Stand: 10.02.2020 11:25 Uhr  - NDR Kultur

Gelungene Premiere: "Alcina" an der Staatsoper Hannover

von Elisabeth Richter

Laura Berman, die neue Intendantin an der Staatsoper Hannover, präsentiert in ihrer ersten Spielzeit einen ungeheuer vielseitigen Spielplan: Große Klassiker wie Rossinis "Barbier von Sevilla" stehen neben der selten gespielten Grand Opéra "La Juive" von Halévy. Dazu gibt es Produktionen für Kinder und sogar für Babys. Laura Berman will die unterschiedlichsten Menschen in die Oper locken. Dazu gehört auch, dass sie die am Niedersächsischen Staatstheater in den letzten Jahren etwas vernachlässigte Barockoper wieder mehr in den Fokus rücken möchte. So präsentierte sie jetzt als Übernahme aus Basel Händels "Alcina" in der Regie von Lydia Steier, die zu Beginn der Saison so spannend Halévys "La Juive" inszeniert hatte.

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Hailey Clark verkörpert die Titelheldin Alcina an der Staatsoper Hannover.

Alcina lockt Männer auf ihre Insel, verführt sie, erzaubert ihre Liebe und verwandelt sie in Tiere oder Bäume, wenn sie genug hat. Doch Ruggiero liebt sie wirklich. Als er von seiner Verlobten Bradamante befreit wird, spürt Alcina zum ersten Mal Schmerz und kämpft um ihn. Doch vergeblich. Ruggiero verlässt sie. Eigentlich zerschlägt Ruggiero Alcinas Zauberurne und ihre Insel versinkt im Meer. In Lydia Steiers Inszenierung zeigt Alcina Ruggiero noch einmal ihre Gefühle, sie versucht ihn zu küssen, aber er bleibt kalt. Dann verlässt sie einfach die Bühne, unspektakulär. Beim traurigen Schlusschor in Moll, als alle verwandelten Ex-Männer von ihrer Verzauberung erlöst werden, liegt Ruggiero wehmütig auf einem Felsen und scheint seiner Alcina nachzuschauen. Er hat die Welt des Sinnlichen, Farbenfrohen, Magischen verlassen.

Zwei Welten - zwei Ideen von Liebe

Regisseurin Lydia Steier geht es um Antagonismen, gegensätzliche Welten, unterschiedliche Ideen von Liebe. Sie kristallisiert Bradamante, Ruggieros Verlobte, als Gegenspielerin zur Magierin heraus. Sie steht für die Vernunftwelt, für Treue und geregeltes Leben. Als Mann verkleidet im grauen Anzug dringt Bradamante in die exotisch-bunte Zauberwelt ein. Dort hausen die Ex- Geliebten als indianische Wilde. Alcinas Schwester Morgana tritt als Nixe im schuppigen Kleid und mit Fischschwanz auf. Zur lieblichsten Musik wird dann aber auch schon mal ein Wilder geopfert und ihm die Eingeweide und das Herz herausgerissen.

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Regisseurin Lydia Steier präsentiert die Übernahme aus Basel.
Händels Oper als Büro-Drama

In der Businesswelt von Bradamante geht es zwar nicht blutrünstig zu, aber kalt und herzlos. Im zweiten Teil der Oper ziehen sich die Wilden graue Jacketts an und nehmen an Bürotischen in Reih und Glied Platz, im Takt müssen sie auf Schreibmaschinen hämmern. Im engen schwarzen Kostüm und auf High Heels überwacht die strenge Chefin Bradamante ihre Angestellten. Dass Ruggiero in dieser Welt Alcina nachtrauert, ist nur zur verständlich. Welche Welt, welche Liebe die bessere ist, bleibt offen in dieser Inszenierung, und das ist ihre Stärke. Der Zuschauer kann selbst entscheiden.

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Die Oper spielt zum Teil in einer Businesswelt.
Welche Welt die bessere ist, bleibt offen

Musikalisch punktet die Produktion mit starken Stimmen, die in manchen Rollen für Barockoper ein bisschen zu gewichtig schienen. Hailey Clark legt als Alcina mächtig dramatisches Pathos in die Sopranpartie, auch Avery Amereau als Bradamante hat einen starken Mezzo. Mehr Leichtigkeit zeigt Mercedes Acuri als Morgana. Faszinierend der Countertenor Vince Yi mit seinem wunderbar klaren Soprantimbre als Ruggiero. Rubén Dubrovsky war am Pult des Niedersächsischen Staatsorchesters um frisches, historisch informiertes Spiel bemüht. Doch da in Hannover in letzter Zeit ja relativ selten Barockoper gespielt wurde, ist hier noch ein wenig Luft nach oben.

Gelungene Premiere: "Alcina" an der Staatsoper Hannover

In Hannover hat Händels Oper "Alcina" Premiere gefeiert. Die bildgewaltige Barock-Oper in der Inszenierung von Lydia Steier punktet mit Hailey Clark und anderen starken Stimmen.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hannover
Opernplatz 1
30159  Hannover
Preis:
Von 21 bis 69 Euro
Kartenverkauf:
Kasse im Opernhaus und Schauspielhaus
Montag- Freitag: 10-19:30 Uhr
(Vorverkauf bis 18:30 Uhr)
Sonnabend: 10-18 Uhr

Kartentelefon:
0511 99991111
Montag-Freitag: 10-18 Uhr
Sonnabend: 10-14 Uhr
Besonderheit:
Spieldauer: 3 Stunden, 40 Minuten
Hinweis:
Oper Alcina
Inszenierung: Lydia Steier
Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky, Cameron Burns
Alcina: Haley Clarg
Ruggiero: Vince Yi
Morgana: Mercedes Arcuri
Oronte: Rupert Charlesworth
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 09.02.2020 | 14:20 Uhr

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