CD-Cover: Peter Iljitsch Tschaikowsky - Violinkonzert op.35 mit Satenik Khourdoian, Orchestre Symphonique de la Monnaie und Alain Altinoglu © Fuga Libera

CD der Woche: "Tschaikowsky - Werke für Violine und Orchester"

Stand: 04.07.2021 15:20 Uhr

Alain Altinoglu will als Chef des Orchestre Symphonique de la Monnaie in Brüssel Aufnahmen realisieren, in denen die Musiker mit besonderen Solo-Aufgaben betraut werden. Diese Tschaikowsky-CD ist ein Porträt der Konzertmeisterin des Orchesters, Saténik Khourdoïan.

CD-Cover: Peter Iljitsch Tschaikowsky - Violinkonzert op.35 mit Satenik Khourdoian, Orchestre Symphonique de la Monnaie und Alain Altinoglu © Fuga Libera
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von Raliza Nikolov

Was geschieht, wenn die Konzertmeisterin ihre Position im Orchester minimal, aber signifikant verändert, sich von ihrem angestammten Platz links neben dem Dirigenten erhebt und einen Solopart übernimmt, nicht irgendeinen Solopart, sondern den im romantisch-süffigen Violinkonzert von Peter Tschaikowsky? Wenn die Chemie untereinander stimmt, dann kann etwas Besonderes entstehen - weil die Konzertmeisterin einen anderen Draht hat zu ihrem Orchester als ein Solist, der vielleicht nur für Probe und Konzert hineingeschneit kommt.

Saténik Khourdoïan: "Jeder Geiger möchte dieses Konzert spielen"

Saténik Khourdoïan,1983 in Marseille geboren, in eine aus Armenien stammende Familie, ist seit 2013 Konzertmeisterin des Orchestre Symphonique de la Monnaie. Es ist ein Orchester, das viel Oper spielt, das also daran gewöhnt ist, spontan zu reagieren, differenziert und flexibel zu begleiten. Für Saténik Khourdoïan ging mit dieser Aufnahme ein Traum in Erfüllung: Jeder Geiger möchte dieses Konzert spielen, sagt sie im Gespräch, und es ist beeindruckend, wie sie es schafft, den anspruchsvollen Part mit großer Selbstverständlichkeit, inspiriert, ohne in Manierismen zu verfallen, zu spielen.

Denn eins ist auch klar - als Solistin ist sie auf andere Weise gefordert als in der Position der Konzertmeisterin, und gerade im Violinkonzert von Tschaikowsky braucht es ein Geigenspiel, das eben nicht homogen im Klang der Gruppe aufgeht, sondern dass sich auffallend abhebt. Das gelingt Saténik Khourdoïan sehr gut.

Alain Altinoglu setzt sich fürs letzte Stück ans Klavier

Um zu demonstrieren, wie unterschiedlich die Aufgaben der Geigerin sein können, hat Saténik Khourdoïan dazu Stücke aus Tschaikowskys "Schwanensee" ausgewählt, in denen sie als Konzertmeisterin agiert und einzelne Soli spielt - etwa, besonders berückend, mit dem Kollegen am Solo-Cello, Georgi Anichenko.

Und am Ende gibt es noch ein kleines Bonbon - Alain Altinoglu setzt sich ans Klavier und begleitet Saténik Khourdoïan, einfühlsam und geschmackvoll. Eine gelungene Zugabe, die Chemie stimmt.

"Tschaikowsky: Werke für Violine und Orchester"

Label:
Fuga Libera
Veröffentlichungsdatum:
04. Juni 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 04.07.2021 | 15:20 Uhr

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