Generation Z auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Stand: 14.04.2021 17:19 Uhr

Die großen existentiellen Fragen aus der Sicht von Menschen um die 20 - der sogenannten Generation Z -, um die geht es im Theaterstück "Z" im Theater Kiel.

von Lina Bande

Es ist dunkel. Stille im verlassenen Hörsaal. Genau das liebt Lea. Die Philosophiestudentin lässt sich gern hier einschließen. Verbringt die Nacht alleine - nur mit ihren Gedanken. Heute wird sie aber gestört.

"Hey!" - "Was machst du hier?" - "Hast du'n Handy? Ich brauch’n Handy!" - "Nein, ich hab kein Handy." aus dem Stück "Z"

Und deshalb kommt Tizian hier jetzt auch nicht raus. Widerwillig lässt er sich aufs Gespräch mit Lea ein. Schnell sind die beiden bei ihrer Kindheit, der Liebe - und dem Leben. 

"Ich hab mir das alles nicht ausgesucht!" - "Keiner sucht sich das Leben aus, das er hat." - "Du behauptest doch, dass man alles selbst in der Hand hat, du bist doch der tolle Existentialist!" - "Boah ey, das ist absurd!" aus dem Stück "Z"

Sofort im Stück von Nino Haratischwili wiedererkannt

Maximilian Herzogenrath und Tiffany Köberich in einer Szene aus dem Stück "Z" auf der Bühne des Schauspiels Kiel © Schauspiel Kiel
Tiffany Köberich und Maximilian Herzogenrath spielen in "Z" Lea und Tizian

Tiffany Köberich und Maximilian Herzogenrath spielen Lea und Tizian. In dem Stück von Autorin Nino Haratischwili hätten sie sich sofort wiedererkannt, wollten es deshalb unbedingt umsetzen, sagt Kollege Tristan Steeg, der in der Produktion Regie und Kamera übernommen hat. Trotzdem musste das Team mit den Figuren erst mal warm werden. "Sind die nervig, ey! Die sind so anstrengend, die beiden!", sagt Tristan Steeg. "Immer wieder diese Unzufriedenheit, immer nochmal nachhaken, immer nochmal nach Schwachstellen suchen und immer nochmal nachpieksen. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir ein Gefühl dafür hatten: Was meinen die eigentlich wirklich? Worum geht es denen?"

Viele Parallelen zur Gegenwart

Alle im Produktionsteam sind Mitte der 90er-Jahre geboren und damit in etwa so alt wie die Figuren im Stück. Das ist mittlerweile zwar schon 15 Jahre alt, hat aber viele Parallelen zur Gegenwart, sagt Ausstatterin Theresa Dettmann. "Diese Thematik, mit sich selber, mit seinen eigenen Gedanken in einem ganz luftleeren Raum eingeschlossen zu sein. Jede Generation stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens und wo man sich selber positioniert."

Jede Menge Konfliktpotenzial

Und natürlich bergen solche Fragen Konfliktpotenzial. Im Stück innerhalb der Generation. Aber auch zwischen den Altersgruppen können die Ansichten ganz unterschiedlich sein, findet Maximilian Herzogenrath. "Tizians Position ist die: Klar ist das kompliziert, aber man muss halt irgendwie leben. Und Leas ist: Nee, das ist es mir nicht wert, ich erwarte da mehr", erklärt er. "Bei mir klingelt da sofort die Stimme meines Opas, der gesagt hätte: Hä? Seid doch froh, dass ihr Arbeit habt und genügend Geld um klarzukommen. Lea würde darauf antworten: Hä? Das ist doch nicht alles! Bloß weil ich satt bin, bin ich doch nicht glücklich."

In einer Aufnahme ohne Schnitt gedreht

Gedreht wurde der Theaterfilm als One-Take, also in einer durchgehenden Aufnahme ohne Schnitt, nachts im Schauspielhaus. Die verfolgende Kamera lässt die Zuschauenden zu stillen Beobachtern werden, zur dritten Person in der Szenerie. Ein sehr intensives Theatererlebnis, bei dem das Publikum ganz nah dran ist an den Figuren.

Der Theaterfilm "Z" ist bedrückend und inspirierend zugleich - und lässt einen als Zuschauerin oder Zuschauer nachdenklich zurück: Wo stehe ich gerade in meinem Leben - wo will ich hin? Und das ganz unabhängig davon, welcher Generation man selbst angehört.

Die Premiere von "Z" findet am 15.4. um 20 Uhr statt. Karten können telefonisch oder online gekauft werden. Der Zugangslink zum Film wird per Mail zugeschickt.

Weitere Informationen
Der Kleine Kiel mit dem Opernhaus und dem Rathausturm im Hintergrund © NDR Foto: Berit Ladewig

Kulturpartner: Theater Kiel

Mit den fünf eigenproduzierenden Sparten, drei verschiedenen Theaterhäusern und zirka 500 Beschäftigten gehört das Theater Kiel zu den großen Theatern in Deutschland. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 3 | 14.04.2021 | 19:00 Uhr