Stand: 07.01.2019 17:17 Uhr

Hildesheim - Kulturhauptstadt Europas 2025?

von Kristin Häfemeier

Stockholm, Kopenhagen, Lissabon - sie alle waren es schon einmal: Kulturhauptstadt Europas. Aktuell läuft das Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt 2025". Einer von den Bewerbern ist - in direkter Konkurrenz zu Hannover - die Stadt Hildesheim. Die Stadt im Süden Niedersachsens bewirbt sich zusammen mit seinem Landkreis - und glaubt an ihr Potenzial.

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Auch ohne das Prädikat "Kulturhauptstadt" ein Blickfang: der historische Marktplatz

Am großen Konzept wird in Hildesheim momentan noch intensiv gearbeitet. Um Kulturhauptstadt 2025 zu werden, müssen das Team des Projektbüros für die Bewerbung und sein Leiter Thomas Harling nicht nur auf die Weltkulturerbestätten wie Dom und Michaeliskirche verweisen, sondern vor allem vorgefertigte Fragen beantworten.

"Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir eine Expertise und eine Vision davon haben, wie diese Stadt und die Region 2025 - am besten noch 2030 und 2040 - aufgestellt sein werden - eine Vorstellung davon, wo wir eigentlich hinwollen mit dem, was wir jetzt haben", stellt Harling fest.

Bewerbung zusammen mit den Kommunen

Eine Besonderheit: Hildesheim bewirbt sich nicht allein, sondern zusammen mit seinem Landkreis. Thomas Harling und seinem Team ist dessen Einbindung wichtig. So fand schon im Sommer die "Tour de Landkreis" statt - eine Art kreativer Staffellauf durch alle Kommunen. Der Lauf für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 dauerte symbolische 20 Stunden und 25 Minuten. Doch auch abseits des Events hat Thomas Harling mit seinem Team jede einzelne Kommune besucht: "Weil Mobilität eine große Rolle spielt, haben wir alle - wenn es ging - mit Bus und Bahn besucht, damit wir eine Idee bekommen, was es heißt, wenn man in Alfeld oder Springe wohnt und in Hildesheim arbeitet."

Weitere Informationen

Hannover - "Kulturhauptstadt Europas" 2025?

Acht deutsche Städte möchten 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden, eine davon ist Niedersachsens Landeshauptstadt. Der erste Arbeitstitel der Bewerbung lautet "Nachbarschaft". mehr

Harling versucht, den Landkreis mit ins Boot zu holen, aber auch die Bürger. Denn er möchte bei der Bewerbung vor allem Geschichten von Hildesheim erzählen, die Charakter und Identität unterstreichen. Dazu hat er auf einer DIN-A4-Seite einen Vorschlag gemacht: "Es fängt an mit: Wir sind aus Hildesheim, aus Sibbesse, Alfeld und Bad Salzdetfurth. Unsere Wurzeln liegen im Mittelalter, unsere Wurzeln liegen in Syrien - also eine sehr ambivalente Geschichte. Und wir haben die Bürger gebeten, diese Geschichte mal weiterzuschreiben. Oder das durchzustreichen, von dem sie glauben, dass es nicht stimmt. Oder etwas hinzuzuschreiben, von dem sie glauben, dass es noch fehlt. Und anhand dieser kurzen Geschichte werden für uns die Fragestellungen der Zukunft deutlich."

Leeuwarden als Vorbild

Neben dem Thema Migration lautet eine Zukunftsfrage unter anderem auch: Wie umgehen mit immer mehr Leerstand in Hildesheim? "Wie wird die Stadt der Zukunft denn aussehen?", fragt Harling. "Was für Ideen kann man entwickeln, wenn der Einzelhandel nicht mehr das Herz der Innenstädte ist, was wird es denn dann sein?"

Mit dem Konzept hat Harling noch bis Ende September Zeit. Dann muss er die Bewerbung einreichen. Er ist davon überzeugt, dass Hildesheim das Rennen machen wird. Denn 2018 war Leeuwarden in den Niederlanden Kulturhauptstadt. "Leeuwarden hat sich durchgesetzt - das ist eine kleine Stadt, zufällig wie Hildesheim", sagt Harling. "Leeuwarden hat sich zusammen mit seinem Landkreis beworben - zufällig wie Hildesheim. Und was bei uns das Kulturerbe ist, die Zuckerrübe, das ist in Leeuwarden die Kartoffel. Auch ein ganz kleiner Zufall. Und Leeuwarden hat sich mit einem sehr geringen Etat gegen Maastricht durchgesetzt. Mit unserer freien Szene, mit unseren Weltkulturerbestätten und mit den Nachdenklichkeiten, die es hier gibt, haben wir gute Chancen, das zu machen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.01.2019 | 06:00 Uhr

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