Zwei Frauen betreiben Kammermusik © picture alliance / Zoonar | Svyatoslav Lypynskyy Foto: Svyatoslav Lypynskyy

Niedersächsische Musiktage: Das sind die Highlights

Stand: 12.07.2021 17:07 Uhr

Die 34. Ausgabe der Niedersächsischen Musiktage gibt sich das Motto "Rituale". Ab 28. August wird es knapp 60 Veranstaltungen in ganz Niedersachsen geben. Der Vorverkauf startet am 15. Juli.

Teile des Collegium Vocale Gent © picture alliance/dpa/CTK | Igor Zehl Foto: Igor Zehl
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von Agnes Bührig

Anselm Cybinski, Intendant der Niedersächsischen Musiktage steht auf einem Balkon. © picture alliance/dpa | Christophe Gateau Foto: Christophe Gateau
Anselm Cybinski übernahm zur Saison 2019 die Leitung der Niedersächsischen Musiktage.

Mit einem Ritual, das uns täglich begleitet, beginnt das Festival: Mit Sommernacht zwischen Licht und Schatten ist das Eröffnungskonzert in der Alten Kesselschmiede von Papenburg überschrieben. Das junge Kammerorchester reflektor aus Hamburg wird Abendmusiken von Britten und Mozart spielen. Zu entdecken, wie die äußere Wirklichkeit in die Musik hineinwirkt, das war Intendant Anselm Cybinski beim Thema Rituale wichtig:

"Wenn man sich überlegt, dass die sogenannte autonome Kunst eigentlich erst um 1800 in Europa erfunden wurde, während es früher entweder geistliche Musik gab oder Musik zur herrschaftlichen Repräsentation oder eben zum Tanzvergnügen und zu Dingen, die wirklich unmittelbar mit rituellen Vorgängen zu tun hatten, ist es interessant festzustellen, dass gerade in der Wiener Klassik immer noch viele Spuren dieser praktischen Tätigkeiten eine Rolle spielen."

Bach und Beethoven mit von der Partie

Anklänge an die Rituale von Jagd, Militär oder Tanz bei Hofe scheinen durch. Zum Beispiel bei sämtlichen Brandenburgischen Konzerten von Bach, gespielt vom Barockensemble la festa musicale auf Schloss Landestrost. Alexander Lonquich dirigiert das Münchener Kammerorchester und ist zugleich Solist aller fünf Klavierkonzerte Beethovens, die pandemiebedingt in drei Teilen aufgeführt werden. Doch es gibt auch Konzerte, die neue, nicht rituelle Formen suchen.

"Wir haben zum Beispiel ein Duftkonzert, wo eher kleinere Stücke aus der Renaissance und der Barockmusik mit Improvisation gemischt werden und dazu von einer Parfümeurin aus Hamburg Düfte ausgebracht werden", sagt Cybinski.

Collegium Vocale Gent und Roomful of Teeth am Start

Teile des Collegium Vocale Gent © picture alliance/dpa/CTK | Igor Zehl Foto: Igor Zehl
Das Collegium Vocale Gent wurde 1970 in der gleichnamigen Stadt Belgiens gegründet.

Dazu kommen eine Reihe von internationalen Ensembles wie das Danish String Quartett, das Mozart und Schostakowitsch mit der Musik skandinavischer Feste kontrastiert. In Kooperation mit dem Festival für Vokalmusik Chor.com werden das Collegium Vocale Gent und das US-amerikanische Vokalensemble Roomful of Teeth auftreten. Die Amerikaner beherrschen den rituellen Obertongesang wie das Jodeln gleichermaßen und werden unter anderem die mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Partita for eight Voices von Caroline Shaw präsentieren.

Rituale in der Musik - für Intendant Anselm Cybinski bedeutet das auch ein neues Hinhören: "Bei mir hat es jetzt auch wieder Neugierde auf Dinge geweckt, in denen dieses Rituelle einmal ganz absichtsvoll zur Seite geschoben wird", gesteht Cybinski und fügt hinzu: "Also es gibt ja bestimmte Tendenzen der zeitgenössischen Musik, in der dann im wahrsten Sinne des Wortes l’art pour l’art - Kunst um der Kunst willen - betrieben wird. Also den Eigenwert des rein Ästhetischen auch mal wieder zu haben, das finde ich natürlich auch besonders reizvoll."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.07.2021 | 16:20 Uhr