Projektionen an der Wand © NDR.de Foto: Birgit Schütte

"Bodyhacking": Körperkunst an Osnabrücker Hauswänden

Stand: 30.11.2020 11:11 Uhr

Die Outdoor-Ausstellung "Lichte Momente" in Osnabrück zeigt Filme zum Thema Body-Hacking. Medienkünstler fragen, wie sich unser Körper durch Technik verändert.

Beitrag anhören 3 Min

von Birgit Schütte

Gesichtslose Wesen mit Kugeln auf ihren Köpfen wandern durch einen lila-farbigen psychedelischen Raum. Hände als Einzelwesen mit langen wurstartigen Fingern tanzen auf einer Tastatur. Die griechische Medienkünstlerin Eva Papamargariti zeigt surreale Wesen, neue Lebensformen aus Menschen und Materialien.

Das ist eines von mehreren Videos, die in den Altstadtgassen von Osnabrück zu sehen sind. Passanten drehen sich um. Aber ein kurzer Blick reicht nicht. Vier Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre teilweise ganz unterschiedlichen Videoarbeiten. Immer geht es um Bodyhacking, die Optimierung des Körpers. Das Thema sei hochaktuell, sagt Joran Yonis, einer der Kuratoren: "So gibt es zum Beispiel auch Body-Hacker, die aus sich mehr oder weniger Cyborgs machen, indem sie Implantate einpflanzen oder Magnete."

Hinterfragen der sozialen und psychischen Auswirkungen

Projektionen an der Wand © NDR.de Foto: Birgit Schütte
Videoprojektionen über Bodyhacking an den Hauswänden in Osnabrück

Die Künstler gehen spielerisch mit dem Thema um. Fast alle sind sehr jung. Digitale Technik gehörte immer zu ihrem Leben dazu. Gleichzeitig hinterfragen sie soziale und psychische Auswirkungen neuer Technologien und Möglichkeiten.

Im Video der Koreanerin Younghee Shin treibt eine Reihe geklonter Frauen im Badeanzug im Gleichschritt Gymnastik. Der neue Mensch soll perfekt funktionieren. Der spanisch-kroatische Künstler Filip Custic hinterfragt unsere Identität: In seinem Video erscheinen Porträts, die durch kleine Spiegel am Körper immer wieder anders aussehen.

"Das ist nicht nur eine Warnung"

Der Mensch im Zusammenspiel mit digitalen Räumen und neuer Technologie - das hat gerade jetzt, wo sich unser Leben durch Corona rasant ändert, eine neue Brisanz bekommen, sagt die Kuratorin Monika Witte: "Ich glaube, das ist nicht nur eine Warnung, sondern auch, dass mit den neuen Techniken und Möglichkeiten neue Dinge geschaffen werden können und auf Dinge kritisch hingewiesen werden kann."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 30.11.2020 | 07:20 Uhr