Besucher sitzen auf den Terrassen vor der Elbphilharmonie © Daniel Dittus

Hamburger Kultursommer - wie es singt und trommelt

Stand: 21.07.2021 18:44 Uhr

Überall in Hamburg gibt es derzeit auf kleinen und großen Bühnen Theater und Musik unter freiem Himmel. Auch auf dem Harburger Rathausplatz und vor der Elbphilharmonie stehen Bühnen.

Eine Detailansicht zeigt die Hände zweier Schlagwerker vom Ensemble Elbtonal Percussion, die beim Foyerkonzert on tour im Schloss Reinbek am 25.08.2016 mit Schlägeln auf verschiedenen Schlaginstrumenten spielen. © Robert Hauspurg/ NDR Foto: Robert Hauspurg
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von Daniel Kaiser

Die Bühne vor der Elbphilharmonie direkt an der Hafenkante steht komplett voller Instrumente: Das Schlagzeuger-Trio von "Elbtonal Percussion" trommelt und scheppert, sie wirbeln und rufen, es klingelt und kracht. Was für eine Energie! Die drei sind lauter als eine ganze Schicht bei Blohm&Voss.

Das Publikum sitzt in Strandkörben oder hockt auf kleinen Inseln aus Kunstrasen. Die Menschen genießen die Klänge und die Aussicht, denn die Konzertreihe mit dem wunderbar gedrechselten Namen "Hope'n'Air" hat auf jeden Fall eine Ehrennadel für den hamburgischsten Kultursommer-Ort verdient.

Dialog mit Möwen und Schiffen auf den Bühnen am Hafen

Möwen kreisen und kreischen über der Bühne, Barkassen brummen, am anderen Elbufer zischt es industriell. Für Jan-Frederick Behrend von Elbtonal Percussion ist der Hafen nicht nur Kulisse, sondern auch Inspiration: "Jedes Möwengeheul und jedes Schiff habe ich mindestens unbewusst beim Musikmachen aufgenommen und am Marimbaphon immer reagiert, wenn da ein schöner Hafensound kam, das ist ja das Besondere an Open Air."

Konditionsprobleme nach der Corona-Pause

So eine japanische XXL-Trommel mit Karacho zu bearbeiten, ist Höchstleistungssport. Da kommt man auch als Percussion-Profi nach so langer Corona-Pause aus der Puste. "Ich musste schon meine Kraft einteilen. Das ist man als Schlagzeuger gar nicht mehr gewohnt", lacht Behrend. "Nach dem ersten Konzert musste ich sogar Magnesium einnehmen, weil ich Krämpfe im Daumen hatte." Nach jedem artistischen oder animalischen Trommel-Solo spüre man am Applaus des Publikums eine Kultur-Euphorie, sagt Behrend. "Die sollten wir alle mitnehmen."

Abendlied an der Elbe

Immer dienstags bis sonntags wird die Bühne vor der Elbphilharmonie bespielt. An diesem Abend haben die drei von Elbtonal Percussion unter anderem anspruchsvolle Stücke aus Japan und Serbien mitgebracht. Besonders berührend ist aber auch die Jazz-Version von Bachs weltberühmter Toccata in d-moll. Dann weht da plötzlich auch noch ein Gutenacht-Lied durch den Hamburger Hafen. Traumschön! Als Zugabe trommeln sie mit Kochmützen auf dem Kopf und Kochlöffeln in der Hand auf Tischen herum - so macht Kultursommer Spaß.

Stimmungsaufheller auf dem Rathausplatz in Harburg

Einen Monat lang gibt es in der ganzen Stadt mehr als 1.300 Veranstaltungen. Die Kulturbehörde hat 10 Millionen Euro investiert und Veranstalter aufgerufen, in der ganzen Stadt Open-Air-Programme für kleines Geld oder sogar gratis anzubieten. Die Idee ist, dass vor allem Künstlerinnen und Künstler aus Hamburg und Umgebung auftreten.

Auch auf dem Harburger Rathausplatz stimmt die Stimmung. Moira Serfling vom Hamburger Pop-Duo Nervling ist schon wieder so richtig auf Post-Coronoa-Betriebstemperatur: Wie ein Duracell-Häschen tanzt und singt sie, schlägt auf Mini-Glockenspiele, bläst in Kindersaxophone und pfeift. "Ich bin froh" heißt der Anti-Lockdown-Stimmungsaufheller, der einem nicht mehr aus dem Ohr will.

Perfektes Timing bei der Planung

Die Menschen in Harburg auf ihren Bierbänken vor der Bühne schmunzeln und schnipsen. Auf dem Rathausplatz ist alles dabei: Essen, Trinken, ein Gedichtautomat und öffentliche Öko-Klos, die auch etwas von Abenteuerurlaub haben. "Man schüttet ein paar Sägespäne hinterher - wie früher", lacht Lars Hansen vom Veranstaltungsteam Sued-Kultur. Die Bühne wandert in den kommenden Wochen durch den Hamburger Süden. Der Kultursommer kommt genau zur richtigen Zeit, sagt Hansen. "Es hilft allen: den Künstlern, den Veranstaltern, den Bühnentechnikern und auch den Pfannkuchenbäckern"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.07.2021 | 19:00 Uhr