Stand: 18.10.2019 17:41 Uhr

Die musikalische Welt von Antonio Vivaldi

Vivaldi
von Harriet Krijgh
Vorgestellt von Friederike Westerhaus
Bild vergrößern
Hochgelobt für ihr Temperament und ihre musikalische Ausdrucksvielfalt, ist die junge niederländische Cellistin Harriet Krijgh eine der aufregendsten Cellistinnen der Gegenwart.

Als Preisträgerin in Residence der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern war die niederländische Cellistin Harriet Krijgh in diesem Sommer sehr präsent in Norddeutschland. Als Solistin spielt sie mit Orchestern wie dem Boston Symphony, der Academy of St. Martin in the Fields, dem Rotterdam Philharmonic Orchestra oder der NDR Radiophilharmonie. Doch auch die Kammermusik nimmt für sie einen wichtigen Stellenwert ein: Seit Frühjahr dieses Jahres ist Harriet Krijgh festes Mitglied des renommierten Artemis Ensembles. Ganz frisch auf dem Markt ist ihre Debüt-CD bei der Deutschen Grammophon, und darauf spielt sie Werke von Antonio Vivaldi mit der Amsterdam Sinfonietta.

Schwungvoll und unbeschwert, fast etwas ungestüm und doch elegant - für Harriet Krijgh ist die musikalische Welt von Antonio Vivaldi ganz natürlich: "Vivaldi ist etwas, womit ich total aufgewachsen bin. Das haben wir immer zu Hause gehört. Da hatten wir eine Vivaldi-Sonaten-Aufnahme mit Pieter Wispelwey, und Vivaldi war mir immer sehr nah. Das ganze Leben von ihm finde ich auch wahnsinnig faszinierend."

Der Cellist Pieter Wispelwey ist einer der Vorreiter der historischen Aufführungspraxis. Und auch für Harriet Krijgh ist es ganz selbstverständlich, historisch informiert zu spielen - wenn auch auf einem modern eingerichteten Instrument. Die Phrasierung aber, ihre Artikulation, das Sprechende und das Transparente - das ist ganz der Epoche entsprechend.

CD-Tipp
NDR Kultur

Cecilia Bartoli: Ein Wiedersehen mit Vivaldi

NDR Kultur

Cecilia Bartoli 1999 veröffentlichtes Vivaldi-Album ist längst ein Klassiker. Nun hat die Mezzo-Sopranistin ein neues Vivaldi-Album aufgenommen - ein Muss für Bartoli-Fans. mehr

Musikalische Freiheiten

Mit der Amsterdam Sinfonietta hat Harriet Krijgh bestens versierte Musiker an ihrer Seite. Das Ensemble spielt üblicherweise ohne Dirigent unter der Leitung der Konzertmeisterin Candida Thompson. Und man spürt auf dieser CD, wie gut die Musiker aufeinander reagieren.

"Es verlangt natürlich eine eigene Art von Phrasierungen, von Strichen her, von der Gestaltung der Noten", sagt Krijgh. "Wir haben bei den Aufnahmen viel gesucht, was wir wollen. Das ist das Schöne an dieser Musik: Man hat die Freiheit, wie man spielt, aber auch mit welcher Besetzung, mit welchen Effekten. In dem Sinne wird so ein Album etwas ganz Persönliches."

Podcast NDR Kultur Neue CDs © ©Rob | Fotolia | Stock.Adobe

Harriet Krijgh spielt Vivaldi

NDR Kultur - Neue CDs -

Auf ihrer Debüt-CD spielt die niederländische Cellistin Harriet Krijgh Werke von Antonio Vivaldi. Eine durchweg hörenswerte CD.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Technische Herausforderungen

Mit den klanglichen Möglichkeiten zu spielen und dynamisch auch mal in Extreme zu gehen - das belebt diese Aufnahme. Und auch, dass Harriet Krijgh neben drei Cello-Konzerten ein Doppelkonzert für zwei Celli in g-Moll und eines für Violine und Cello in B-Dur spielt. Die Geigerin ist Candida Thompson.

Diese Musik zeigt ganz nebenbei, wie hoch das Niveau einiger Schülerinnen von Vivaldi im Ospedale della Pietà in Venedig gewesen sein muss. Für sie schrieb er die meisten Konzerte und forderte sie technisch sehr heraus. Die Solostimmen sind virtuos gesetzt, und auch das Zusammenspiel verlangt ein waches Miteinander, gerade in den schnellen Ecksätzen der Konzerte.

Mitreißend musiziert

Besonders beeindruckend sind auf dieser CD aber auch die langsamen Sätze, die Krijgh sehr innig und eindringlich spielt. "Versenkung, Vertiefung, Suche, ein inniges Arbeiten miteinander - das ist generell etwas, das ich sehr suche beim Musikmachen", erzählt Krijgh. "Ich sehne mich immer mehr nach absoluter Vertiefung und will mich mehr distanzieren von dem ganz Schnellen."

Spürbar wird das zum Beispiel in dem Largo aus dem B-Dur-Cellokonzert. Ein weit ausgesponnenes Rezitativ, das in weniger als drei Minuten ein Tor zur Ewigkeit öffnet. Jede Note ist hier von der Cellistin ganz bewusst ausgeformt - sie erzählt wirklich mit ihrem Instrument. Eine durchweg hörenswerte CD, musikalisch von Harriet Krijgh und der Amsterdam Sinfonietta glänzend gestaltet und mitreißend musiziert.

Vivaldi

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 20.10.2019 | 15:20 Uhr

Mehr Kultur

34:51
NDR 90,3
88:09
Tatort
04:04
Hallo Niedersachsen