Stand: 22.07.2020 15:21 Uhr

Sperger-Wettbewerb: Kontrabass-Challenge im Netz

von Anina Pommerenke

Eigentlich hätte in diesem Jahr wieder der Internationale Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb junge Kontrabass-Talente aus aller Welt nach Rostock locken sollen. Dort findet der Wettbewerb der Sperger-Gesellschaft neuerdings alle zwei Jahre statt. Um in Corona-Zeiten die Freude am Spielen aufrecht zu erhalten, hat die Sperger-Gesellschaft alternativ eine "Internationale Kontrabass Quarantäne Challenge" ins Leben gerufen. Und die läuft doch etwas anders ab als der gewohnte Wettbewerb.

Kontrabass-Online-Wettbewerb sprengt Grenzen

Egal ob Pop, Jazz, Improvisation oder Klassik, ob Solo, im Trio oder mit Klavier-Begleitung - bei der Kontrabass-Online-Quarantäne-Challenge der Sperger-Gesellschaft ist alles erlaubt. Ebenfalls anders als beim traditionellen Wettbewerb: Mitmachen darf jede und jeder - egal welche Altersklasse oder aus welchem Land, erzählt Vereins-Leiterin Christine Hoock: "Ringsherum haben sich die Grenzen erhoben - und wir haben die Grenzen einfach fallen lassen. Und ich muss sagen: Das fühlt sich verdammt gut an."

Einreichungen aus der ganzen Welt

Eine Teilnahmegebühr gibt es nicht. Außerdem entfallen Reise- und Transportkosten, die für ein Instrument dieser Größenordnung schon mal teuer werden können. Das Challenge-Konzept scheint gut anzukommen: Es gibt Einreichungen aus der ganzen Welt. Und die bewegen sich zur Freude der Jury auf sehr hohem Niveau: "Ich finde es unheimlich schön, was da alles eingesendet wird", so Hoock. "Wir erleben sehr viel Neues, das ist eine ganz tolle Phase - trotz dieser schwierigen Umstände."

Neue Saiten und wertvolle Partituren

Die Challenge geht über sieben Wochen. Alle zehn Tage entscheidet eine komplett neue Jury über die Einsendungen. Statt eines Preisgeldes gibt es neue Kontrabass-Saiten oder wertvolle Partituren zu gewinnen.

Zeitzonenübergreifende Jury-Sitzungen

Zu den 38 internationalen und ehrenamtlich arbeitenden Jurorinnen und Juroren gehört auch Michaela Perdacher-Kober, die selbst in Klagenfurt sitzt. Sie tauscht sich mit den Jury-Mitgliedern aus aller Welt - und in verschiedenen Zeitzonen - über die Einreichungen aus. "Zum Schluss gibt es immer ein Gespräch mit dem Jury-Vorsitzenden - und der erste ist in Australien zuhause", berichtet Perdacher-Kober schmunzelnd. "Zwei Uhr morgens war natürlich etwas früh mich zum Aufstehen, aber im Homeoffice kann man sich diese Arbeitszeit gut einteilen."

Die Chancen des Split-Screens

Für sie birgt der Challenge-Modus aber nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen: "Viele nutzen Online-Plattformen, auf denen man Split-Screen-Videos machen kann, sodass man an verschiedenen Örtlichkeiten gemeinsam musiziert. Wir sind durch die Corona-Krise zwar eingeschränkt, aber die Energie des Kontrabass-Spielens geht weiter."

Kontrabassistinnen und -bassisten halten zusammen

Die Challenge zeige auch einmal mehr den starken Zusammenhalt, der traditionell unter Kontrabassistinnen und -bassisten hersche, ist Christine Hoock überzeugt: "Wir sind von unserer Tradition her kein typisches Soloinstrument. Wir waren immer die Unterstützer, einfach anders als ehrgeizige Geiger oder Pianisten."

Sperger-Wettbewerb: Ursprüngliches Programm auf 2022 verschoben

Vielleicht werde man den in vielen Nachtschichten erarbeiteten Challenge-Modus später noch einmal nutzen. Doch erstmal hoffen alle Beteiligten, dass der nächste Sperger-Wettbewerb wie gewohnt stattfinden kann. Das für diesen Sommer geplante Programm ist auf 2022 verschoben worden.

Machen Sie mit!

Bis zum 27. Juli können Sie selbst noch zum Kontrabass greifen und Videos einreichen! Und wenn Sie lieber nur zuschauen mögen: alle Videos des Wettbewerbs finden Sie hier.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.07.2020 | 07:20 Uhr