Stand: 17.05.2018 12:16 Uhr

Wie klingt Frankensteins Monster?

von Daniel Kaiser

Der Hamburger Komponist Jan Dvorak bringt eine weltbekannte Gruselgeschichte auf die Bühne: Frankenstein. Der Eilbeker hat die Musik für das Drama vom Wissenschaftler, der einen künstlichen Menschen erschafft, geschrieben. Der Abend mit einer riesengroßen Monster-Puppe ist ein Projekt der Staatsoper und hat nun auf Kampnagel Weltpremiere. Ein Treffen bei der Probe mit dem Musiker.

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Frankenstein ist auf der Bühne eine zweieinhalb Meter große Puppe, die von drei Puppenspielern geführt wird.

Jan Dvorak steht während der Probe mit seiner Partitur neben dem Orchester, verfolgt jeden Ton und läuft immer wieder zur Pianistin oder dem Trommler und flüstert: "Nicht so laut!". Man spürt, er hat Spaß an seinen eigenen schauerlichen Frankenstein-Klängen. "Von Jugend an haben mich Science-Fiction-Themen und futuristische Welten beschäftigt", sagt der 46-Jährige.

Das sprechende Monster

Alle singen in dieser Oper, nur Frankensteins Geschöpf nicht. Das Monster ist auf der Bühne eine zweieinhalb Meter große Puppe, die von gleich drei Puppenspielern geführt wird. "Wir erzählen in der Oper die Entwicklung dieser Kreatur vom riesenhaften, aber wehrlosen, Kleinkind hin zu einem Übermenschen, der körperlich und intellektuell allen überlegen ist, und dessen Wut darauf, dass er immer alleingelassen wurde, am Ende in einen Rachefeldzug endet", erklärt Dvorak.

Der Puppenspieler bedient die Puppe nur. Gesprochen wird diese von Catrin Striebeck, die das Monster sozusagen vom Bühnenrand synchronisiert. Der Unterschied zwischen gesprochener und gesungener Sprache markiere einen wichtigen Kontrast, erklärt Dvorak. Der andere sei, dass die Handlung an immer neuen idyllischen Orten spielt - wie in den Alpen oder auf einer Nordseeinsel: Kreatur trifft Natur. Auch in den Klängen.

Herkunft zwischen E-Gitarren und Blockflöten

Dvoraks Musik ist neu und bunt. Auch eine E-Gitarre sitzt im Orchester, aber nicht als billige Ranschmeiße an Popmusik. "Die E-Gitarre wird nicht so eingesetzt, wie man das erwarten würde, sondern sie wird als Orchesterinstrument eingesetzt. Gleichzeitig übernehmen andere Instrumente Funktionen, die man der E-Gitarre zuordnet. So entstehen unerwartete Klangräume, und das ist eigentlich mein Ziel." erzählt der Komponist.

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Liebt Blues, Dylan, Rock - und die Musik seines Namensvetters: der Hamburger Komponist Jan Dvorak.

Mit den E-Gitarren auf den Platten seines Vaters ist Dvorak aufgewachsen. Mit Blues, Bob Dylan und Rock'n Roll. Seine Großmutter war Flötistin mit einem eigenen Barockmusik-Ensemble. Eine aufregende Mischung! Und dann kam noch die Begeisterung für Musik des 20. Jahrhunderts - zum Beispiel für Strawinsky. "Als ich das erste Mal 'Le Sacre du Printemps' im Konzert gehört habe, war das schon ein Moment für die Ewigkeit für mich," schwärmt Dvorak. "Das ist ein Stück, das so gewaltig und mitreißend ist, da wäre ich beinahe von der Brüstung gestürzt vor Begeisterung ."

Verwandtschaft mit weltbekannten Komponisten?

Dvorak - da war doch was. Genau - der andere weltbekannte Komponist. Die Dvoraks aus Hamburg-Eilbek haben auch tschechische Wurzeln und könnten mit dem Schöpfer der Sinfonie "Aus der neuen Welt" wirklich verwandt sein. "Tatsächlich gab es in der Familienplattensammlung diese Sinfonie, und aus dem Cover war der Komponisten-Name ausgeschnitten und hing an unserer Wohnungstür. Schon als kleiner Junge hatte ich so einen starken Bezug zu diesem Komponisten".

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Frankenstein - eine universale Geschichte, die auf Kampnagel mit vielen emotionalen Mitteln erzählt wird.

Es sei auch nicht das Schlechteste, mit seinem Namensvetter und Vielleicht-Verwandten verwechselt zu werden. "Als eines meiner Orchesterstücke aufgeführt wurde, gab es ein Plakat, das überall in Hamburg aushing, auf dem stand "Prokofjew - Tschaikowsky - Dvorak". Ich bin mir sicher, dass kein Mensch vermutet hat, dass das Stück von mir gewesen ist", lacht Dvorak.

Taschentücher-Alarm

Vor allem in der Kulturfabrik Kampnagel erklingt seine Musik. Aber seit zwei Jahren ist Jan Dvorak auch Chefdramaturg in Mannheim. Das Frankenstein-Projekt begann in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Philipp Stölzl als Theaterabend in Basel mit einigen, wenigen Teilen Bühnenmusik. Die komplette Frankenstein-Oper in Hamburg wird keine anstrengende Avantgarde-Oper, verspricht Dvorak: "Es ist der Versuch, ein richtig großes Breitband-Leinwand-Kino-Erlebnis zu schaffen. Wir wollen die Geschichte mit allen emotionalen Mitteln erzählen. Beim Schauspiel in Basel sind die Leute in Tränen ausgebrochen, und ich habe einen Regieassistenten getroffen, der sagte, dass ihm diese Aufführung den Glauben an das Theater zurückgegeben habe."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 16.05.2018 | 19:00 Uhr

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