Stand: 26.08.2020 11:27 Uhr

Wie die freie Theater-Szene der Corona-Krise trotzt

Eine Corona-Abstandsmarkierung auf dem Boden. © picture alliance Foto:  Julian Stratenschulte
Die Corona-Abstandsregeln machen der freien Theaterszene zu schaffen.

Der Stücke sind genug gestreamt, nun lasst uns endlich wieder richtig spielen - so könnte man das Motto vieler Theaterschaffender der freien Szene Hannovers zusammenfassen. Denn auch wenn strenge Hygieneauflagen und weniger Publikumsplätze wegen der Corona-Pandemie aufs Budget drücken, wird an Premieren für die kommende Spielzeit gearbeitet. NDR Info stellt die Vorbereitungen der freien Theater fensterzurstadt und Frl. Wunder AG in Hannover vor.

von Agnes Bührig

"Wir sind ja heute vor allem zusammengekommen, um herauszufinden, auf welche finanziellen Zukünfte wir uns vorbereiten." Zwei Frauen mit grauen Haaren stehen vor einem Bett mit Hebefunktion und Rollator auf der Bühne und fordern das Publikum auf, über die eigene Zeit im Rentenalter nachzudenken. "Schon wieder: Davon leben" heißt das Stück der Frl. Wunder AG, das in wenigen Wochen Hannover-Premiere feiert. Es geht um Visionen zum Leben im Alter, ein Thema, das durch die Pandemie neue Facetten erhalten hat, wie Marleen Wolter vom Performance-Kollektiv sagt.

"Ich glaube, dass das Stück eigentlich sehr passend ist für die jetzige Situation, weil die Aspekte Sorge, Pflege und Einsamkeit unter Corona noch sehr viel wichtiger sind." Zudem werde möglicherweise die Welt, die wir im Rentenalter erleben, gar nicht mehr so sein wie die, die wir jetzt kennen. Um die sich immer wieder verändernden Corona-Abstandsregeln einzuhalten, wird das Stück derzeit aktualisiert. Dass nur zwei Schauspieler auf der Bühne stehen und die anderen per Video zugeschaltet werden, ist da von Vorteil.

Ausgefallene Stücke werden wieder angeschoben

Auch Carsten Hentrich vom Theater fensterzurstadt treibt das Thema Abstandhalten um. Er arbeitet gerade an der Adaption des Jugendromans "Wir beide wussten, es war was passiert", in dem sich drei sehr verschiedene Menschen begegnen. Derzeit würden die Proben durchgeführt. Aber ob das Stück in den eigenen Räumen zur Aufführung kommen könne, sei noch nicht geklärt. Denn nur für zehn von rund 60 Publikumsplätzen darf das Theater Karten verkaufen. Fördermittel aus dem Stipendienprogramm "Reload" der Kulturstiftung des Bundes helfen da, ausgefallene Produktionen wie die Kafka-Vorstellung wieder anzuschieben, die für diesen Sommer geplant war.

Corona als Herausforderung

Mit "Kafka.Off.Bureau" ergründet das Theater fensterzurstadt derzeit den Kosmos Franz Kafkas - in Zusammenarbeit mit dem Publikum. Das ist aufgefordert, seine Kommentare zum Werk des Schriftstellers einzuschicken - ob als Video, Text oder Zeichnung, die Form ist völlig frei. Im nächsten Frühjahr soll daraus ein Theaterstück zur Bedeutung Kafkas heute werden. Gern Labyrinth-artig, eine Reaktion auf die derzeitigen Herausforderungen, wie Carsten Hentrich sagt: "Ich glaube, wir Künstler sind - auch schon vor Corona - immer wieder dazu aufgefordert, uns neu zu erfinden, jedes Konzept fallen zu lassen und neu zu reagieren." Von daher sei Corona natürlich eine Herausforderung, "aber wir können damit umgehen und werden nochmal zu anderen Methoden aufgefordert." Und er fügt hinzu: "Wenn wir nicht Suchende sind, wer soll es denn sonst sein?"

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Dieses Thema im Programm:

Kultur | 26.08.2020 | 09:55 Uhr