Stand: 19.07.2019 15:18 Uhr

Es kann gar nicht genug Musik für Babys geben

Die Klassik Festival Saison geht wieder los - Bregenz, Salzburg, Bayreuth. Meist sitzen da Erwachsene und nur vereinzelt Kinder. Deswegen gibt es ja auch Familienkonzerte, um heute schon das Publikum von morgen an die Klassik heranzuführen. Aber reicht das? Muss man nicht noch einen Schritt weitergehen?

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

Das Publikum ist angeregt, gespannt und, nun ja lebhaft. Hier und da klingen die hellen Stimmen der kleinen Gäste hervor und das beruhigende Brummen der Mamas und Papas hinterdrein. Hoppla. Gerade schlägt wohl erst einmal ein kleiner Besucher auf den Gong neben der Kesselpauke. Der kleine Racker. Leon-Marvin, süß, er trägt wie alle, ein großes Namensschild auf Brust und Rücken, sonst kann die ja auch keiner auseinanderhalten. Denn die Besucherinnen und Besucher sind ja bei diesem Konzert explizit dazu aufgefordert worden, nicht still auf ihren Plätzen zu bleiben, sofern sie überhaupt schon sitzen können. Nein, sie waren vom Orchesterleiter selbst aufgefordert worden, auf die Bühne zu krabbeln.

Die Kinder sind die Zukunft

Neugeborene liegen auf einer Kinderstation. © dpa - Bildfunk Foto: Waltraud Grubitzsch

Klassik für die Kleinen

NDR Info - Auf ein Wort -

Kinder in klassischen Konzerten sind ja eher selten. Deswegen sollte Klassik für die Kleinen konsequent auf die Zielgruppe zugeschnitten sein, findet Ocke Bandixen und bittet auf ein Wort.

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Hoppala. Jetzt sind Marie und Joelle-Christin versehentlich mitten in die Bratschen geraten. Na, warten wir noch ein paar Momente. Sie hängen in den Saiten. Ich kann in der Zwischenzeit berichten, dass das Opern- und Konzerthaus wie einige Vorbilder in aller Welt diesen Schritt, vielleicht sagen wir besser, diesen Krabbler in Richtung Innovation gegangen ist: Die Kinder sind die Zukunft. Und die Musik braucht Hörerinnen und Hörer. Viele Eltern sind der Einladung mit ihren Kleinen gefolgt. Und das Programm ist an die Bedürfnisse der jungen Klassikneulinge angepasst worden.

Dem kleinen Racker die Meinung geigen

Ouvertüre: der liegende Holländer. Wenige der Teilnehmerinnen können sich ja wirklich aufrecht halten. Dann die Trip-Trap-Polka - für die schon sitzenden Kinder. Oh, nein, nicht den Dirigentenstab. Das ist Pascal, der kann schon ein paar Schritte gehen. Nicht den Stab. Jetzt wird die Darbietung von Stockhauen unterbrochen. Aber die erste Geige pariert. Und geigt dem kleinen Racker ihre Meinung.

Wo Hindemith?

Auch das ist eben neu: Das Orchester als lebendiger, körperlicher Organismus. Hier tritt man jemand auf den Brahms, dort stolpert eine über den Mahler, der die Stifte in der eingerichteten Kritzelecke nicht aus der Hand legen mag. Und allegretto weiß man bei allem Scherzo nicht mehr wo Hindemith. O-Boe, da krabbelt mal jemand Offenbach von den Holzbläsern mitten ins Blech.

Fidelio nach dem Nickerchen

Zurück zum Programm: Im Mittelteil steht das Forellenquintett auf dem Programm, dargeboten als kindgerechte Fischstäbchen, und die Kinderszenen von Schumann. Dann vor der Pause "Das wohltemperierte Fläschchen" und anschließend eine Menge von Christoph Willibald Gluck.

Viele Kinder hatten schon wieder Hunger. Für Elise gab es sogar schon etwas Apfelmus. Für Siegfried, Parzival, Tristan und Isolde Pomps-Brei und Cirumstance. Fidelio geht es dann nach einem Nickerchen weiter.

Klavierkonzert für vier Patscherchen

Musikpädagogik geht in diesem Konzert neue Wege. Sie schlägt eine Spur für Kinderwagen, Buggys und diese neuartigen Lastenfahrräder mit Kindersitzen. Für Parkplätze muss in Zukunft wohl noch mehr gesorgt werden, ebenso einige Wickeltische auf Molton vivace. Es folgt Jammermusik mit Piccoloflöte und ein Klavierkonzert für vier Patscherchen.

Geschlummert wird zur "Kleinen Nachtmusik"

Das Programm stimmt - und auch die Reaktion. Durchgehend auffällig lebhaft, schwankend die Resonanz. Hier ein Rufer, dort eine unaufgefordertes Brabbeln, Schreie, Weinen. Einige der jungen Besucher können dem neuen Erlebnis nicht im wachen Zustand standhalten. Sie schlummern.

Richtig, zu "Eine kleine Nachtmusik". Aber halt. Ist das das abschließende Urteil aus diesem Konzertsaal? Nein. Anna-Maria und Finn-Ole in der ersten Reihe machen es vor und viele andere der kleinen Besucherinnen und Besucher schließen sich an: ein Erfolg, diese Veranstaltung, der nach Wiederholung schreit.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 19.07.2019 | 18:25 Uhr

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