Stand: 12.04.2019 11:39 Uhr

Ausstellung zeigt Molitors Bauhaus-Fotografien

von Anette Schneider

Kaum ein Tag vergeht, an dem in seinem 100. Jubiläumsjahr das Bauhaus nicht in der Presse auftaucht. Da klingt eine Ausstellung über Bauhausarchitektur erst einmal nicht so wirklich originell. Doch die Fotografien des Berliner Fotografen Jean Molitor, die seit dem 12. April im Rahmen des Hamburger Architektursommers in der Hamburger Handelskammer zu sehen sind, bergen zahlreiche Überraschungen.

Wie ein Dampfer ragt der dreistöckige Wohnblock mit abgerundeter Längsseite, großen Fenstern und umlaufendem Balkon in die Straße. Typisch Bauhaus, denkt man. Doch das Haus steht nicht in Deutschland, sondern in Burundi. Was vor zehn Jahren eher zufällig begann, hat sich für den leidenschaftlich gern reisenden Fotografen Jean Molitor mittlerweile zu einem riesigen Projekt ausgeweitet: Weltweit spürt er den Einflüssen des Bauhaus-Stils und des Stils der architektonischen Moderne nach. "Ich habe in zirka 31 Ländern fotografiert und habe 120 Länder recherchiert. Es gibt wunderbar viel zu tun."

BauhausGlobal - Die Moderne in der Welt

Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kenia bis Afghanistan

100 Aufnahmen sind jetzt zu sehen: wegweisende Beispiele des sozialen Wohnungsbaus, wie etwa die gleißend weißen, fünfstöckigen gestaffelten Wohnblocks mit Balkonen in Havanna. Kommunale Einrichtungen, wie Telegrafenämter, Kinos und Theater, deren verwegen geschwungene Formen die Dynamik der Zeit spiegeln. Oder klar strukturierte, funktionale Fabrikanlagen mit großen Fensterbändern für die Arbeitenden. Jean Molitor entdeckte die Bauten in Spanien, Kambodscha, Kenia, Marokko, Sibirien, Guatemala, Afghanistan oder Rumänien. Und in seinen klaren Schwarz-Weiß-Aufnahmen, führt er sie als schützens- und bewahrenswerte Errungenschaften vor Augen. "Das ist ja eigentlich die Idee dahinter: Dass wir nach Ausstellungen eine große Sensibilität in der Bevölkerung geschaffen haben. Wie zum Beispiel in Burundi, wo die Sachen abgerissen werden sollten. Dort hat man noch einmal nachgedacht, hat neue Nutzungskonzepte entwickelt und hat dann die Häuser nicht abgerissen."

Weitere Informationen

100 Jahre Bauhaus im Norden

Die einflussreichste Einrichtung für Architektur und Kunst des 20. Jahrhunderts wird 100 Jahre alt. Auch der Norden begeht das Bauhaus-Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen. mehr

Bauhaus mit lokalen Elementen

Die Architektur der Moderne der 1920er- und 1930er-Jahre entstand als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg und die damit verbundenen radikalen gesellschaftlichen Umbrüche. Ob die russische Oktoberrevolution oder die Novemberrevolution in Deutschland: Die bisher Unterdrückten forderten endlich ein menschenwürdiges Leben. Dies, sowie rasant wachsende Städte, erforderten eine neue Architektur. Kurze Texte zu den Fotos erläutern, wie fortschrittliche Architekten aus Europa, den USA und der Sowjetunion miteinander kooperierten. 1933, nach der Machtergreifung der Faschisten in Deutschland, flohen viele der oft jüdischen Bauhaus-Architekten ins Exil, wo weitere Spielarten der Moderne entstanden. Kurator Claus Friede: "Es gibt den deutschen Bauhaus-Schüler Schoder, der nach Norwegen gegangen ist und in Kristiansand zwei komplette Siedlungen gebaut hat. Die sind von der Form klar erkennbar Bauhaus. Aber es gibt eben auch Blumengirlanden als Ornamente an den Gebäuden zu sehen. Und in Afrika ist es genauso: Sie sehen an den Häusern auch immer etwas Lokales. Die Grundidee ist global, aber es gibt auch immer was Lokales daran."

Wachsendes Netzwerk unterstützt Molitors Arbeit

Bild vergrößern
Jean Molitor brachte Bauhaus-Fotografien aus 31 Ländern mit nach Hause.

Aus dem engagierten Projekt des Berliner Fotografen Jean Molitor entstand längst ein umfangreiches Archiv gegen das Vergessen: Es sichert die Erinnerung an einzigartige Gebäude und an ihre Architekten, die zum Teil vergessen wurden. Unterstützt wird der Fotograf von einem ständig wachsenden Netzwerk Gleichgesinnter. Kürzlich etwa entdeckte ein Besucher aus Guatemala in einer Berliner Ausstellung das Foto eines von 15 Kinos, die sein Großvater in Guatemala-Stadt entworfen hatte. Und, so Jean Molitor: "Der Roberto hat sich jetzt zur Lebensaufgabe gemacht, diese Kinos in Guatemala-Stadt zu sanieren. Die sind alle noch original eingerichtet. Ich hab ihm das Kino-Bild geschenkt und er recherchiert jetzt im Gegenzug für mich und versucht eine Ausstellung in Guatemala-Stadt zu organisieren."

So sensibilisiert das Foto-Projekt für eine noch heute wegweisende, vorbildhafte Architektur, deren Projekte stets den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellten - und nicht die Interessen privater Bauspekulanten und Vermieter.

Ausstellung zeigt Molitors Bauhaus-Fotografien

Dass die Bauhaus-Architektur eine globale Erscheinung ist, beweisen Jean Molitors Fotos aus aller Welt. Zu sehen ist die Ausstellung in der Handelskammer Hamburg bis Ende Juni.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Handelskammer Hamburg
Adolphsplatz 1
20457  Hamburg
Telefon:
040 36 13 8-138
Preis:
kostenfrei
Öffnungszeiten:
Die Räume der Handelskammer Hamburg sind Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und Freitag von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 11.04.2019 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

44:05
NDR Info
49:39
NDR Kultur

Die 13. Fee

NDR Kultur