CD-Cover: Christoph Koncz - Mozart's Violin © Sony Classical

CD der Woche: Christoph Koncz spielt Mozarts Violinkonzerte

Stand: 13.11.2020 15:07 Uhr

Was Christoph Koncz zusammen mit Les Musiciens du Louvre vorlegt, ist spektakulär: Zum ersten Mal können wir eine Aufnahme der fünf Violinkonzerte Mozarts auf Mozarts eigener Geige hören.

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von Raliza Nikolov

Was für ein Erlebnis muss das sein - das Instrument, auf dem Wolfgang Amadeus Mozart selbst als Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle spielte, in Händen zu halten und darauf zu konzertieren! Es ist eine Barockgeige, die nie modernisiert worden ist; das Anfang des 18. Jahrhunderts von der Mittenwälder Familie Klotz gebaute Instrument befindet sich noch im Originalzustand, was höchst selten ist. Und was auch rar ist: eine Barockgeige mit einer solch kräftigen, strahlenden Höhe.

Mozarts Geige: Ein beeindruckendes Instrument

Christoph Koncz ist im normalen Leben Mitglied der Wiener Philharmoniker. Um auf Mozarts Geige üben zu können, musste er hunderte Kilometer zurücklegen, denn das Instrument, das um 1710 gebaut worden ist, wird in Salzburg in einem Tresor aufbewahrt. Es ist beeindruckend, wie kraftvoll diese Geige klingt, und man versteht besser, warum Mozart seine Violinkonzerte so komponiert hat. Mit dieser Geige war es leicht möglich, den Fokus auf das höhere Register zu legen.

Christoph Koncz und die Musiciens du Louvre haben sich auch sonst an den Gegebenheiten Mozarts mit der Salzburger Hofkapelle orientiert; auch damals leitete der Geiger das Kammerorchester. Die klangliche Balance ist hervorragend, der Ton gerade der Solovioline sehr unmittelbar, leuchtend, robust und trotzdem von edler Süße in den langsamen Sätzen.

Mit viel Liebe, Phantasie und Geschmack

Diese Aufnahme zeichnet sich nicht dadurch aus, die wohlvertrauten Werke gegen den Strich bürsten zu wollen. Das ist auch überhaupt nicht nötig. Denn sie ist trotzdem sehr originell: Von Mozart gibt es keine Kadenzen - Christoph Koncz gestaltet seine eigenen, und das mit viel Liebe, Phantasie und Geschmack. Überhaupt ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich er, der bei den Wiener Philharmonikern eine modernisierte Stradivari mit Stahlsaiten, einem kräftigeren Steg und einem modernen Bogen spielt, sich die historische Aufführungspraxis anverwandelt. Noch dazu auf einer Geige, die nicht seine eigene ist. Und immer Mozarts Geige bleiben wird.

Mozart's Violin

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.11.2020 | 15:20 Uhr

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