Orchester der Roma und Sinti Philharmoniker probt © NDR Foto: Birgit Schütte

Morgenlandfestival: Roma- und Sinti-Orchester baut Brücken

Stand: 08.11.2021 09:05 Uhr

Beim Morgenlandfestival in Osnabrück ging es in diesem Jahr um die Musik der Sinti und Roma. Auch die Roma und Sinti Philharmoniker sind zu erleben. Ein Besuch bei den Proben zum Nachholkonzert.

von Birgit Schütte

Wenn die Roma und Sinti Philharmoniker proben, wird viel diskutiert. Es sei hier weniger autoritär, sagen die Musiker. Jeder kann seine Meinung sagen. Sogar der Dirigent Riccardo Sahiti holt sich manchmal Rat aus dem Orchester.

Die allesamt professionellen Musiker kommen mehrmals im Jahr für bestimmte Konzerte zusammen. Sie spielen in verschiedenen Sinfonie- und Opernorchestern in ganz Europa, so Sahiti: "Da gibt es noch viele Ideen und das ist normal so. Sie sagen: In Ungarn spielen wir so, in Rumänien spielen wir so und in anderen Orchestern spielen wir so. Und das ist auch richtig so, denn dann ist es ein lebendiges Orchester wo in dem Moment Interpretation gemacht wird und Musik. Und das ist Kunst."

Vorurteile mit den Roma und Sinti Philharmonikern abbauen

Die Musiker proben die rumänische Rhapsody des Komponisten George Enescu. Die Roma und Sinti Philharmoniker wollen zeigen, dass klassische Musik an vielen Stellen mit der Musik der Sinti und Roma verbunden ist. Die beiden Musikkulturen seien nicht voneinander zu trennen, sagt der Dirigent und künstlerische Leiter Sahiti.

Er hat vor knapp 20 Jahren die Roma und Sinti Philharmoniker in Frankfurt gegründet. Der gebürtige Rom aus dem Kosovo, möchte mit dem Orchester Vorurteile abbauen und Brücken zwischen den Kulturen bauen: "Das ist auch, um zu zeigen, dass uns mehr verbindet, als uns unterscheidet."

Sinti- und Roma-Musik: Inspiration für klassische Komponisten

Robert Meierosch war bis vor einem Jahr Bratschist an der Frankfurter Oper. Auch ihm ist wichtig, dass bekannt wird: Die Musik der Sinti und Roma hat viele klassische Komponisten inspiriert: "Wir fühlen uns dieser Sache sehr verpflichtet, die Kultur der Sinti und Roma zu verbreiten und dann kommen da ab und zu auch Innovationen zustande."

Innovationen wird es auch beim Konzert in Osnabrück geben: Die Geigerin und Sängerin Iva Bittova, ebenfalls mit Roma-Wurzeln, wird als Solistin dabei sein. Außerdem kommt der Geiger Roby Lakatos aus Brüssel. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Sergej Rachmaninov und Astor Piazola.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 08.11.2021 | 09:20 Uhr

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