Hamburger Kinobetreiber hoffen auf die Rückkehr der Besucher

Stand: 25.10.2020 08:06 Uhr

Vor zwei Jahren erst eröffnete Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe die "Astor Film Lounge". Dass er nun vor der größten Kino-Krise steht, ahnte damals niemand.

Deutschlandweit bleiben viele Kinosäle leer. Und die geringe Auslastung sorgt dafür, dass viele Verleihe den Start ihrer Filme immer weiter nach hinten verschieben oder gleich zu den Online-Streaming-Diensten wechseln. In der "Astor Film Lounge" von Hans-Joachim Flebbe in der Hamburger Hafencity laufen aktuell nur drei Filme. "Ich hätte mir nie vorstellen können, dass es so schlimm werden würde", sagt Flebbe. "Aber es ist eben weltweit ein Phänomen, dass die Menschen nicht mehr ins Kino gehen und entsprechend auch keine Filme mehr in die Kinos kommen."

Besondere für Kinos in der Corona-Zeit

Die Corona-Krise bedeutet für Kino-Fans und Betreiber eine große Geduldsprobe. Blockbuster, die die Säle füllen sollten, bleiben aus. Und das Hygienekonzept spielt den Betreibern auch nicht unbedingt in die Karten. In Gesprächen mit der Politik versucht Flebbe, auf die besondere Lage im Kino aufmerksam zu machen.

"Im Kino guckt man, anders als im Restaurant, in eine Richtung, hält idealerweise den Mund und konzentriert sich auf den Film", sagt Flebbe. "Und wenn man aus dem Saal geht, setzt man natürlich die Maske auf und hält 1,5 Meter Abstand." Bisher sei auch nicht bekannt geworden, dass in irgendeinem Kinosaal ein Infektionsherd gewesen wäre. "Daher ist unsere Bitte an die Politik: Gebt uns eine Chance, macht diesen Ein-Platz-bleibt-frei-Abstand möglich, dann können wir 50 bis 60 Prozent der Plätze verkaufen und die Verleiher würden uns auch wieder mit Filmen beliefern."

Kinobetreiber wollen Maskenpflicht im Saal verhindern

Nick Hansens (links) und Hans-Peter Jansen, Betreiber des "Studiokino" in Hamburg, sitzen in einem leeren Kinossal.
Nick (links) und Hans-Peter Jansen vom "Studiokino" sprechen sich gegen eine Maskenpflicht im Kinosaal aus.

Auch im familienbetriebenen "Studiokino" in St. Pauli sind die Einnahmen stark gesunken. Und die Sorgen werden immer größer - andere Bundesländer diskutieren bereits über eine mögliche Maskenpflicht auch im Kinosaal. "Kino funktioniert ja so, dass von den Karteneinnahmen 100 Prozent auf die Kosten gehen", erklärt Nick Jansen. "Wenn wir jetzt nur ein Drittel der Plätze haben, wird auch der Nebenumsatz einberechnet, um die Kosten zu decken."

Falle dieser Faktor auch noch weg, also das Essen und Trinken während des Films, weil die Leute im Kinosaal eine Maske tragen müssten, gebe es keinen Grund mehr, ein Kino aufrechtzuerhalten, so Nick Jansen. Man produziere dann mehr Kosten als Einnahmen. "Deswegen müssen wir versuchen, dafür zu kämpfen, dass die Besucher im Saal die Maske weiterhin abnehmen dürfen", sagt Hans-Peter Jansen, Nick Jansens Vater und Mitbetreiber des "Studiokino".

Kinobesuchern fehlt das Vertrauen

Ob Programm-, Arthaus oder Multiplexkino - sie alle sitzen deutschlandweit im gleichen Boot und hoffen auf mehr Unterstützung aus der Politik, aber eben auch von den Bürgerinnen und Bürgern. "Unser Wunsche an die Kinobesucher ist eigentlich, dass sie Vertrauen zu uns haben", sagt Flebbe von der "Astor Film Lounge". "Sie sollen das einfach wie einen Restaurantbesuch sehen, sich mal was besonders gönnen und zurück ins Kino kommen."

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Ein Schild zur Maskenpflicht in Hamburg. © picture alliance/Christian Charisius/dpa Foto: Christian Charisius

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.10.2020 | 19:30 Uhr