Von Pest bis Corona: Seuchen-Ausstellung in Hildesheim

Stand: 30.09.2021 21:11 Uhr

Im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim startet eine Ausstellung zur Geschichte von Seuchen. Sie soll zeigen, wie Pandemien auch schon vor Corona ganze Kulturen beeinflusst haben.

Die Ausstellung mit dem Titel "Seuchen. Fluch der Vergangenheit - Bedrohung der Zukunft" soll die Besuchenden mit auf eine Zeitreise vom Alten Ägypten bis in die Gegenwart nehmen: Es geht um Pest, Tuberkulose, Aids und Corona. Die Zentrale Botschaft: Infektionskrankheiten haben schon immer mehr Menschenleben gefordert als Kriege oder Naturkatastrophen, heißt es vom Museum. Die Ausstellung sei vor allem wegen der Dimensionen eine besondere Sache: "Es ist die größte Ausstellung, die wir je gemacht haben", sagte Museumssprecherin Regine Schulz. Rund 2.000 Quadratmeter sei die Ausstellungsfläche insgesamt groß, zu sehen sind demnach knapp 850 Exponate von 85 Leihgebern. Darunter: historische Schriften, anatomische Wachsfiguren und Instrumente.

Besuchende können virtuell Leichen sezieren

Und es gibt Erlebbares: So sollen Besuchende im nachgebauten ersten Anatomischen Theater von Padua virtuell eine Leiche sezieren können. In einem weiteren Raum wurde ein Labor aus dem Jahr 1900 detailgetreu nachgebaut, samt Reagenzgläsern und mit weißer Kreide aufgekritzelten chemischen Formeln. Es soll das Labor des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich zeigen, dem Namensgeber des in der Corona-Pandemie besonders bekannt gewordenen Instituts. Ehrlich war es in seinem Labor gelungen, Farbstoffe so lange zu verändern, bis er einen Stoff hatte, der den Erreger der Syphilis töten konnte - "ohne den Menschen zu schädigen", wie Kurator Oliver Gauert betont. Nur eine Stück weiter: eine alte Eiserne Lunge, die früher viele Erkrankte rettete, die an schwerer Kinderlähmung litten.

Begehbares Virus und "Triumph des Todes"

Aber auch Erreger selbst werden - ohne gesundheitliche Bedenken - erlebbar gemacht: Gezeigt wird zum Beispiel ein begehbares HI-Virus, dessen winzig kleines Vorbild in der Natur die Krankheit Aids auslöst. Ein weiteres Highlight der Ausstellung: das Gemälde "Triumph des Todes" von Jan Bruegel. Kaum zu glauben, aber gerade in Corona-Zeiten sollen von den Exponaten vor allem positive Signale ausgehen, findet Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als wissenschaftlicher Berater der Ausstellung. Schließlich habe man in der aktuellen Pandemie "Unglaubliches" geschafft: "Wir haben in einem Jahr vier Impfstoffe in den Markt gebracht. Und die Ausstellung soll auch zeigen, dass wir dem vielleicht ein bisschen Dankbarkeit schulden", so Welte.

Pandemie verzögert Pandemie-Ausstellung

Die Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim läuft bis zum 1. Mai kommenden Jahres. Geplant wurde sie nicht als Reaktion auf die Corona-Pandemie, sondern stand nach Angaben des Museums schon lange vorher als Idee im Raum. Beginnen sollte sie demnach ursprünglich Ende August. Durch die Pandemie habe sich aber unter anderem die Anschaffung von Material für den Aufbau verzögert. An der Ausstellung sind neben der MHH auch andere Kooperationspartner beteiligt, darunter das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und das Paul-Ehrlich-Institut.

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Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Roemer- und Pelizaeus-Museum
Am Steine 1-2
31134 Hildesheim
Telefon:
(05121) 93 69 0
E-Mail:
info@rpmuseum.de
Preis:
10 Euro, erm. 8 Euro, Kinder bis 14 Jahre 5 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Regional Hannover | 30.09.2021 | 15:00 Uhr