Blick in die Räume des neuen Kunsthauses Göttingen © Kunsthaus Göttingen

Göttingen: Peress-Ausstellung startet im neuen Kunsthaus

Stand: 15.03.2021 15:19 Uhr

Das Kunsthaus in der historischen Innenstadt von Göttingen ist fertig. Nun findet die Bau-Übergabe statt. Mitte Mai soll das Publikum kommen können.

von Irene zu Dohna

Kunsthaus-Direktor Gerhard Steidl hat es nicht weit. Gleich neben seinem weltweit renommierten Kunstbuchverlag, dem Steidl Verlag, ist die neue Galerie beheimatet. Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit ist sie nun endlich fertig, doch leider dürfen derzeit noch keine Besucher kommen. "Das Haus kann im Moment nicht geöffnet werden, da wir ja Corona-Zeiten haben," erklärt Gerhard Steidl. "Die erste Ausstellung sollte schon vor einem Jahr an den Wänden sein. Um uns ein bisschen warm zu laufen, haben wir uns eine Rubrik 'Testlauf' ausgedacht. In dem Moment, wenn wir die Türen aufmachen dürfen, dürfen die Leute in diese Ausstellung herein."

Fotografien von Gilles Peress zeigen Nordirland-Konflikt

An den Wänden des neuen Kunsthauses hängen Schwarz-Weiß-Fotografien von Gilles Peress. Mehr als 20 Jahre lang hat der Reportage-Fotograf den Nordirland-Konflikt mit seiner Kamera begleitet. Im Januar 1972 fotografierte er den "Bloody Sunday", den sogenannten "blutigen Sonntag", in der nordirischen Stadt Derry. Der Tag, an dem die britische Armee bei einer Demonstration 13 unbewaffnete Zivilisten erschoss und 13 weitere verletzte.

Blick in die Räume des neuen Kunsthauses Göttingen © Kunsthaus Göttingen
Fast fertig: Die neuen Räume und die erste Ausstellung mit Fotografien von Gilles Peress im Kunsthaus Göttingen.

Peress' Bilder zeigen die soziale und humanitäre Katastrophe dieses bürgerkriegsähnlichen Konflikts, sagt Gerhard Steidl, der auch Kurator der "Testlauf"-Ausstellung von Gilles Peress ist: "Man muss wissen, dass er nicht nur Fotograf ist, sondern auch eine Professur für Philosophie hat und Studenten in New York unterrichtet. Seine Warmherzigkeit und seine Menschlichkeit bilden die Grundlage für dieses Buch und diese Ausstellung."

Buchidee wird zum Kunstprojekt

Bereits 2003 wandte sich Peress an Steidl. Seine Idee: die Nordirland-Bilder in einem Buch zu veröffentlichen. Nun, 18 Jahre später, erscheinen sie in einem Kunstbuch-Projekt. Bestehend aus einem Reader mit 1.000 Seiten, der die einzelnen Fotos kommentiert und einordnet, und zwei Foto-Büchern, die ganz ohne Text auskommen.

Mehrere Monate lang wurden dafür analoge Abzüge gescannt, Stäubchen wegretouchiert, Farben behutsam korrigiert, die Typographie festgelegt. Titel des Buchs: "Whatever You Say - Say Nothing". "Im Dezember, als wir fast fertig waren und uns an einem Wochenende langweilig war, sind wir hier ins Erdgeschoss des Kunsthauses gegangen und haben mal ausprobiert, wie man seine Fotos an eine Wand bringen kann," erzählt Steidl. "Als wir damit fertig waren, habe ich im Scherz zu ihm gesagt: 'Wenn es einen Nobelpreis für Fotografie geben würde, du hättest ihn verdient, und das meine ich sehr ernst.'"

Traum eines Kunsthauses geht nach 50 Jahren in Erfüllung

Das viergeschossige Kunsthaus mit Spitzdach und 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist kein Museum, betont Gerhard Steidl immer wieder. Vielmehr sei es ein Ort, an dem "Ideen für die Wände entwickelt werden". Insgesamt sechs Millionen Euro hat der Stahlbeton-Bau gekostet. Der Großteil kam vom Bund, der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder spendete eine Million Euro.

Die Idee zum Kunsthaus entstand bereits vor Jahrzehnten, erzählt Steidl: "Als wir vor 50 Jahren begonnen haben über ein Kunsthaus in der Innenstadt nachzudenken, war ich fest davon überzeugt, dass es ins Zentrum der Stadt gehört und nicht an den Rand. Wir haben hart gearbeitet, um es zu realisieren und damit geht ein Traum in Erfüllung."

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Kulturpartner: Kunsthaus Göttingen

Das Kunsthaus Göttingen ist Kulturpartner von NDR Kultur. Aktuelle Ausstellungen und Aktionen finden Sie hier. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 15.03.2021 | 18:00 Uhr