Stand: 02.11.2015 16:41 Uhr  | Archiv

Kaminöfen: Wohlige Wärme mit Nebenwirkung

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In immer mehr Wohnzimmern stehen Kaminöfen.

Ein knisterndes Feuer, behagliche Wärme und außerdem die Umwelt schützen. Diesen Traum von einer warmen Wohnung per Kaminofen wollen sich immer mehr Deutsche erfüllen. Doch der massenhafte Gebrauch von Holzöfen sorgt inzwischen für ernste Umweltprobleme. Zwar entsteht bei einem Holzfeuer nur so viel des Klimakiller-Gases CO2 wie beim Wachstum der Bäume aus der Luft entnommen wurde. Doch gleichzeitig strömen verschiedene andere Schadstoffe durch den Schornstein.

Mehr Feinstaub als aus allen Autos

Zum größten Feind gesunder Luft hat sich Feinstaub entwickelt. Die winzigen Teilchen, kleiner als Zehn-Millionstel Meter, dringen über die Atemwege bis in das Blut des Menschen vor. Seit vielen Jahren sorgen immer strengere Richtlinien für Autos und Industrieanlagen dafür, dass der Feinstaubgehalt in der Luft sinkt.

Doch die Vielzahl der Kamine und Kaminöfen hat das Problem neu angeheizt. Inzwischen kommt aus den rund 15 Millionen Kaminöfen in deutschen Wohnungen mehr Feinstaub als der gesamte Autoverkehr erzeugt. Kohlekraftwerke verteilen mit rund 2.500 Tonnen pro Jahr nur ein Zehntel der Menge Feinstaub, die aus privaten Öfen qualmt, so eine Studie des Leibniz Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig. Während die Abgase aus Großanlagen aufwendig gefiltert werden, blasen die Millionen kleiner Öfen Schadstoffe pur in die Luft.

Pellets und moderne Öfen schonen die Umwelt

Richtig anheizen

Experten raten, beim Anheizen von Öfen zu diesem Vorgehen: Zunächst grobe Holzstücke in den Brennraum legen, darauf kleineres "Anmachholz" mit Anzündern dazwischen. So werden Brennraum und Schornstein schnell erwärmt und der Ofen zieht gut. Wichtig ist auch ausreichende Luftzufuhr.

Deutlich besser schneiden Pellet-Heizungen ab, die stark gepresste Holzstückchen gleichmäßig verbrennen und sich gut regeln lassen. Am anderen Ende der Schadstoffbilanz stehen alte Öfen oder Kamine, die nicht dauerhaft, sondern immer nur zeitweise angeheizt werden. Gerade dabei entstehen viel Qualm und Schadstoffe. Die Oldtimer geben außerdem weniger Wärme an den Wohnraum ab als moderne Kaminöfen.

Holz muss lange trocknen

Um den Feinstaub zu reduzieren, sollten Ofenbesitzer nur gut getrocknetes Holz verheizen. Mindestens zwei Jahre dauert es, bis frisch geschlagenes Holz bei richtiger Lagerung durchtrocknet. Aufgrund der hohen Nachfrage wird Brennholz jedoch teilweise in Hallen getrocknet, die mit fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl beheizt werden. Für die Umweltbilanz des Holzes ist das ebenso negativ wie lange Transportwege. Käufer sollten daher genau nachfragen, woher das Holz stammt und wie es getrocknet wurde.

Auf keinen Fall dürfen Abfälle in Öfen verbrannt werden oder Hölzer, die mit Schadstoffen wie Lacken belastet sind.

Beim Ofenkauf auf das Umweltsiegel achten

Der Umweltschutz beginnt schon beim Kauf eines Ofens. Manche Produkte tragen das Siegel "Blauer Engel" und erfüllen damit strenge Anforderungen an Wirkungsgrad und Emmissionen. Gesetzlich ist der Schadstoffausstoß in der Verordnung zum Bundes-Immissionschutzgesetz (1. BImSchV) für sogenannte Kleinfeuerungsanlagen geregelt. Die aktuelle Fassung stammt von 2010. Für Anlagen die seit 2015 errichtet wurden, sind darin um fast 50 Prozent niedrigere Schadstoffmengen vorgesehen. Ein Ratgeber des Umweltbundesamtes informiert über die Vorschriften.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info / 07.01.2014 / 08:40 Uhr

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