Stand: 19.05.2017 19:38 Uhr

"Icon" - der Tanz mit dem Ton

von Frauke-Ragna Lipprandt

Mit der Deutschlandpremiere "Icon" beendet Göteborgs Operans Danskompani die diesjährigen Movimentos. Dabei geht es um nicht weniger als 3,5 Tonnen vertanzten Tons auf der Bühne, der während der Aufführung verschiedene Formen annimmt.

Tanzende, deren Köpfe in Tonmasken stecken

Movimentos Festival: Göteborgs "Operan Danskompani"

Kulturjournal -

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Rund 900 Lehm-Lappen, jeweils einen halben Meter lang und fast vier Kilo schwer, sauber aneinandergereiht, säumen die hintere Hälfte der Bühne. Im vorderen Bereich stehen 120 Tonfiguren in kleinen Grüppchen beisammen. 17 Tänzer betreten die Bühne - vorsichtig, geschmeidig; darauf bedacht, dass sie auf kein Tonmännchen treten. "Je nachdem, wenn der Lehm ganz dünn auf dem Boden ausgebreitet ist, kann er rutschig werden. Wenn er aber ein Klumpen ist, dann ist er wirklich ein Hindernis. Wir müssen sozusagen überall Augen am Körper haben. Der Lehm ist ständig präsent", sagt Tänzerin Janine Koertge.

Ein launischer Werkstoff

Die Tonkacheln herzustellen und auf der Bühne auszulegen braucht einen ganzen Tag. Ein Meister sorgt dafür, dass der Ton fachgerecht hergestellt wird.

"Icon": Ton und Manipulation

Joel Stuart-Beck ist mit aus Schweden angereist: "Mein Titel ist Ton-Meister - ein nicht ganz zutreffender Titel, denn wenn du glaubst, dass Du Ton beherrschen kannst, dann bist auf dem Holzweg. Während dieses Prozesses sind wir wirklich oft überrascht worden." Unweit der Bühne wurde extra eine Produktionsstraße aufgebaut. Dort stehen etliche Plastikkisten mit sieben Tonnen befeuchtetem Ton, der durch zwei Maschinen gepresst, ausgerollt, geschnitten und gestapelt wird.

Ton sei ein wirklich kompliziertes Material, meint Stuart-Beck: "Man glaubt zu wissen, dass es sich so oder anders verhält. Aber wenn wir es so nutzen, wie wir es auf der Bühne tun, dann passieren komische Dinge. Deswegen muss man sehr aufmerksam sein und dem Material gut zuhören." Am schlimmsten sei es, wenn der Ton müde wird und nicht mehr zusammenklebt. "So, wie bei einem Kuchenteig. Wir brauchen ihn klebrig und fest", erklärt der Ton-Meister.

Sinnbildliches Erschaffen

Für den Choreographen Siri Larbi Cherkaoui ist Ton ein sehr emotionales Material. In "Icon" stellt er sich die Frage, wie wir Ikonen erschaffen und ihnen Macht geben - der Ton steht hier sinnbildlich für das Erschaffen, Beherrschen, aber auch Beherrscht werden.

Ton und Tanz: Eine besondere Verbindung

Die Tänzerin Koertge und ihr Mittänzer Ján Špoták mussten sich erst mal damit anfreunden. "Der eigentliche Moment, wo man den Ton kennenlernt, ist, wenn man mit ihm arbeitet. Wenn man ihn knetet und formt. Man denkt manchmal, es ist so einfach, wie wenn wir mit Knete spielen. Aber das ist überhaupt nicht so. Man muss wirklich eine Technik haben", findet Koertge. Es sei ein lebendiges Material, ergänzt Špoták , das jedes Mal anders reagiere. Zehn Minuten länger auf der Bühne können eine große Veränderung herbeiführen. Es fühle sich so an, als sei der Ton selbst ein weiterer Tänzer auf der Bühne.

Am Anfang war das teilweise sehr frustrierend für die Tänzer. Sie mussten sich also voll und ganz darauf einlassen. "Etwas, mit dem ich das ganze Stück hindurch kämpfe oder besser gesagt, was ich immer wieder erfahre ist, dass ich auf der Bühne bin und den Ton benutze, um etwas damit zu erschaffen", stellt der Tänzer fest. "Aber in ganz vielen Momenten habe ich auch das Gefühl, es ist umgekehrt: Dass ich auf etwas reagiere, was der Ton mit mir macht. Es geht also um gegenseitige Manipulation."

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"Icon" - der Tanz mit dem Ton

Mit der Deutschlandpremiere "Icon" beendet Göteborgs Operans Danskompani die diesjährigen Movimentos in Wolfsburg. Auf der Bühne werden 3,5 Tonnen des Baustoffes Ton vertanzt.

Art:
Fest
Datum:
Ort:
Kraftwerk

Wolfsburg
E-Mail:
www.movimentos.de
Kartenverkauf:
Tickets sind in der Autostadt am WelcomeDesk, über die kostenfreie Servicenummer (0800) 288 67 82 38, im Internet unter www.eventim.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Besonderheit:
Werkeinführung am 18. Mai 2017 um 19:15 Uhr im KraftWerk mit Bernd Kauffmann und Jürgen Wilcke
Hinweis:
Göteborgs Icon Operans Danskompani und Eastman

Choreografie: Noetic
Choreograf: Sidi Larbi Cherkaoui
Musik: Szymon Brzóska
Gesang: Miriam Andersén
Schlagwerk, Harfe: Tsubasa Hori
Choreografische
Spieldauer: ca. 55 Minuten

Choreografie: Icon (Deutschlandpremiere)
Choreograf: Sidi Larbi Cherkaoui
Musik, Gesang und Sanshin: Anna Sato
Musik und Gesang: Patrizia Bovi
Musik und Percussion: Gabriele Miracle
Musik (Shinobue) and Percussion (taiko): Kazunari Abe
Musiker, Traditionelle Koreanische Saiteninstrumente: Woojae Park
Spieldauer: ca. 65 Minuten
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 18.05.2017 | 11:30 Uhr

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