre zurückliegen.

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Plácido Domingo tanzte mit der Sopranistin Ana María Martínez für das Publikum in der Elbphilharmonie.

"Ich habe keinen einzigen Buhruf gehört", sagt NDR Kultur Autorin Elisabeth Richter. "Er wurde mit Ovationen gefeiert, bevor er überhaupt einen einzigen Ton gesungen hatte. Am Anfang gab es die Ouvertüre zu Rossinis 'Barbier von Sevilla'. Dann hatte er seinen ersten Auftritt und die Leute sind von ihren Sitzen aufgestanden. Man muss erwähnen, dass das Konzert teuer war. Die teuersten Karten kosteten 400 Euro", so Richter.

Programm mit viel klassischer Oper

Das Programm umfasste im ersten Teil hauptsächlich italienisches Repertoire und klassische Oper aus dem 19. Jahrhundert. Zum Beispiel Verdi, mit Arien aus "Macbeth" oder aus dem "Troubadour" und "La Traviata". Im zweiten Teil gab es Operette und Musical, darunter aus "West Side Story" das Lied "Tonight".

Für das ausverkaufte Konzert in Hamburg sahen sowohl der Veranstalter als auch die Elbphilharmonie keinen Grund zur Absage. Tagelang sei über die Entscheidung beraten worden, erklärt Moritz Bremer von der Künstleragentur Neuland Konzerts: "Wir waren wenige Tage nach der Veröffentlichung des Konzertes im letzten Jahr ausverkauft. Wir haben keine Stornierungsgesuche bekommen."

Placido Domingo © Josef Fischnaller Foto: Josef Fischnaller

"Domingo singt immer noch auf einem tollen Niveau"

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

"Er singt immer noch auf einem ganz tollen Niveau" erzählt NDR Kultur Autorin Elisabeth Richter, die beim umjubelten Konzert mit Plácido Domingo in der Elbphilharmonie dabei war.

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Nach dem Spießrutenlauf in den USA ist der 78-jährige Sänger gewissermaßen als verlorener Sohn nach Hamburg zurückgekehrt. 1966 hatte Rolf Liebermann als Intendant der Hamburgischen Staatsoper das Ausnahmetalent aus den USA in die Hansestadt geholt.

"Nach wie vor wunderschönes Timbre"

"Ich bin nach wie vor begeistert von Domingos Stimme, vom wunderschönen Timbre. Der Trick ist natürlich, dass er schon seit Jahren fast keine wirklichen Tenorpartien singt, sondern Baritonrepertoire. So war das auch hier. Das macht er gut. Seine Bühnenpräsenz ist nach wie vor toll. Er versteht es, mit dem Publikum zu kommunizieren, das ist das Entscheidende. Er kann eine Atmosphäre kreieren. Er singt immer noch auf einem ganz tollen Niveau", meint Elisabeth Richter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 28.11.2019 | 09:20 Uhr

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