Bundespressekonferenz zur Corona-Lage am 2.12.2021

Corona-Beschlüsse: Kultur erleichtert über 2G, warnt vor 2G-Plus

Stand: 04.12.2021 07:46 Uhr

Das Bund-Länder-Treffen hat entschieden: Bundesweit soll nun im Kulturbereich einheitlich die 2G-Regel gelten - und das weitestgehend unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz. Wie reagiert die Branche?

Bundespressekonferenz zur Corona-Lage am 2.12.2021
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von Juliane Bergmann

Es herrscht eine durchwachsene Stimmung unter den Kulturschaffenden, seit dem Treffen von Bund und Ländern am Donnerstag. Die einen freuen sich weitermachen zu können, die anderen sehen ihre Existenz bedroht. Erleichtert über die Entscheidungen ist zum Beispiel Thomas Posth, Künstlerischer Leiter des Orchesters im Treppenhaus Hannover. Denn er hatte einen Lockdown befürchtet. Posth leitet ein freies Ensemble und ist froh, dass es weiterarbeiten kann. Ein Lockdown hätte wieder Absagen bedeutet und das wäre, so Posth, "für viele tatsächlich der Todesstoß gewesen". Dennoch sei fraglich, ob dann auch Publikum komme. Deshalb bleibe die Lage kompliziert. "Wir alle sind ein bisschen überfordert, aus dieser Situation irgendwas zu machen; Schlüsse zu ziehen, Planungssicherheit zu gewinnen, wenigstens für die nächsten zwei Monate."

Hamburger Kulturbehörde: Theater und Konzertsäle sind "sichere Orte"

Die neuen Regeln der Ministerpräsidenten-Konferenz sehen auch vor, dass Besucher-Zahlen bei Großveranstaltungen begrenzt werden. Sowohl in Innenräumen als auch im Freien dürfen nur 30 bis 50 Prozent der Kapazitäten genutzt werden. Die Maßnahme gilt aber nicht für Theater und Konzertsäle. Enno Isermann von der Hamburger Kulturbehörde versteht unter Großveranstaltungen, die nicht mehr stattfinden können, eher vollständig ausgelastete Fußballstadien. "Aber Veranstaltungen in der Elbphilharmonie, in Theatern, die sind nach unserer Lesart nicht davon betroffen. Da gibt es ja auch schon deutliche Entscheidungen, dass es 2G und Maskenpflicht gibt". Insofern seien dies auch sichere Orte," so Isermann.

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2G-Plus-Regelung sorge für leere Theater

Die 2G-Regelung hatten viele Kultur-Veranstalter schon vor der offiziellen Entscheidung von Bund und Ländern umgesetzt. Der General-Intendant des Theater Kiel, Daniel Karasek, hat an seinem Haus gute Erfahrungen mit dieser Regelung und der Maskenpflicht gemacht. Das Publikum hielte sich an die Maßnahme, so sein Eindruck: "Ich glaube, dass diese Entscheidung gut ist für die Theater. Ich weiß von anderen Kollegen und Theatern, mit denen ich jetzt gesprochen habe, Hannover zum Beispiel, wo die 2G-Plus Regelung gilt - und die leert definitiv die Theater."

Index-Betreiber Holger Bösch: Schließung von Clubs sei "Lockdown für alle"

Weiterhin eine Rolle spielen die Inzidenzen in Clubs und Diskotheken. In Gebieten mit einer Inzidenz von mehr als 350 werden sie künftig geschlossen. Entsprechend unzufrieden ist Holger Bösch. Er betreibt die größte Diskothek Deutschlands - das Index im niedersächsischen Schüttorf - mit 20 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 300 Aushilfen. Noch darf Bösch seine Räume öffnen, denn in seinem Landkreis liegt die Inzidenz aktuell bei 300.

Neben der wirtschaftlichen Katastrophe, die eine Schließung für ihn bedeuten würde, hebt er die Bedeutung der Club-Szene für junge Menschen hervor. Es werde die ganze Zeit von einem Lockdown für Ungeimpfte geredet, aber müsste er seinen Club schließen, wäre das ebenso ein Lockdown für geimpfte junge Menschen. Das hätte zur Konsequenz, dass dann "die gesamte Feierei der jungen Menschen in die Anonymität und Illegalität rutscht. Dort gibt es keine Kontaktnachverfolgung, keine Kontrolle, ob jemand geimpft ist, kein Test wird abverlangt, es gibt keinen Verantwortlichen, es gibt kein Lüftungsanlagen." Und dieser Umstand werde, laut Bösch, nicht zu einer Verbesserung der Corona-Situation führen, sondern zu einer Verschlechterung.

Was allen gemeinsam fehlt, ist eine zuverlässige Perspektive. Aber die kann in Pandemie-Zeiten einfach keiner geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.12.2021 | 08:15 Uhr