Stand: 23.10.2019 14:23 Uhr

Welchen Einfluss haben Pornos auf Jugendliche?

von Merlin van Rissenbeck

Lange vor der ersten eigenen sexuellen Erfahrung sehen Jugendliche Pornografie im Internet. Im Durchschnitt sind sie dabei etwa 14 Jahre alt, manche deutlich jünger. Welchen Einfluss hat das auf ihre eigene Sexualität?

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Viele Jugendliche kommen über Klassenchats in Kontakt mit pornografischem Material im Internet.

Immer früher sehen Jugendliche pornografische Videos: Entweder suchen sie gezielt im Netz oder noch wahrscheinlicher: Sie stoßen gemeinsam mit anderen darauf. Der kurze Porno-Clip per "WhatsApp" - verschickt im Klassenchat der siebten Klasse - das ist keine Seltenheit. Eine Studie der Unis Hohenheim und Münster ergab sogar, dass rund die Hälfte des Online-Konsums ungewollt zustande kommt.

Insgesamt sehen Jungen mehr Videos als Mädchen. "Pornos werden für ein männliches Publikum konzipiert, zumindest die Mainstream Pornos", sagt Sexualpädagoge Andreas Gloël. "Sie finden es auch spannend, dort vielleicht doch ein paar Informationen oder Bilder zu bekommen, die ihnen von Erwachsenen sonst vorenthalten werden."

Der Einfluss von Pornos auf das Frauenbild

Diese Bilder bleiben im Kopf. Der frühe Konsum von expliziten Filmen birgt noch eine andere Gefahr: Bestimmte Muster werden darin immer wiederholt. Der weibliche Blick findet nur selten statt. "Die meisten Jungs gucken das vier bis sechs Jahre, bevor sie richtig Sex haben", sagt Sexologin Ann-Marlene Henning. Auch wenn Jungs wüssten, dass es eine 'Kunstform' sei, gelte doch: "Was man oft sieht, das bildet Synapsenwege im Hirn und deshalb werden meiner Meinung nach durch Pornos eine bestimmte Körpervorstellung und vor allem auch Verhaltensweisen angelegt." Wenn der Mann immer als Bestimmer dargestellt werde, sei das nicht gut für die Vorstellung von Geschlechterrollen.

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Andreas Gloël hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Jugendlichen, die zu ihm kommen, zwischen Filmwelt und Realität grundsätzlich gut unterscheiden könnten. Noch relevanter für jugendliche Sexualität und ihren Blick auf die Geschlechter seien andere Faktoren. "Jugendliche werden vor allem dadurch geprägt, mit welchen Werten und Bildern sie aufwachsen", schildert der Sexualpädagoge. "Wenn Jugendliche das erste Mal Pornos konsumieren, haben sie erlebt, wie ihre Eltern miteinander umgehen, wie Konflikte ausgetragen werden und welche Wertung Männlichkeit und Weiblichkeit in der Familie und in der Gesellschaft haben." Zudem seien sie mit Bildern in der Werbung konfrontiert und hätten Sexualität bereits in Serien und Film mitbekommen." Es gibt viele Dinge, die Einfluss haben, wie Jugendliche zu dem Thema aufwachsen. Dass die Vorstellung durch Pornografie groß ins Wanken gerate, hält Gloël für einen Irrglauben.

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Aufklärung: "Selbst die Initiative ergreifen"

Trotzdem fragen sich Eltern, wie sie damit umgehen sollen, wenn Sie mitbekommen, dass ihr Sohn in der siebten Klasse pornografische Clips auf dem Handy guckt. Gloël rät: einmal tief durchatmen. Man kann nicht verhindern, dass Jugendliche Pornografie zu sehen bekommen. "Was sie tun können ist, eine sexualitätsfreundliche Atmosphäre in ihrem Haus zu schaffen, in der Jugendliche das Gefühl haben, Sexualität ist ein Thema, über das zu Hause gesprochen werden darf."

Eltern sollten dabei nicht unbedingt warten, bis ihre Kinder das Thema ansprechen, sondern selbst die Initiative ergreifen, meint Ann-Marlene Henning. Bei ihr klingt das zum Beispiel so: "Ich möchte dir was sagen, weil ich weiß, worauf du stoßen wirst. Und ich möchte, dass du ein paar bestimmte Dinge auch noch als Wissen dazu bekommst."

Liebesbeziehung wichtiger als Pornografie

Vieles lernt man in Pornos gerade nicht. In seinem Arbeitsalltag begegnen Andreas Gloël viele Fragen der Jugendlichen. Er stellt fest, dass es meist noch ein paar wichtigere Fragen gibt. "Der Pornokonsum läuft bei Jugendlichen so mit. Was sie häufig viel mehr im Alltag beschäftigt, sind Fragen wie, 'wie kann ich jemanden ansprechen, in den ich verliebt bin' und 'darf ich eigentlich schwul sein?'", sagt der Sexualpädagoge.

Auch wenn Pornografie heute unmittelbar zur Verfügung steht, gibt es für Jugendliche noch weitere dringende Themen, wie den Aufbau und die Gestaltung von Liebesbeziehungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 23.10.2019 | 16:10 Uhr

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