Stand: 08.01.2018 18:38 Uhr

Europäisches Kulturerbejahr startet in Hamburg

von Daniel Kaiser

Kulturerbe - auf diesem Wort liegt gefühlt eine ganz dicke Staubschicht. Die soll jetzt weggepustet werden. Im Hamburger Rathaus wurde am Montag offiziell das Europäische Kulturerbejahr eröffnet. In den kommenden Monaten gibt es unter dem Motto Sharing Heritage überall Projekte und Veranstaltungen über Denkmäler und Traditionen. Damit will die EU-Kommission das Bewusstsein für die soziale und wirtschaftliche Bedeutung des kulturellen Erbes schärfen.

Einige Leuchteschilder mit Besuchern herum.

Europäisches Kulturerbejahr eröffnet

Hamburg Journal -

In Hamburg ist das Europäische Kulturerbejahr eröffnet worden und im Rathaus eine Ausstellung. Botschafter ist der Schauspieler Daniel Brühl.

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Das Kulturerbejahr will der Seele Europas nachspüren. Europa sei eben nicht die bürgerferne EU-Zentrale sondern gewachsene Geschichte, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. "Worauf Europa gebaut ist und was uns ausmacht als Europäerinnen und Europäer, das ist wichtiger denn je angesichts der vielerorts zu beobachtenden Erosion der europäischen Einigung", sagte sie. Europa sei mehr als eine Freihandelszone oder ein Zweckbündnis für Frieden und Sicherheit. "Nur als Wertegemeinschaft hat die Europäische Gemeinschaft eine Zukunft. Nur als Wertegemeinschaft ist Europa ein Sehnsuchtsort", so Grütters.

Viele Projekte auch in Norddeutschland

Bislang 130 Projekte in ganz Deutschland wollen vor allem junge Leute für europäische Kultur sensibilisieren. In Mecklenburg-Vorpommern findet im Juni eine lange Nacht der nordischen Gutshäuser statt, die prägend für den ganzen südlichen Ostseeraum sind. Das niedersächsische Königslutter ist mit seinem romanischen Kaiserdom Teil beim internationalen Netzwerk Transromanica  dabei. Und in Lübeck untersucht Tillmann Bendikowski vom Europäischen Hansemuseum, wie man im Mittelalter beim Hansetag und heute beim EU-Gipfel  zu Entscheidungen kommt. "Wir machen Planspiele für Schüler und junge Erwachsene", erklärt Bendikowski. "Da können die Teilnehmer nachstellen: Wie war denn ein Hansetag im Jahr 1518 - oder ein EU-Gipfel? Sie schlüpfen selber in die Rollen der Akteure und können dann anderthalb Stunden spielen - übrigens ein Angebot, das für Schulen umsonst ist." Dies ist eines der fast 40 von der Bundesregierung mit mehr als sieben Millionen Euro geförderten Projekte.

Europäisches Glockenkonzert am 21. September

Mit einer Schiffsglocke wurde das Kulturerbejahr offiziell eröffnet. Am 21. September, dem Friedenstag der Vereinten Nationen soll daraus ein europäisches Glockenkonzert werden, hofft Martina Münch, die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. "Für eine Viertelstunde sollen zeitgleich in mehreren europäischen Staaten möglichst viele Glocken als Zeugnisse einer uralten Kulturtradition erklingen", sagte sie. "Mit dem Läuten soll ein gemeinsames Signal gesendet werden für die europäischen Werte des friedlichen Zusammenlebens, der Freiheit, der Toleranz und der Solidarität."

Europäischer Austausch bringt regionales Erbe

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An Beispiel des Franzbrötchens machte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda deutlich, wie europäischer Austausch funktioniert.

Regionales Kulturerbe sei oft europäisch, stellt der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda für seine Stadt fest, in der nicht zufällig das europäische Kulturerbejahr beginnt. Die Deiche bauten die Niederländer. Das Abwassersystem brachte ein Engländer. "Und wenn Sie das Franzbrötchen nehmen - also unseren Beitrag zu Backkunst - das war der Versuch eines Bäckers zur Zeit der französischen Besatzung: Ein Croissant nachzuempfinden und mehr Zimt zu verwenden als der Franzose", so Brosda. "Hamburg ist immer ein Ort gewesen, von dem Menschen in die Welt gegangen sind oder aus der Welt nach Deutschland kamen - und dadurch hat sich immer wieder viel Austausch in dieser Stadt manifestiert."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 08.01.2018 | 19:00 Uhr

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