Mehrere Menschen mit Behinderungen stehen in einem Museum. © NDR Foto: Heide Soltau

Inklusion in Museen: "Die Gesellschaft hat ein Recht auf Bildung"

Stand: 10.08.2021 22:14 Uhr

Der Bund unterstützt Projekte, die Diversität in der Kulturlandschaft fördern. Dazu gehört der "Verbund Inklusion", zu dem auch das Museum für Kunst und Gewerbe MKG in Hamburg zählt.

Podcast-Teaserbild Das Journal von NDR Kultur © NDR
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Frau Oldenburg, der "Verbund Inklusion", dem sie angehören, vereint recht unterschiedliche Häuser. Neben dem MKG sind unter anderem die Bundeskunsthalle in Bonn dabei, aber auch die Landesmuseen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf. Wie kommen sie zusammen?

Silke Oldenburg © Museum für Kunst und Gewerbe
Silke Oldenburg arbeitet im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Silke Oldenburg: Es gibt diesen Verbund schon seit 2015. Die Idee dieses Verbundes ist es, dass Häuser unterschiedlicher Gattungen - Kultur- und Gedenkstätten und Museen - gemeinsam darüber nachdenken, wie Inklusion ganzheitlich in der Arbeit verankert werden kann. Inklusion ist nicht nur ein Thema der Angebotspolitik, was sich in der Museumspädagogik oder Vermittlungsarbeit widerspiegelt, sondern es ist ein Thema der Haltung und auch ein Thema, was in den Prozess eines Hauses eingeführt werden muss.

Inklusiv zu sein hat ganz verschiedene Dimensionen, und das trifft ja auf all die Museen und Gedenkstätten, die Sie vereinen, zu. Barrierefreiheit müsste ja heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wie weit ist man da in der Museenlandschaft?

Oldenburg: Natürlich müsste es selbstverständlich sein, zumal die Behindertenrechtskonvention schon länger gilt. Es ist noch nicht so, dass es selbstverständlich stattfindet oder stattfinden kann. Das sind leider Prozesse, die relativ aufwendig sind und wir müssen uns fragen, wie wir sukzessive Standards schaffen können, die den Anforderungen auch gerecht werden können. Das fängt immer mit dem Blick nach Innen an. Man muss sich als Institution fragen: Was heißt Inklusion für uns und wo setzen wir an? Es geht darum, dass wir uns für ein möglichst vielfältiges Publikum öffnen können und dass wir möglichst wenig Barrieren schaffen und dass wir im Haus die unterschiedlichen Sichtweisen repräsentieren können. Es fängt schon mit der Architektur an. Ich kenne kein barrierefreies Museum in Deutschland. Das betrifft Architektur, aber auch die Ausstellungsszene. Der Anspruch des schönen Gestaltens steht über dem Zweck.

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Sie haben gesagt, dass Sie kein Museum kennen, das barrierefrei ist. Das trifft wohl auch auf das MKG zu. Wie viel ist in den vergangenen sechs Jahren, in denen Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, passiert?

Außenansicht Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg © Marcelo Hernandez
Das Museum für Kunst und Gewerbe in der Hamburg Innenstadt.

Oldenburg: Das war jetzt provokativ. Aber ich vertrete diese Position, weil ich glaube, dass noch mehr passieren muss. Aber es passieren Dinge und wir kommen weiter. Zum Beispiel haben wir uns noch einmal intensiv mit der Frage beschäftigt, wie eine barrierefreie Website aussieht? Und das haben wir auch beim Launch der Website noch einmal mit einem ganz anderen Gewicht berücksichtigt, so dass sie wirklich barrierefrei ist. Wir haben ein taktiles Leitsystem (Leitsystem auf dem Boden, das mit einem Blindenstock ertastet werden kann, Anm. d. Red.) eingeführt. Das ist ein aktuelles Projekt, das wir mit dem Freiraum im Museum für Kunst und Gewerbe entwickeln. Wir agieren da in Kooperation mit dem Blindenverband. Bei diesem Thema ist es ganz wichtig, dass man die Betroffenen und Nutzergruppen eng einbezieht.

Inwiefern spielt Inklusion bei den Inhalten Ihres Museums eine Rolle, bzw. wie bestimmt Inklusion die Auswahl von Künstler*innen und Themen?

Oldenburg: Er wurde versucht, in den Ausstellungsprojekten sukzessive bei der Entwicklung von Angeboten auf diese Bereiche zu sehen. Dabei geht es um die Dimensionen Hören, Verstehen, Sehen und es geht um das Thema Gebärdensprache. Die Gesellschaft hat ein Recht auf Bildung. Wir haben auch eine Verpflichtung, diese Inhalte zugänglich zu machen. Aus meiner Sicht ist das für uns Museen eines der wichtigsten Themen in unserer heutigen Zeit, auch weil es eine Riesenchance für uns ist, für noch mehr Menschen in ihrem Leben relevant zu sein.

Das Gespräch führte Alexandra Friedrich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 10.08.2021 | 18:00 Uhr

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