Stand: 09.03.2020 17:21 Uhr  - NDR 90,3

Wie Harry Potter ins Theater kam

von Peter Helling

Harry Potter ist in Hamburg. Am Wochenende findet die große offizelle Premiere des Stücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" im "Mehr!"-Theater statt. Auch die Geschichte des Stücks selbst ist ein Stück Magie. Eigentlich sollte mit dem siebten Buch Schluss sein, aber den beiden Theaterproduzenten Sonia Friedman und Colin Callender ist es gelungen, Autorin J.K. Rowling von einer Fortsetzung auf der Bühne zu überzeugen.

Harry Potter, allein, auf einer Bühne, einen Schrank neben sich, sitzt auf einem Stuhl, denkt über sein Leben nach - intim und ungeschminkt. Mit dieser spröden Idee machten Sonia Friedman und Colin Callender Autorin Joanne K. Rowling neugierig und wurden eingeladen.

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Sonia Friedman und Colin Callender bringen Harry Potter auf die Theaterbühne.

Das Problem: Rowling hatte für Fortsetzungspläne nur ein Wort: Nein! Aus Sorge, dass es wie immer läuft. Zuerst gibt es ein Buch, dann einen Film, dann wird aus dem Film ein Musical gezimmert. Das wollte sie nicht. Was Friedman und Callender aber mitbrachten, war die Idee von Theater. "Theater ist lebendig, Theater verändert sich jeden Tag. Jeden Abend muss ein Schauspieler seine Rolle erforschen, natürlich innerhalb klarer Regeln", sagt Sonia Friedman.

Das Stück ist eine Geschichte von Vätern und Söhnen

Also ging es nach Norden, nach Edinburgh. Und jetzt begann eine Geschichte, die selbst wie ein Märchen klingt. Eine Geschichte von Magie, von Verlust, von der Kraft der Menschlichkeit - und von Vätern. "Mein Vater lebte in Edinburgh und starb dort, nicht weit von Joanne Rowlings Büro. Wir hatten ein kompliziertes Verhältnis zueinander," erzählt Sonia Friedman. "Auf dem Weg zu Joanne brach ich in Tränen aus und dachte nur: 'Gott, das wird schwer.' Aber Colin sagte nur: 'Benutze es. Hab keine Sorge, Joanne wird es verstehen.' Und genau das passierte. Wir sprachen über Väter. Colin ist Vater, ich hatte einen schwierigen Vater, Harry Potter ist ein schwieriger Vater, das Gespräch floss nur so dahin."

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J.K. Rowling wollte eigentlich keinen achten Band schreiben - aber die Theaterproduzenten konnten sie überzeugen.

J.K. Rowling war plötzlich überzeugt. Mit den ureigenen Mitteln des Theaters könnte eine Fortsetzung gelingen. Sie machte sich an die Arbeit, bis ein ganz neuer Kosmos entstand, Albus' Kosmos: "Albus spürt, dass sein Vater ihn nicht versteht. Er fühlt, dass er niemals so grandios sein wird wie sein Vater Harry Potter. Albus fühlt diesen Druck. Er ist ein zorniger junger Mann, so jemanden kennen wir alle", erzählt Friedman. Das war der dramaturgische Kniff: Söhne und ihre starken Väter. "Und damit", sagt Callender, "kann jeder, wirklich jeder etwas anfangen."

Es ist wie Magie

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Egal, ob in London, New York oder Hamburg, die Geschichte bewegt jeden, meint Produzent Callender.

Und dann saß Rowling irgendwann in einem Probenraum und sah die ersten Effekte. Die Autorin war hin und weg: Das war fast wie echte Magie. Im Film Magie herzustellen, sagt Friedman, sei schließlich leicht. Die Schöpferin des Potter-Universums habe wohl gespürt, dass die Geschichte erst jetzt, mit dem achten Teil, wirklich vollendet ist.

Ein Stück, das alle Regeln bricht

2016 fand die umjubelte Uraufführung in London statt. Und jetzt ist der Hogwarts-Zug in Hamburg eingetroffen. Die Produzenten versprechen: Dieses Stück ist einerseits eine perfekte Show. Aber als Theaterstück ist es eben auch lebendig, zeigt echte Charaktere, echte Konflikte, hat Luft zum Atmen, und das Stück breche alle Regeln. Wirklich alle. Theater kann das, sagen die beiden. Und wenn man sich fragt: Wie haben sie das wohl gemacht? Die Antwort ist: mit einer einfachen Idee von einem Vater, allein auf einer Bühne, neben sich ein Schrank.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 09.03.2020 | 19:00 Uhr