Stand: 07.10.2019 06:00 Uhr

Zu Besuch bei Krimi-Autor Martin Walker

von Axel Seitz

Das Périgord im Südwesten Frankreichs ist berühmt für steinzeitliche Höhlen. Genießer kommen bei Foie Gras, Gänsekeulen und Bergerac-Weinen ins Schwärmen. Naturliebhaber paddeln auf den Dordogne und Vézère oder wandern zu einer der zahlreiche Burgen. Freunde der Kriminalliteratur können seit mittlerweile elf Jahren verfolgen, wie ein Dorfpolizist nicht nur für Ordnung sorgt, sondern auch Verbrecher dingfest macht. Martin Walker, Journalist und Historiker aus Schottland, hat mit Bruno nicht nur einen ehrenwerten, allseits beliebten Polizisten erfunden, sondern mit seinen Krimis auch das Périgord über Frankreich hinaus noch bekannter gemacht. Am kommenden Sonntag stellt Martin Walker seinen jüngsten Bruno-Krimi in Schwerin vor: "Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police". Zuvor hat Axel Seitz den Autor im Périgord getroffen.

Martin Walker, Bruno und das Périgord

Dienstag ist Markt in der kleinen Stadt Le Bugue im Périgord. Das Markttreiben lässt sich besonders gut vom Café Viz’ara aus betrachten, das gleich hinter dem Rathaus liegt: "Als ich vor mehr als 20 Jahren hierher kam, hieß es Café Fauquet, und seit diesem Jahr ist es Café Viz'ara", erzählt Walker. Café Fauquet? Gibt es da nicht die besten Croissants von Saint-Denis? Richtig, denn der Ort, in dem Bruno Courrèges als Polizist seinen Dienst verrichtet, ist identisch mit Le Bugue, der kleinen Stadt, in deren Nähe Martin Walker seit rund zwei Jahrzehnten lebt und Krimis schreibt. 2008 erschien der erste Krimi auf Englisch, 2009 auf Deutsch. Der zwölfte Bruno kam dieses Jahr in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien heraus. "Und ich habe bereits den 13. und 14. Teil geschrieben", erzählt der Autor.

Martin Walker traf den wahren Bruno im Tennnisclub

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Der Markt im französischen Le Bugue lässt das Genießerherz höher schlagen. Hier wird Käse angeboten.

Es wird also weitergehen mit Bruno, Chef de Police. Im wahren Leben heißt er Pierrot und Martin Walker traf ihn vor Jahren im Tennisclub: "In unserem Tennisclub habe ich einige Freunde gefunden. Und einer von ihnen war zehn Jahre lang im französischen Heer, er ist ein Jäger, ein Feinschmecker und ein sehr guter Koch. Und er ist unser Dorfpolizist und heißt Pierrot. Ich dachte: Das ist eine wunderschöne Idee für einen Roman. Aber er ist ein Polizist und das bedeutet, ich muss einen Krimi schreiben. Wie schreibt man einen Krimi? Ich hatte damals keine Idee", so Walker.

Doch die Ideen kamen schließlich und Bruno fing an zu ermitteln. Martin Walker ging es seither aber weniger nur um Morde aus Leidenschaft oder Hass, sondern seine Krimis drehen sich auch um Frankreichs Beteiligung am Algerien- sowie dem Vietnamkrieg, es geht um die Résistance, spanische und nordirische Terroristen oder seltene Automobile: "Diese Autos im Buch 'Grand Prix' gab es. Diese Résistance-Geschichte ist wahr, alles ist wahr. Was ich schreibe, finde ich hier. Es gibt so viele Geschichten hier, es gibt mehr Geschichten in dieser Ecke von Frankreich als in vielen Ländern", sagt Walker.

Walkers Ehefrau steuert Rezepte bei

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Blick in die Landschaft um den Ort Le Bugue im Périgord.

Martin Walker hat mit Bruno nicht nur einen Dorfpolizisten erfunden, sondern auch einen Gourmet. Und so sind die Bruno-Krimis auch immer Kochbücher. Da stellt sich die Frage, wer kocht denn hier - etwa Martin Walker? Nein, Julia, Martin Walkers Ehefrau kocht. "Aber jedes Rezept, das man in einem Bruno-Roman findet, habe ich selbst gekocht. Allerdings mit meiner Frau Julia an der Seite. Sie ist die Expertin. Sie hat vor vielen Jahren unter anderem für die 'Washington Post' über Essen geschrieben. Sie ist eine wunderbare Köchin", verrät der Autor.

Für Bruno gibt es ein Vorbild, aber nicht nur für ihn. Martin Walker verrät, für wen seiner in den Büchern immer wiederkehrenden Charaktere das ebenfalls zutrifft: "Es gibt für jeden männlichen Charakter ein Vorbild, aber nicht für die Frauen, weil Frauen einfach speziell sind." Die Bruno-Romane sind auch Reisebücher. Martin Walker schreibt über die Region, in der er seit rund 20 Jahren den Großteil seines Lebens verbringt: "Mein Held ist nicht ein Polizist - mein Held ist das Périgord."

Martin Walker in Schwerin

Martin Walker ist am 13. Oktober 2019 im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zu Gast. Er stellt seinen Roman "Menu surprise. Der elfte Fall für Bruno, Chef de police" (erschienen im Diogenes Verlag) vor und wird von Frankreich, seiner Liebe zum Kochen und seiner Arbeit als Schriftsteller erzählen.

Die Karten für die Veranstaltung kosten zwischen 10 und 28 Euro.

Und eben mitten in diesem Périgord liegt die kleine Stadt Le Bugue mit ihrem ganz besonderen Markttreiben - jeden Dienstag. Es war König Philippe V., genannt der Lange, der erlaubte, dass hier dienstags Markt abgehalten werden darf. Das war 1319 und so feiert das Städtchen am Fluss Vézère in diesem Jahr tatsächlich 700 Jahre Wochenmarkt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 07.10.2019 | 19:00 Uhr

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