Stand: 02.07.2020 10:06 Uhr  - NDR Kultur

Das Ensemble Resonanz spielt wieder!

von Marcus Stäbler

In Hamburg sind öffentliche Konzerte jetzt unter bestimmten Auflagen wieder erlaubt. Das Ensemble Resonanz hat schnell reagiert. Zu seinem Radiokonzert "Hölderlin lesen" hat das Ensemble kurzfristig 40 Menschen in seinen Resonanzraum eingeladen.

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In Zweierpaaren sind die Stühle im Resonanzraum aufgestellt. Am Eingang herrscht Maskenpflicht.

Natürlich ist das ein besonderer Abend. Nach über drei Monaten Pause fühlt es sich ungewohnt und neu an, wieder ins Konzert zu gehen. Die Regeln sind jetzt anders als beim letzten Mal, Mitte März. Das zeigt sich schon am Eingang zum Resonanzraum, im ersten Stock vom Kulturbunker auf St. Pauli. Für den Einlass sind die 40 geladenen Gäste - Freunde und Förderer des Ensemble Resonanz und drei Journalisten - in vier Gruppen mit unterschiedlichen Ankunftzeiten aufgeteilt.

Abstände und Maske

Alle Besucher müssen ihre Kontaktdaten aufschreiben und tragen einen Mund-Nasen-Schutz, bis sie ihren Platz erreicht haben. Die Stühle sind paarweise aufgestellt, sie wirken wie kleine Sitzinseln, mit viel Freiraum drumherum. Ein ungewöhnlicher Anblick.

Das Programm beginnt und endet mit Stücken der Sounddesignerin Nika Son - doch im Zentrum steht akustische Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, gespielt von Mitgliedern des Ensemble Resonanz in kleiner Besetzung. Drei Werke des Abends sind Solostücke für Streicher, von Rebecca Saunders, Giacinto Scelsi und Georg Friedrich Haas.

Spüren, wie es wummert und brummmt

Auf genau solche sinnlichen Erfahrungen haben wir lange gewartet: Den Klang von Musik wirklich live zu hören, Interpret und Instrument in Aktion zu sehen und dabei zu spüren, wie es im Zwerchfell wummert und brummt. Die Solocellistin Saerom Park streicht intensiv und hochkonzentriert und genießt es: "Ich dachte, ich wäre aufgeregt - aber statt aufgeregt, war ich nur noch glücklich."

Elektrisierender Neustart

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Das Programm beginnt und endet mit Stücken der Sounddesignerin Nika Son.

"...aus freier Lust verbunden....": So lautet der Titel des Cellostücks von Georg Friedrich Haas. Das Zitat verweist auf den Dichter Friedrich Hölderlin, den heimlichen Helden des Konzerts. Ausgerechnet Hölderlin, der die Hälfte seines Lebens im berühmten Turmzimmer in Tübingen zubringt - und damit schon vor über zweihundert Jahren das Bild der sozialen Isolation verkörpert.

Hauptwerk des Abends ist das Quintett "Hölderlin lesen I" von Hans Zender für Streichquartett und Sprecher. Ein Stück, das die Sprachbilder des Dichters oft erstaunlich plastisch ausmalt. Der Schauspieler Jens Harzer übernimmt den Part des Sprechers, gemeinsam mit vier Streichern vom Ensemble Resonanz formt er eine packende Interpretation. In einem Konzert, das als elektrisierender Neustart in Erinnerung bleibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.07.2020 | 06:40 Uhr