Stand: 12.06.2017 13:00 Uhr

Herr Yogeshwar, glauben Sie an ...?

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Ranga Yogeshwar ist bekennender Atheist.

Seit über 20 Jahren erklärt der studierte Physiker, Autor und TV-Moderator Ranga Yogeshwar die Welt und begeistert mit Wissenssendungen wie "Quarks & Co" oder "Die große Show der Naturwunder" das deutsche Fernsehpublikum. Auch mit dem Thema Glauben hat er sich schon vielfach beschäftigt: Was ist Glaube und warum glaubt der Mensch überhaupt? Gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung oder schließen sich Wissenschaft und Glaube gegenseitig aus? Über seine Erkenntnisse spricht Ranga Yogeshwar im Rahmen der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" in Klassik à la carte.

Herr Yogeshwar, wie halten Sie es mit der Religion?

Ranga Yogeshwar: Ich respektiere, wenn andere Menschen glauben. Das ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Da spielt die Geschichte, die Tradition, die Herkunft, ganz vieles eine Rolle. Und ich habe einen Weg - wir wissen nicht, ob es am Ende der richtige oder der falsche ist. Aber das ist nicht ein Weg, bei dem ich in den alten Kategorien an ein Heilsversprechen glaube, was mir posthum zukommen wird.

Es gibt Dinge, die die Wissenschaft noch nicht erklären kann, vielleicht aber irgendwann erklären wird. Ich würde gern mit Ihnen ein bisschen in die Kristallkugel gucken und Ihnen einige Glaubensfragen stellen: Glauben Sie, dass wir Aids ausrotten können?

Yogeshwar: Ja, das glaube ich. Bei Aids sieht man, wie leistungsfähig moderne Wissenschaft ist. Denn Anfang der 80er-Jahre war die Tatsache, dass ein Mensch an Aids erkrankte, ein Todesurteil. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von wunderbaren Medikamenten und Therapien, die dazu führen, dass Menschen mit HIV sehr viel länger leben können. Ich bin und bleibe zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren, vielleicht Jahrzehnten, sogar in der Lage sein werden, diesen tückischen Mechanismus dieses Retroviruses zu unterbrechen und damit Aids auszulöschen.

Glauben Sie an außerirdische Lebensformen?

Yogeshwar: Ja, aber nicht im Sinne des Glaubens, sondern eher im Sinne einer Wahrscheinlichkeitsbetrachtung. Der Physiker nimmt an: Ein intelligentes Leben da draußen wäre so ähnlich wie wir Menschen. Wir leben auf unserer Erde, die bestimmte Eigenschaften hat. Wir leben, bezogen auf die Distanz der Sonne, gerade in einer Zone, die nicht zu heiß und nicht zu kalt ist: die habitable Zone. Gerade in den letzten Jahren sind viel mehr solcher Exoplaneten entdeckt worden. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nach etwa 4,5 Milliarden Jahren intelligentes Leben gibt, gegeben.

Glauben Sie an ein Zeitalter ohne Atomkraftwerke?

Yogeshwar: Ja, auf jeden Fall. Bei Atomkraftwerken ist das eine eher praktische Frage. Inzwischen gibt es ja Länder wie Deutschland, die mit der Energiewende sehr klar in diese Richtung gehen. Wir haben in der Geschichte oft erlebt, dass es einen Wandel gibt von der einen Technik zur anderen. Es gibt auch gute rationale Gründe dafür.

Glauben Sie daran, dass sich die Menschheit in hundert Jahren nachhaltig ernähren wird - und vor allem auch kann?

Yogeshwar: Ich glaube, dass wir in den nächsten hundert Jahren enorm viele Herausforderungen haben werden. Das bezieht sich nicht nur auf Ernährung, sondern auch auf das Klima, auf Ressourcen und viele andere Dinge. Wir sind gerade in dieser wunderbaren Scharnierphase, wo uns das so richtig bewusst wird, dass wir eine neue Verantwortung haben. In Zukunft haben wir nur dann global betrachtet eine wirkliche Chance, wenn wir diese Prinzipien der Nachhaltigkeit auf allen Ebenen einführen. Ich glaube, dieser Umdenkprozess findet statt. Ich bin zuversichtlich, glaube an die Kreativität, auch an den Optimismus, dass wir das in den nächsten Jahren auch hinkriegen.

Woran würden Sie nur allzu gern glauben?

Yogeshwar: (lacht) Ich würde allzu gerne daran glauben, dass dieses Leben am Ende auch einen nachhaltigen Sinn hat. Da würde ich gerne dran glauben, aber als eher säkularer Mensch gehöre ich zu denen, die sagen: Nein, versuche es anders zu beantworten. Ich beneide Menschen, die glauben. Ich kann es nicht. Aber es gibt gute Alternativen dazu - und das meine ich sehr nett und nicht dogmatisch.

Das Gespräch führte Andrea Schwyzer.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassik à la carte | 12.06.2017 | 13:00 Uhr