Stand: 07.03.2020 06:46 Uhr

Stadttheater Flensburg: Premiere für "Der Vogelhändler"

von Lukas Knauer

"Schenkt man sich Rosen in Tirol?“ - für dieses Lied ist "Der Vogelhändler" bekannt. Carl Adam Zellers Werk gehört zu den Klassikern deutschsprachiger Operetten. Es geht um Herzschmerz, Intrigen und den Konflikt zwischen Arm und Reich. Roland Hüve ist es gelungen, die satirischen Elemente und den Witz dieses Stücks aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart zu übertragen. Am Sonnabend feiert das Stück am Stadttheater Flensburg Premiere.

Szene aus "Der Vogelhändler" im Stadttheater Flensburg © Landestheater Schleswig-Holstein/Henrik Matzen Foto: Henrik Matzen
Das Bühnenbild gleicht in der ersten Hälfte des Stückes einer großen Baustelle.

Der klassische Vorhang hat ausgedient: Ein großes Werbebanner, das an einem Stahlgerüst befestigt ist, verdeckt die Bühne des Flensburger Stadttheaters. Darauf steht: "Wir bauen für Fürst - hier entsteht ein Schloss-Hotel mit Golf Resort". Das Licht auf der Bühne geht an und das Gerüst fährt nach oben: Es wird klar - wir befinden uns tatsächlich auf einer Baustelle. Der Hintergrund ist in grünliches Licht getaucht, ein zweites Gerüst ist zu sehen, überall liegen Betonsäcke und Platten herum.

Regisseur Roland Hüve wollte mit diesem Bühnenbild auch ein Statement setzen. "Diese Bauarbeiten haben eine Schattenseite, weil viele der Bauarbeiter, sagen wir mal, an den Sozialabgaben vorbei engagiert sind." Man habe die Dualität des alten Stückes mit armen Dorfbewohnern und reichen Aristokraten in die heutige Zeit gebracht. "Die einen sind die armen Arbeitnehmer und die anderen sind die reichen Menschen, die mit Startup-Unternehmen im Internet viel Geld gemacht haben." Die Darsteller tragen dabei eher für Bauarbeiter untypische Kleidung von Sportklamotten bis zum Jägeroutfit. Nur vereinzelt erkennt man einen Zimmermann oder Bauhelmträger.

Die Grundhandlung des "Vogelhändlers" bleibt gleich

Szene aus "Der Vogelhändler" im Stadttheater Flensburg © Landestheater Schleswig-Holstein/Henrik Matzen Foto: Henrik Matzen
Adam (l., Fabian Christen) flirtet mit nahezu jeder weiblichem Figur in "Der Vogelhändler".

Obwohl die Geschichte in die Gegenwart gebracht wurde, hat sich an der Grundhandlung nicht viel verändert. Es geht um den Vogelhändler Adam aus Tirol, der in sein Dorf zurückkehrt, um seine Verlobte Christel, eine Postbotin, endlich für sich zu gewinnen.

Klingt romantisch, ist es aber nicht, sagt Adam Darsteller Fabian Christen: "Ich flirte, glaub ich, mit jeder weiblichen Darstellerin auf der Bühne und muss da irgendwie versuchen doch standhaft zu bleiben und meine Grenzen auszutesten." Es wird geflirtet, was das Zeug hält. "Der Vogelhändler trägt wie viele Werke, die über 100 Jahre alt sind, ein durchaus problematisches Frauenbild in sich", meint Regisseur Hüve. "Das haben wir nicht verändert, aber wir haben es in unserer Fassung ein bisschen auf die Spitze getrieben."

Den Schauspielern machen die überspitzten und leicht überdrehten Passagen sichtlich und hörbar Spaß: so viel Spaß, dass der Regisseur während der Probe auch mal reinrufen und um Konzentration bitten muss.

Szenische und musikalische Inszenierung harmonieren

Szene aus "Der Vogelhändler" im Stadttheater Flensburg © Landestheater Schleswig-Holstein/Henrik Matzen Foto: Henrik Matzen
In der dynamischen Inszenierung gehen Klassik und Moderne perfekt ineinander über.

Das Stück entwickelt im weiteren Verlauf eine ganz eigene Dynamik. Das ist auch Ingo Martin Stadtmüller zu verdanken: Der musikalische Leiter geht die Orchestrierung zwar klassisch an, schafft es aber dennoch den bekannten Melodien neues Leben einzuhauchen.

"Ich finde, dass die Musik einfach unglaublich farbig ist, und ich glaube, das Glück dieser Produktion ist, dass diese Stückdynamik auch szenisch aufgefangen wird", sagt Stadtmüller. Auch die Bühnenbildner und Ausstatter haben sich selbst übertroffen: Das Baustellensetting ist stimmig und bildet einen totalen Kontrast zum in Schwarz-Weiß gehaltenen, loftähnlichen Innenraum des Schlosses, in dem es nach der Pause weitergeht.

Bei dieser Operette hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Die Zuschauer erwartet eine rasante und bunte Inszenierung mit tollen Stimmen und jeder Menge Witz. Bei all den Neuerungen: Die Klassiker gibt es natürlich auch zu hören. "Ich glaube das Stück, auf das alle am Abend warten, 'Schenkt man sich Rosen in Tirol', das ist schon ein Glanzmoment dieses Stücks", sagt Adam-Darsteller Fabian Christen.

Stadttheater Flensburg: Premiere für "Der Vogelhändler"

Das Landestheater Schleswig-Holstein hat den Opern-Klassiker "Der Vogelhändler" in ein modernes Gewand gepackt. Am Sonnabend feiert das Stück in Flensburg seine Premiere.

Datum:
Ende:
Ort:
Stadttheater Flensburg
Rathausstraße 22
24937  Flensburg
Telefon:
(0461) 233 88
E-Mail:
kasse.flensburg@sh-landestheater.de
Preis:
18 - 37 Euro
Kartenverkauf:
Karten für die übrigen Veranstaltungsorte:
https://www.sh-landestheater.de
Besonderheit:
Die Aufführungen finden abwechselnd statt in: Flensburg, Schleswig, Neumünster, St.Peter-Ording, Rendsburg
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Theater auf NDR 1 Welle Nord | 04.03.2020 | 20:05 Uhr