Stand: 06.04.2020 15:14 Uhr  - NDR Info

Kulturbörse der Nordkirche eröffnet neue Wege

von Patricia Seeger

Die evangelische Nordkirche hat jetzt im Internet eine Kulturbörse gestartet. Damit will sie Kulturschaffende in der Corona-Krise unterstützen und ihnen die Möglichkeit geben, Geld zu verdienen. Denn die Künstlerinnen und Künstler können auf dem Portal ihre Arbeit anbieten und von Interessierten gebucht werden.

Eva Monar ist studierte Opernsängerin. Die Sopranistin bietet bei der Kulturbörse digitalen Gesangsunterricht an - per Video-Konferenz: "Diese Überlegungen waren vor der Corona-Krise schon auf meiner Liste und jetzt probiere ich jeden Tag Apps aus, damit man zusammen proben kann. Das heißt, diese Pläne sind jetzt plötzlich unheimlich konkret geworden", erklärt Monar.

Freischaffende Künstler mit finanziellen Sorgen

Die Mutter von zwei Kindern betreibt in Malente nach eigenen Angaben eine gut laufende Gesangsschule. Aber wie so viele Kulturschaffende macht auch sie sich jetzt Sorgen, wie es finanziell weitergeht: "Wir hatten keine Rücklagen. Mein Mann ist auch Künstler, der ist freischaffender Bühnen- und Kostümbildner an Theatern. Da ist natürlich von heute auf morgen gar kein Einkommen mehr da - und bei mir auch." Insofern war sie gleich begeistert, als ein befreundeter Schauspieler ihr von der Kulturbörse der Nordkirche erzählte und den Link zuschickte.

Luise Klafs ruft Kulturbörse ins Leben

Bild vergrößern
Nordkirche-Mitarbeiterin Luise Klafs hatte die Idee, eine Plattform für Künstler zu schaffen.

Die Idee stammt von Luise Klafs. Die 32-Jährige ist bei der Nordkirche Studienleiterin für Kultur und Kirche. Sie wollte für Kulturschaffende vor allem schnelle und unkomplizierte Hilfe organisieren: "Ich hatte anfangs überlegt, als Kirche einen Spendenfonds einzurichten. Dann hab ich aber mit Freunden gesprochen und die waren der Meinung, dass die Künstler lieber ihre Kunst selbst anbieten würden. Man möchte eigentlich auch gerade die Krise in der Kunst mitgestalten, etwas aktiv tun gegen die Krise."

Angebot: Vom Online-Tanzkurs bis zum Kauf einer Skulptur

Auf der Internetseite, die übrigens den schönen Namen "Kulturhimmel" trägt, können die Künstler ihr Profil und Angebot hochladen. Wohnzimmer-Konzerte per Livestream sind dabei, außerdem Mal- und Tanzkurse. Es können aber auch Bilder oder Skulpturen gekauft werden. Sängerin Eva Monar erhofft sich durch das vielfältige Angebot viele neugierige Besucher des Internetportals. "Das ist so etwas wie ein Schaufenster, wo sich Menschen vielleicht mehrere Sachen angucken, die vielleicht noch gar nicht auf die Idee kamen, das zu tun, was ich anbiete, das wollte ich schon immer ausprobieren, das wäre jetzt doch mal eine Gelegenheit."

Gerade in Krisenzeiten nicht unter Wert verkaufen

Für eine Gesangsstunde nimmt die Sängerin 60 Euro; 250 bis 5.000 Euro kosten die Bilder einiger Malerinnen und Maler. Es sind also keine Schnäppchen-Preise. Aber genau das ist wichtig, findet Luise Klafs von der Nordkirche, denn keiner solle sich unter Wert verkaufen. "Es gibt Künstler, die ein hohes Honorar haben beziehungsweise ein dem Markt angemessenes Honorar, was einem nur jetzt auf einmal in Krisenzeiten so hoch vorkommt. Daneben gibt es auch welche, die ein Gedicht für drei Euro anbieten, was sie dann selbst verfassen."

Literatin Peters: Jedes Gedicht ein Unikat

Wie Silke Peters aus Stralsund. Jedes ihrer Gedichte ist ein Unikat. Die Literatin verfasst sie speziell für ihre Auftraggeber, tippt sie auf schönem Papier auf einer antiken Schreibmaschine. Poetische Momente für den Alltag - auch Silke Peters erhofft sich einiges von der neuen Kulturbörse der Nordkirche: "Es hilft mir Kontakte herzustellen, Anerkennung zu bekommen und auch ein Einkommen zu haben. Das ist schon wichtig", betont Peters.

Übrigens: Die besten zehn Vorschläge der Künstler, die einen besonders kreativen Umgang mit der Corona-Krise zeigen, werden von der Nordkirche gekürt und finanziell unterstützt. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 06.04.2020 | 15:20 Uhr

Mehr Kultur

03:09
Hamburg Journal
03:00
Hallo Niedersachsen