Stand: 08.09.2018 10:20 Uhr

"Orpheus": Nunes setzt auf Sinnlichkeit

von Katja Weise

Jubel und viel Applaus hat es am Freitagabend bei der Saisoneröffnung im Hamburger Thalia Theater gegeben: Regisseur Antú Romero Nunes, der zuletzt mit einer sehr freien Bearbeitung der "Odyssee" zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, zog es erneut in die Welt der Antike. Er inszenierte "Orpheus" als "musische Bastardtragödie".

Zwei schauspielerinnen auf einer Theaterbühne

Thalia Theater startet mit "Orpheus"

Hamburg Journal -

Bühnenmagier Antú Romero Nunes bittet zur Saisoneröffnung im Thalia Theater: "Orpheus" - gespielt von Lisa Hagmeister und Marie Löcker als Eurydicke.

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Eurydike ist gehörlos

Ein Mensch auf einer leeren Drehbühne. Er geht. Zunächst allein. Dann trifft er auf einen anderen - beide wollen sich nicht mehr aus den Augen lassen. So einfach beginnt Antú Romero Nunes seine Geschichte über eine große Liebe. Zwei Frauen, Lisa Hagmeister und Marie Löcker, spielen Orpheus und Eurydike. Und das ist nicht die einzige Abweichung vom Mythos, die Nunes sich leistet: Eurydike, eine schmale Frau mit wildem Lockenschopf, ist taubstumm. Achtlos klettert sie auf das Klavier, tritt die Tasten mit Füßen, denen Orpheus so schöne Klänge zu entlocken vermag. Sie finden sich trotzdem.

Nunes zeigt das Werden, Gedeihen und auch die Krisen dieser Liebe nur in Bildern. Anna Bauer und Johannes Hofmann haben für die gut anderthalbstündige Aufführung außerdem einen ziemlich guten Soundtrack komponiert, der von einem fantastischen Frauen-Quintett live gespielt wird. Worte folgen später auch noch - über die Liebe, den Tod, das Leben, die Schönheit. Nunes greift unter anderem auf Texte von Nietzsche, Schiller und Cioran zurück.

Posende Götter mit verkleistertem Haar

Nunes hat eine große Begabung für Bühnenbilder: Gips-weiß bestäubt, die Haare regelrecht verkleistert, sind beispielsweise die oft posenden Götter, ein rein männliches Ensemble, das hier unter der Führung von Zeus Schicksal spielt mit Orpheus und Eurydike. Es verursacht Eurydikes Tod, unterstützt Orpheus' Versuch und holt die Geliebte aus der Unterwelt zurück.

Virtuos wieder einmal auch das tanzende Ensemble des Thalia Theaters. Nunes setzt - und das ist konsequent - ganz auf Sinnlichkeit bei diesem Abend über Liebe und Tod, der wider besseren Wissens mit Liebe überlistet werden soll. Doch es bleibt auch Ratlosigkeit angesichts der Fülle von Einfällen, der eingestreuten Texte, deren Sinn sich nicht immer sofort erschließt. Trotzdem: Viel Beifall gibt es am Schluss, nur wenige verlassen den Saal zügig.

"Orpheus": Nunes setzt auf Sinnlichkeit

"Orpheus" als "musische Bastardtragödie": Regisseur Antú Romero Nunes zog es zur Saisoneröffnung am Hamburger Thalia Theater erneut in die Welt der Antike. Es gab viel Applaus.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Thalia Theater
Alstertor
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 32 814 444
E-Mail:
theaterkasse@thalia-theater.de
Preis:
15 - 74 Euro (je nach Kategorie)
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 08.09.2018 | 07:20 Uhr

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