Villa Schlikker Kulturgeschichtliches Museum © dpa - Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Inzidenz zu hoch: Museen in Osnabrück schließen wieder

Stand: 17.03.2021 18:14 Uhr

Die Corona-Pandemie hat den Kulturbetrieb weiter fest im Griff: Wegen einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 müssen viele Einrichtungen in Osnabrück wieder schließen - auch die Museen.

von Julia Barthel

"Hochinzidenzkommune" - das heißt, dass sich in der vergangenen Woche zu viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben und Läden, Zoos und Museen wieder schließen müssen. Genau das passiert in Osnabrück: Gerade einmal eine Woche, nachdem sie öffnen durften, machen die Museen wieder dicht.

Die Osnabrücker Museums-Direktoren reagieren pragmatisch auf die erneute Schließung. Statt Frust überwiegt Freude über die wenigen Tage, an denen ihre Häuser geöffnet waren. Denn in der vergangenen Woche hat sich vor allem eines gezeigt: Die Menschen warten nur darauf, wieder Kunst und Kultur zu genießen. Rund 70 Menschen waren am Sonntag mit Termin im Museum Industriekultur. "Das Hygiene-Konzept funktioniert", sagt Direktorin Vera Hierholzer. "Wir haben feste Rundwege durchs Haus mit Pfeilen markiert und wir haben Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Bei uns gibt es einen begehbaren Stollen, den Hasestollen, wo man eigentlich mit dem Aufzug in die Tiefe fahren kann. Den haben wir zur Einbahnstraße erklärt. Das alles ist natürlich jederzeit wieder abzurufen."

Flexible Dienstpläne in unsicheren Corona-Zeiten

Das größte Problem: zu planen, wer wann arbeitet. Wer sitzt an der Kasse, wer betreut die Besucher, wer passt auf die ausgestellte Kunst auf? Da ist Improvisationstalent gefragt. Im Osnabrücker Museumsquartier rund um das Felix-Nussbaum-Haus gibt es deshalb gerade zwei Personalpläne: Einen für den Fall, dass das Museum öffnen darf - und einen, falls es geschlossen bleiben muss. "Auch das Diözesanmuseum ist vorbereitet", sagt Hermann Queckenstedt. "Wir hatten jetzt vier Monate keine Dienstpläne mehr, weil das keinen Sinn machte. Ich habe nach der Erlaubnis zu öffnen sofort darum gebeten, Dienstpläne zu machen, die griffen ab Dienstag. Das heißt, wir haben jetzt fortlaufend Aufsichten in Bereitschaft. Sobald wir wieder öffnen können, ist das überhaupt kein Problem."

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Museen bereiten Auftakt weiterer Ausstellungen in Osnabrück vor

Wer in städtischen Museen arbeitet, war zwischenzeitlich an anderen Stellen eingesetzt und hat etwa geholfen, Impftermine für Senioren zu vereinbaren. Im Museum Industriekultur waren die Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Sie bereiten jetzt die neue Sonderausstellung vor, die kommenden Montag eröffnet wird - digital natürlich. Im Museum am Schölerberg wird umgebaut, hier ist ohnehin nur die aktuelle Sonderausstellung zu sehen, die bereits zweimal verlängert wurde, wie Leiter Norbert Niedernostheide berichtet. "Die Zeiten, in denen die Ausstellung zugänglich war, waren unglaublich beschränkt. Das ist schade. Wir wollten jetzt eigentlich die 'Rock Fossils' zeigen. Im Management hinter den Kulissen ist es im Moment unglaublich schwierig", sagt Niedernostheide.

Und trotzdem: Die Hoffnung verlieren die Osnabrücker Museumsdirektoren nicht. Wann die Museen wieder öffnen können, hängt vor allem von den Infektionszahlen ab. Mindestens eine ganze Woche lang muss der Sieben-Tage-Inzidenzwert unter 100 liegen, bevor gelockert werden kann. Auch wenn das im März wohl nichts mehr wird - "die Museen sind startklar", sagt der Direktor des Museumsquartiers Niels-Arne Kässens. "Wir sind vorbereitet für ein Wiedereröffnungs-Szenario. Wir freuen uns darauf und es gibt eine Menge zu sehen."

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