Das Geschäft Zauberhaus von Rosa und János Bartl am Neuen Jungfernstieg in Hamburg © Archiv Bartl-Witt

Bartls Zauberladen: Legendäres Zauberreich am Jungfernstieg

Stand: 04.03.2021 12:18 Uhr

Wenn Harry Potter in London nach einem neuen Zauberstab suchte, ging er in die Londoner Winkelgasse. Die Hamburger Winkelgasse lang jahrzehntelang an der Binnenalster: In Bartls Zauberladen von Rosa und János Bartl.

von Peter Helling

Alle pilgerten hierher - die großen und ganz kleinen Magier. Die Enkelin Birgit Bartl-Engelhardt hält die Erinnerung an ihre Großeltern lebendig, hat sogar eine "Bartl-Chronik" geschrieben. "Es war herrlich - Glimmer und Glamour, es war zauberhaft", schwärmt Birgit Bartl-Engelhardt, inzwischen selbst eine ältere Dame. In Bartls Zauberladen gab es einfach alles. Ratten im Flakon, Vogelspinnen und teure Illusionen wie die zersägte Jungfrau. "Die kostete damals, 1949, den Preis eines Volkswagens."

Epizentrum der magischen Kunst am Jungfernstieg

Rosa und János Bartl. © Archiv Bartl-Witt
Rosa und János Bartls Zauberläden waren legendär. Das bekannteste befand sich am Neuen Jungfernstieg 1.

Das Zauberreich ihrer Großeltern, Rosa und János Bartl, war legendär. In Hamburg und weit darüber hinaus. Fünf Läden insgesamt hatte das Ehepaar nacheinander. Der berühmteste lag von 1930 bis 1952 am Jungfernstieg. Heute brausen dort die Busse entlang, werden die Sandstein-Fassaden aufpoliert. Damals in den 30er-Jahren, als die Zauberei boomte, war es das Epizentrum der magischen Kunst. Alles an diesem Zauberladen war wohl magisch. Vor allem die Herrin des Ladens, Rosa Bartl. Die Enkelin besuchte sie manchmal als Mädchen, aufgeputzt, mit Blumenstrauß - aber irgendwie war die große Rosa, die in Wirklichkeit gerade 1,55 Meter maß, immer etwas distanziert. "Sie liebte nur eins: Sie liebte ihre Zauberkunst, ihre Kinder bekamen nie einen ersten Platz."

Rosa, die Mutter der Hamburger Zauberkünstler

Rosa, in schwarzer Seide und mit blutroten Fingernägeln, hielt vorne im Laden Hof, bezauberte, verführte, zeigte die besten Tricks und Illusionen. Sie galt als Mutter der Hamburger Zauberkünstler, ihr Mann János arbeitete hinter den Kulissen. "Das Charisma eines Zauberers besteht ja darin, das Publikum zu verführen, charmant zu verführen - und dort, wohin das Publikum folgt, dort liegt nicht der Trick."

"Der Name 'Zauber-Bartl' ist ein Begriff"

Innenansicht des Zauberhauses von Rosa und János Bartl am Neuen Jungfernstieg 1 in Hamburg. © Archiv Bartl-Witt
Von 1930 bis 1952 war das Zauberhaus von Rosa und János Bartl das Epizentrum der magischen Kunst in Hamburg.

Diese Kunst beherrschte Rosa Bartl wie kaum jemand sonst. Sie war eine der wenigen Frauen in der Zauberkunst. "Es wird ihr ein Kunststück zugeschrieben, das unter ihrem Namen bekannt geworden ist, 'Etuiso', das Verschwinden einer Zigarette aus einer kleinen metallenen Hülse. Da denkt man immer noch an die Rosa Bartl", sagt Wittus Witt, Zauberer, Künstler und Verleger und ein Verehrer ihrer Zauberkunst. "Viele ältere Hamburger kennen grundsätzlich diesen Begriff 'Zauber-Bartl'. Wenn ich in meinem Zauber-Salon davon erzähle, um das Publikum einzustimmen, und erwähne, dass es ein Zauber-Geschäft gab, da kommen schon von manchen Zuschauern: 'Ah, ja, das war der Zauber-Bartl.' Der Name ist ein Begriff, und Rosa Bartl war durch ihre Persönlichkeit einfach präsent."

Rosa war Jüdin. Den Holocaust überlebte sie nur knapp, wie die Enkelin sagt. "Die Bartls hatten riesiges Glück, es heißt, sie hätten Schutz bis in den Senat hinauf gehabt." Nach dem Krieg war das große Zaubergeschäft vorbei. 1968 wurde Rosa Bartl in die Nervenheilanstalt Ochsenzoll eingewiesen, die Gründe sind bis heute unbekannt. Kurze Zeit später starb sie.

Erinnerungen in einem alten Koffer - war Magie im Spiel?

Als Birgit Bartl-Engelhardt die Geschichte ihrer Familie aufschreiben wollte, da besaß sie gerade mal zwölf Fotos. "Und in dem Augenblick rief Wittus Witt mich an." 2007 hatte Wittus Witt einen Tipp bekommen: Im Bestand des letzten Ladens lagerten Schätze. "Unter all diesen Kartons entdeckte ich einen Koffer", erzählt er. "Dann öffnete ich ihn und sah eine ganze Reihe von Alben, von Bildern aus der Zeit von János und Rosa Bartl." Er habe erfahren, dass Birgit Bartl-Engelhardt an der Biografie ihrer Großmutter arbeitete und ihr den Koffer einfach komplett geschickt.

Für die Enkelin war da auch ein bisschen Telepathie und vielleicht: Magie im Spiel. Zu Wittus Witt sagte sie: "'Herr Witt, Sie haben mir meine Familie wiedergegeben!' Ich hab 300 Fotos bekommen, alles. Das werde ich ihm nie vergessen."

Wittus Witt hat 2020 sogar einen Kunstpreis nach Rosa Bartl benannt und arbeitet daran, dass eine Straße in Hamburg nach der Zauberkünstlerin benannt wird. Die Bartl-Chronik ist im Verlag Magische Welt erschienen und kostet 65,50 Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 03.03.2021 | 19:05 Uhr