Stand: 17.09.2020 12:00 Uhr

"Wünsch Dir Deinen NDR" an die Schule: Satire mit extra 3

von Dennis Kaupp

Bei der Aktion "Wünsch Dir Deinen NDR" konnten sich Hörer, Zuschauer und Nutzer für einen Besuch bewerben. Dennis Kaupp und Jesko Friedrich wurden an die Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe eingeladen, um über Humor zu sprechen.

Dennis Kaupp und Jesko Friedrich in der Kaiser-Karl-Schule. © NDR Foto: Hauke Sievers
Zurück in die Schule: Dennis Kaupp und Jesko Friedrich werden von Christine Behrendt-Herkenrath in Empfang genommen.

Wir trafen schon früh an der Kaiser-Karl-Schule ein, wo uns die Lehrerin Frau Behrendt-Herkenrath begrüßte. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse, Leistungskurse Physik und Biologie, sprachen wir drei Stunden lang über Fernseh-Satire und zeigten Filme, die wir für extra 3 und Wumms gemacht hatten.

Dabei erklärten wir:

  • den Unterschied Satire - Comedy (Satire ist Kritik + Unterhaltung mit Kernaussage und kreativ gestaltetem "Gefäß", wie zum Beispiel ein Lied, eine Inszenierung, eine Werbeparodie; Comedy ist reine Unterhaltung ohne kritische Kernaussage, wobei es natürlich Abstufungen und Mischformen zwischen den beiden gibt)
  • den Ablauf einer typischen Arbeitswoche mit Themenkonferenz und Ideenfindung, Drehbuch, Dreh oder Gesangsaufnahmen im Studio, Schnitt und Mischung
  • kreative Methoden (persönliches Ideensammeln in jeder Situation, Wortspiele als Ausgangspunkt für Ideen, Teamwork, freies Brainstorming ohne sofortige kritische Bemerkungen zu den Ideen)
  • Grenzen der Satire (persönliche Beleidigungen, schwache "Feinde", unverhältnismäßige Wahl der Mittel, grausame und schwer aushaltbare Bilder in lustigen Kontexten)

Satire ist zugespitzte Kritik

Dennis Kaupp und Jesko Friedrich in der Kaiser-Karl-Schule. © NDR Foto: Hauke Sievers
Die Macher von extra 3 wissen, wie viel Arbeit das gekonnte Spötteln macht.

Es wurde gefragt, wie wir dazu stünden, dass der Begriff "Satire" immer wieder dazu missbraucht werde, beleidigende Aussagen zu rechtfertigen, und wir konnten guten Gewissens sagen: Das finden wir sehr ärgerlich. Satire ist kein Synonym für "Beleidigung" oder "Hetze". Satire ist zugespitzte Kritik an falschem und schädlichem Handeln, und scharfe Worte über Verantwortliche müssen immer auf dieses Handeln bezogen sein, nicht aber auf andere persönliche Eigenschaften des Verantwortlichen wie Aussehen, Herkunft oder persönliche Vorlieben.

Der zweite Teil der Veranstaltung bestand aus praktischen Übungen. Wir ließen die Klasse Themen nennen, die aus ihrer Sicht eine kritische Betrachtung verdienten. Neben störendem Rollsplitt, Baustellen, dem Rundfunkbeitrag, der AfD und der schleppend verlaufenden Digitalisierung an deutschen Schulen wurde auch das Thema "Verschwörungstheorien" genannt, für das sich die Teilnehmenden bei der anschließenden Abstimmung mit großer Mehrheit entschieden. Wir teilten die Gruppe in zwei Untergruppen auf und entwickelten Ideen zu einer möglichen satirischen Umsetzung des Themas.

Brainstorming und Wortspiele als Impulse für Ideen

Hier wurde besonders die Kraft des freien Brainstormings und des Wortspiels als Ideenimpuls deutlich. Die Schülerinnen und Schüler spielten lustvoll mit Assoziationen und Umsetzungsformen und konnten bei der abschließenden Vorstellung zwei sehr interessante Konzepte präsentieren:

Eine verrückte Inszenierung, gemischt mit Archivmaterial, die die Absurdität einiger Verschwörungstheorien durch eine eigene, noch übertriebenere Verschwörungstheorie karikiert. Hier nur einige Stichpunkte aus der Überfülle von kreativen Ideen: Elisabeth II. ist in Wirklichkeit ein Echsenmensch, der schon früh das Schwert "Echs-calibur" aus dem Stein zog und dadurch Königin von England wurde. Damit andere Europäer ihr nicht auf die Schliche kommen, wurde der "Echs-it", der Austritt aus der EU, beschlossen. Und übrigens: Die Erde ist weder rund noch flach, sondern Donut-förmig!

Dennis Kaupp und Jesko Friedrich in der Kaiser-Karl-Schule. © NDR Foto: Hauke Sievers
YouTube, Netflix, Fake News und "Lügenpresse" - über alles wurde gesprochen.

Eine Sitcom: Die Figuren sind eine Familie von Verschwörungstheoretikern samt Oma und Onkel. Die Familie plant einen Urlaub, stößt dabei aber auf verschwörungstheoriebedingte Probleme: Eine Reise per Flugzeug kommt nicht in Frage, da man den Ausstoß von Chemtrails nicht unterstützen möchte, außerdem landen zu viele Flugzeuge auch im Bermudadreieck. Bielefeld gibt es nicht, und in der Pfalz sind einfach zu viele unterirdische Menschenversuchslabore. Am Ende einigt man sich darauf, nach Atlantis zu fahren - wie jedes Jahr.

Es war ein sehr schöner Vormittag, und es ist gut zu sehen, dass man auch mit Maske und Abstand in intensiven persönlichen Kontakt mit den jungen Zuschauerinnen und Zuschauern treten kann. Dies ist ja gerade in Zeiten von YouTube, Netflix, Fake News und "Lügenpresse"-Vorwürfen wichtiger denn je.

 

Rückblick

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