Stand: 08.04.2019 11:12 Uhr

Königsdrama um tödliche Eifersucht in Hamburg

von Marcus Stäbler

Der Komponist George Benjamin und der Autor Martin Crimp sind das derzeit vielleicht erfolgreichste Team der zeitgenössischen Oper. Ihre dritte Koproduktion, "Lessons in Love and Violence", ist von Christopher Marlowes "Edward II." inspiriert, einem Renaissance-Drama über Leidenschaft, Macht und Verrat. Nach der umjubelten Londoner Uraufführung von "Lessons in Love and Violence" im vergangenen Jahr ist die Produktion unter der Regie von Katie Mitchell nun auch in Deutschland zu erleben. Die Staatsoper Hamburg präsentierte am Sonntag die deutsche Erstaufführung des Stücks unter Leitung von Kent Nagano.

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Die heimliche Affäre zwischen dem König und seinem Geliebten Gaveston endet in einer Tragödie.

"Langweilt mich nicht mit dem Brotpreis. Verstopft mein Hirn nicht mit Politik", beschwert sich der König gleich zu Beginn. Sein Volk und die Regierungspflichten interessieren ihn nicht. Der König liebt Musik und Kunst und seinen heimlichen Partner Gaveston. Er lebt in seiner eigenen Welt. Aus diesem Konflikt zwischen innerer und äußerer Realität entfalten George Benjamin und sein Librettist Martin Crimp das dramatische Potenzial ihrer Oper "Lessons in Love and Violence" - "Lektionen in Liebe und Gewalt". Ein neunzigminütiges Stück von kalter Grausamkeit.

Eifersucht der Königin fordert zwei Tote

Die Regisseurin Katie Mitchell - in Hamburg durch einen Assistenten vertreten - zeigt die sieben Bilder der Oper in einem rechteckigen Schaukasten. Holzparkett, schmucklose Möbel und Lampen geben dem Raum eine Aura von skandinavischer Schlichtheit. In diesem kühlen Ambiente steuert Mitchell ihre Figuren ins Verderben. Die eifersüchtige Königin Isabel billigt die Ermordung des Geliebten ihres Mannes, sie verbündet sich mit dem Militärberater Mortimer und treibt schließlich auch den König selbst in den Tod, um dem gemeinsamen Sohn die Krone aufzusetzen.

Schauspieler auf der Bühne © Quelle

"Lessons in Love and Violence" an der Staatsoper

Die Oper von George Benjamin und Martin Crimp erlebt am 7. April ihre deutsche Erstaufführung. Die Staatsoper gewährt Einblicke in die Probearbeiten.

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Statische, leidenschaftsarme Inszenierung

Trotz der drastischen Ereignisse und Emotionen wirkt die Aufführung mitunter erstaunlich leidenschaftsarm. Das liegt an der etwas statischen Inszenierung, die sowohl die Hauptpersonen, als auch die Statisten oft einfach herumstehen lässt und sie in einen neutralen Business-Look kleidet.

Es ist aber auch das Stück selbst. George Benjamin blickt weniger als Komponist von glühender Empathie auf die Handlung, sondern eher mit der Neugier und dem seismografischen Gespür eines musikalischen Gefühlsforschers. Benjamin nimmt die Regungen seiner Figuren unter die Lupe und vertont sie virtuos.

Dirigent Kent Nagano: "Klang macht Musik besonders"

Wie effektsicher und gekonnt er die Palette des Orchesters ausnutzt, beeindruckt auch den Dirigenten Kent Nagano: "Klang ist etwas, das George Benjamins Musik besonders macht. Es klingt! Und man kann dieses Wort nicht über alle Musik benutzen."

Die Musik klingt tatsächlich fantastisch, das trägt den Abend, auch dank der Interpreten. Benjamin findet immer neue Farbmischungen, die Nagano und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit feinem Pinsel auftragen, und er schreibt seinen Vokalsolisten sehr anspruchsvolle, aber auch sangliche Linien in die Stimme.

Solistenensemble sorgt für Höhepunkte

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Die eifersüchtige König Isabel wird gespielt von der Sopranistin Georgia Jarman.

"Er will, dass die Stimmen manchmal eher wie ein Instrument klingen. Manchmal verschmilzt das großartig", sagt die Isabel-Darstellerin Georgia Jarman.

Mit ihrem wandlungsfähigen Timbre und einer traumwandlerisch sicheren Höhe begeisterte die Sopranistin Georgia Jarman in der Partie der Isabel: als Mitglied eines großartigen Solistenensembles, das für viele Highlights sorgte. Etwa bei einem Duett zwischen dem König und seinem Geliebten Gaveston, von Evan Hughes und Gyula Orendt mit weich strömender Wärme gesungen.

Einer von vielleicht etwas zu wenigen Momenten, an denen die Oper ihre Distanz zum Geschehen verlässt und den Hörer wirklich berührt.

Königsdrama um tödliche Eifersucht in Hamburg

Die Staatsoper Hamburg hat am Sonntag die deutsche Erstaufführung von "Lessons in Love and Violence" präsentiert. Das Stück mit fantastischer Musik zeugt von kalter Grausamkeit.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hamburg - Großes Haus
Dammtorstraße 28
20354  Hamburg
Telefon:
Kartenservice: (040) 35 68 68
E-Mail:
Kartenservice: ticket[at]staatsoper-hamburg.de
Preis:
8,00 bis 179,00 Euro
Hinweis:
Komponist: George Benjamin
Inszenierung: Katie Mitchell
Musikalische Leitung: Kent Nagano
Bühnenbild und Kostüme: Vicki Mortimer
Licht: James Farncombe
Mitarbeit Regie: Dan Ayling
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 08.04.2019 | 07:20 Uhr

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