Stand: 15.08.2019 16:00 Uhr

Meeresmuseum Stralsund: Keine Raubkunst aus Nazizeit

von Juliane Voigt

Das Stralsunder Meeresmuseum schließt mit einer Ausstellung über den Museumsgründer Otto Dibbelt seine Provenienzforschung ab. Zwei Jahre lang hatten Historikerinnen nach Raub- oder Beutekunst-Objekten aus der Nazizeit in der Museums-Sammlung geforscht. Das Ergebnis: Im Meeresmuseum befinden sich keine belasteten Sammlungsgegenstände. Dazu wird jetzt die Ausstellung "Otto Dibbelt - Sammler über Grenzen" gezeigt.

Eine versteinerte Muschel.

Keine NS-Raubkunst im Meeresmuseum Stralsund

Nordmagazin -

Das Stralsunder Meeresmuseum schließt mit einer Ausstellung über den Museumsgründer seine Provinienzforschung ab. Zwei Jahre lang wurde in der Sammlung nach NS-Kulturgut geforscht.

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Otto Dibbelt, hier bei der Untersuchung eines Ammoniten, gründete das Museum in Stralsund 1951.

1951 hat Otto Dibbelt in Stralsund das sogenannte Natur-Museum, das heutige Deutsche Meeresmuseum, aufgebaut. Dafür hatte er seine Sammlungen aus Kolberg nach Stralsund mitgebracht. Das Meeresmuseum hat jetzt auch die Herkunft, die sogenannte Provenienz, der einzelnen Objekte klären lassen.

Präparate, Drucke, Fossilien

Die Exponate, die in der Otto-Dibbelt-Ausstellung gezeigt werden, sind vielfältig: Ein Raubvogel schlägt die Krallen in seine erschrockene Beute. Präpariert in dieser Pose verharren sie hinter Glas. In der Vitrine daneben sind mittelalterliche Wiegendrucke ausgestellt, ein Ölgemälde mit einem an den Strand gespülten Stör. Ein gewaltiger Finnwal-Schädel steht wie eine Skulptur im Raum, es sind Kästen voller aufgespießter Käfer und Schmetterlinge, in alten Archivschränken liegen Fossilien und ein präpariertes Krokodil, mikroskopische Objekte.

Dibbelt hatte eine grenzenlose Sammelleidenschaft

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Freuen sich über das Ergebnis der Provenienzforschung: Nadine Garling und Anne Paschen (M.) und Direktor Andreas Tanschus (l.).

Nadine Garling, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Meeresmuseums, ist beeindruckt von der grenzenlosen Sammelleidenschaft Otto Dibbelts. "Er war im ersten Beruf Volksschullehrer, dann studierte er Biologie an der Universität in Greifswald und hat später zwei Museen gegründet. Gleichzeitig war Dibbelt Heimatforscher, Autor und Herausgeber. Es gab sozusagen nichts, was ihn nicht interessierte", sagt Garling.

Die Sammelleidenschaft des Forschers reichte ihren Angaben zufolge von Geschichte über Archäologie und Botanik bis hin zu vielen anderen Themen und allen möglichen Ländern. "Ich glaube, er hat sich tatsächlich als Universalgelehrter verstanden. Im seinem Nachlass gibt es schriftliche Aufzeichnungen, die zeigen, dass er als Jugendlicher und junger Erwachsener in Hamburg die Museen anschaute und sehr von Alfred Lichtwark, dem Gründer der Hamburger Kunsthalle, beeinflusst wurde."

Dibbelts Ziel: ein eigenes Museum

Das war Dibbelts Traum: ein eigenes Museum gründen. Kaum jemand kennt ihn heute noch, aber seine naturkundliche Sammlung bildete den Grundstock für das Deutsche Meeresmuseum. Der gebürtige Stralsunder hatte erst in Kolberg in Hinterpommen seine Sammelwut in den Aufbau eines Heimatmuseums gesteckt - finanziert mit dem Geld seiner schwedischen Ehefrau. Sie unterstützte ihren Mann auch sonst in allem. Und so sammelte er, auch während der Nazizeit.

Keine Beutekunst in der aktuellen Sammlung

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Die Ausstellung "Otto Dibbelt - Sammler ohne Grenzen" befindet sich neben dem Meeresschildkröten-Aquarium.

Anne Paschen hat mit Garling die Herkunft der Sammlungsobjekte auf sogenannte Beutekunst aus der Nazizeit untersucht. "Wir mussten erst mal herausfinden, was zur Sammlung gehört hat, was an Material vorhanden ist. Das mussten wir natürlich alles erst sichten und begutachten. Wir hatten vorab schon Indizien, die sich bestätigten, als wir den Nachlass erforscht haben. Es hat sich gezeigt, dass Dibbelt in Berlin in fragwürdigen Auktionen Dinge angekauft hat. Dafür haben wir Ankaufsbelege und Rechnungen gefunden", sagt Paschen.

Der Verbleib der von ihm auf diese Weise erworbenen beiden Gemälde und einer ägyptischen Perlenkette ist nach Angaben des Meeresmuseums aber nicht bekannt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 15.08.2019 | 19:00 Uhr