Fabian Monsterios sitzt im Impfzentrum in einer Glaskabine und prüft Unterlagen. © NDR Foto: Anina Pommerenke

Kulturschaffende finden Arbeit im Impfzentrum Hamburg

Stand: 18.02.2021 08:30 Uhr

Das Impfzentrum in Hamburg ist derzeit ein Auffangbecken für viele arbeitssuchende Kulturschaffende, die von der Pandemie wirtschaftlich hart betroffen sind.

Fabian Monsterios sitzt im Impfzentrum in einer Glaskabine und prüft Unterlagen. © NDR Foto: Anina Pommerenke
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von Anina Pommerenke

Hinter zwei dicken Plexiglas-Scheiben sitzt Fabian Monasterios. Wie alle, die hier arbeiten, trägt er eine grüne FFP2-Maske und einen weißen Kapuzenpullover mit Reißverschluss. Darauf steht in roten Buchstaben "Corona-Impfzentrum".

Der Schauspieler hat gerade seine Schicht im Bereich "Abmeldung" begonnen. Im Frühjahr 2020 hat er das letzte Mal auf der Bühne gestanden. Jetzt sitzt er vier Tage die Woche in einem kleinen, aus mobilen weißen Wänden zusammen gesteckten Raum in einer der riesigen Messehallen.

Nachfrage nach Impf-Jobs ist riesig

Blick von Eingang aus in ein Impfzentrum. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Das Hamburger Impfzentrum in den Messehallen

Regelmäßige Corona-Tests gehören zum Job dazu, auch wenn er mit den "Impflingen", so der Terminus, nicht direkt in Kontakt kommt. Sie schieben den Laufzettel durch einen Schlitz zu Monasterios. Manche erkennen den Schauspieler sogar. Insgesamt bekommt er viel Rückmeldung zu seiner Tätigkeit, berichtet der Schauspieler: "Je schneller das auch vorangeht, desto schneller ist das vorbei - egal wie man das findet. Das ist eben der Weg, für den man sich als Gesellschaft entschieden hat."

Die Nachfrage nach den Jobs ist riesig. Aktuell sind fast 2.000 Mitarbeiter registriert. Manche sind Anfang 20 - andere bereits in Rente: "Ich glaube, die meisten kommen aus der Gastronomie, Veranstaltungsbranche und dem Kunst- und Kulturbereich - ich glaube, alle ehrlich gesagt. Das sind natürlich auch die Branchen, die hart getroffen sind und keine konkrete Perspektive haben, wann es weitergeht. Das war für mich dann eben auch so die Entscheidung: warte ich, bis wirklich der letzte Groschen weg ist oder sage ich 'Der Schornstein muss rauchen und ich mache irgendwas'."

Impfungen statt Veranstaltungen planen

Magdalena Reusch steht am Ausgang des Impfzentrums auf ein Schild gelehnt. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Von der Veranstaltungsorganisatorin zur Impf-Helferin: Kulturmanagerin Magdalena Reusch

Ähnlich geht es auch seiner Kollegin und Kulturmanagerin Magdalena Reusch. Normalerweise organisiert sie Konzerte. Zurzeit ist sie hauptsächlich damit beschäftigt, Veranstaltungen abzusagen oder welche zu planen, bei denen noch völlig unklar ist, ob sie überhaupt stattfinden können: "Da uns allen im Kulturbereich die Wiederbelebung ganz, ganz wichtig ist, dachte ich, trage ich mit meiner Tätigkeit hier dazu bei. Von daher ergänzt sich das doch ganz gut, letztendlich hier auch ein Stück weit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen zu können und genügend Geld zu verdienen, um die eigene Miete zahlen zu können."

Ein Nebeneffekt: Wer im Impfzentrum arbeitet, hat bereits ein Impfangebot bekommen. Insgesamt beobachtet Magdalena Reusch, dass die Impfakzeptanz steigt. Wer bei ihr in der Abmeldung ankommt, freue sich darüber, es hinter sich zu haben und geimpft zu sein, berichtet sie.

Träumen von Auftritten in der Zukunft

Während sie von einem Knabenchorfestival Ende September im Hamburger Michel träumt, hofft Monasterios darauf, bereits im Juni bei den Privattheatertagen in der Hansestadt wieder auf der Bühne zu stehen. Dort ist er mit der Inszenierung "Extrawurst" am Ohnsorg-Theater für den Monica Bleibtreu Preis nominiert. Bis dahin werden beide noch zahlreichen Impflingen auf ihrer Reise durchs Impfzentrum zur Seite stehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 18.02.2021 | 07:20 Uhr