Blick auf eine Theaterbühne mit Baugerüst. Im beleuchteten Hintergrund sind arbeitende Menschen zu sehen. © NDR Foto: Juliane Voigt

Theater Putbus: Zum Geburtstag einen Feuerschutz-Vorhang

Stand: 18.11.2020 11:05 Uhr

Statt eines eisernen Feuerschutzvorhanges hat das kleine Theater in Putbus einen gläsernen Vorhang. Und der wird gerade erneuert.

von Juliane Voigt

Am 8. Dezember des Jahres 1881 brannte das Wiener Ringtheater. Das Feuer brach noch vor Beginn der Opernaufführung von "Hoffmanns Erzählungen" aus. Trotzdem starben an diesem Abend knapp 400 Menschen. Die Brand-Katastrophe war eine Zäsur. Seitdem haben Theater strenge Brandschutzauflagen. Dazu gehört immer auch ein eiserner Vorhang. Eigentlich.

Zwei Menschen heben einen gelben, sehr langen Vorhang hoch. © NDR Foto: Juliane Voigt
Der neue Feuerschutzvorhang wird an Ort und Stelle fertiggestellt. Das ist sonst nicht üblich.

Ahmed Demia beugt sich mitten auf der Bühne über eine große Nähmaschine. Lange Stoffbahnen liegen auf dem Boden um ihn herum. Dreihundertsechzig laufende Meter Samt in goldenem Ocker müssen noch genäht werden. Mitarbeiter der Firma Westholt aus Kerpen in Westfalen stellen den neuen Theatervorhang an Ort und Stelle fertig. Angeleitet von Joachim Meier. "Das meiste, was wir sonst verarbeiten sind fertige Vorhänge, die wir in der Werkstatt konfektionieren und dann zu den Theatern versenden und die Haustechniker montieren das dann. In dieser Form mit diesen ganzen Bögen und Fransen haben wir das in der Höhe auch so noch nicht gemacht." Das sei jetzt schon was Besonderes, sagt Meier.

Ein historisches Theater ist kein Museum

Bauarbeiten in einem entkernten Gebäude. Über dem gesamten Gelände ist eine Plane aufgespannt. © dpa Foto: Jens Kalaene
1992: Unter einer provisorischer Umhüllung sind Spezialisten mit der Sanierung des Theater-Dachstuhls beschäftigt.

Zum 200. Geburtstag bekommt das historische Theater in Putbus endlich einen neuen Vorhang. Der alte war voller Flecken und Löcher und vom vielen Öffnen und Schließen an den Unterkanten zerfetzt. Für Theaterdirektor Peter Gestwa eine lange erhoffte Investition. Rund 50.000 Euro kamen vom Landkreis Vorpommern-Rügen.

Von 1992 bis 1998 sei die erste Komplettsanierung- und Renovierung gewesen. Jetzt nach 22 Jahren würde viel nachgearbeitet, draußen wie drinnen. Dadurch, dass das ja kein Museum sei, "sondern ein Gebrauchs-historisches Gebäude wenn man so will, was ja bespielt wird, belebt wird, nimmt es natürlich auch Schaden, wird abgenutzt", erklärt Gestwa

Theatervorhang als Feuerschutzwand

Zu den klassizistischen Elementen im Innenraum gehört neben dem Vorhang auch die gesamte Draperie im Zuschauerraum und der Fürstenloge. Rüschen, Bögen, Quasten und Kordeln, die in Handarbeit im Erzgebirge hergestellt wurden. Sie werden nach Vorgaben der Denkmalpflege erneuert. Unter Erfüllung der Brandschutzauflagen.

Gestwa dazu: "Die meisten Theater haben ja einen eisernen Vorhang, der ja Vorschrift ist, damit bei Feuer der eiserne Vorhang runtergefahren werden kann und mindestens zwanzig Minuten eine Feuerschutzwand entsteht, zwischen Zuschauerraum und Bühne. Das ging im Theater Putbus nicht, die Deckenkonstruktion hätte den eisernen Vorhang nicht gehalten.

Ein Samtvorhang mit Glasschicht

Der Vorhang in Putbus hat deshalb noch eine zweite Schicht, die mit dem Samtvorhang vernäht ist. Ein schweres, schwarzes Gewebe, das sich, unsichtbar für den Zuschauer, in schwere Falten legt, erklärt Joachim Meyer von der Firma Westholt: "Das ist ein Glasgewebe, was überhaupt nicht brennt. Ein Ersatz für den fehlenden eisernen Vorhang. Stoff aus Glas gewebt." Es sei eine spezielle Technik, wie der Stoff verwebt wird. Es sind Glasfäden, die als Stoff hergestellt werden

Sechs Meter hoch, zwölf Meter breit, mehrere Zentner schwer. Ergänzt außerdem durch eine Sprinkleranlage, die mittels feiner Düsen entlang der Vorhang-Schiene 12.000 Liter Wasser in feinem Nebel versprühen kann.

Den Status des historischen Theaters erhalten

Theater Putbus auf Rügen © fotolia Foto: brudertack69
Das zweigeschossige klassizistische Theatergebäude von Putbus auf Rügen wurde von 1819 bis 1821 errichtete. Die kleine Inselbühne bietet 320 Zuschauern Platz.

Das sei eine Lösung für historische Häuser, erzählt der Theaterdirektor. "Denn sonst würde ich den Status des historischen Theaters nicht mehr haben, wenn ich die ganze Deckenkonstruktion neu mache. Da hätten in diese wunderbare Holzkonstruktion, wo noch die Handwerker sich verewigt haben, Stahlträger eingezogen werden müssen. Das wäre alles weg." Die Arbeiten werden noch bis Ende der Woche dauern.

Der alte Vorhang musste das Publikum zum Glück nie vor Feuer schützen. Und auch der neue hat vor allem eine Aufgabe: Jeden Abend Vorhang auf! Für Musik, Tanz und Theater.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 17.11.2020 | 19:00 Uhr

Luftaufnahme der Stadt Putbus auf Rügen © fotolia Foto: AxelBurchardt

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