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Heizen mit Holz: Alternative zu Öl und Gas?

Stand: 13.09.2022 10:43 Uhr

Heizen mit Holz ist umstritten, denn wie bei Öl und Gas setzt die Verbrennung CO2 frei und es entsteht schädlicher Feinstaub. Wer sich dennoch für Kamin oder Pelletheizung entscheidet, sollte einiges beachten.

Lange Zeit galt Holz als gute Alternative zu fossilen Brennstoffen. Da bei der Verbrennung nur die Menge Kohlendioxid freigesetzt wird, die zuvor im Baum gespeichert war und durch Neupflanzungen mittelfristig wieder gebunden wird, bewertete man Holz als weitgehend klimaneutral. Mittlerweile hat sich die Sicht geändert. Das hat mehrere Gründe: So kommen zur Gesamtklimabilanz des Holzes noch die Emissionen hinzu, die bei Holzernte, Transport und Bearbeitung entstehen. Zugleich dauert es Jahrzehnte, bis das bei der Verbrennung freigesetzte Kohlendioxid durch nachwachsende Bäume wieder aus der Atmosphäre verschwunden ist.

Weitere Minuspunkte: Bei der Verbrennung von Holz entstehen teilweise besonders klimaschädliche Gase wie Methan, außerdem gesundheitsgefährdender Feinstaub. Das Umweltbundesamt rät aus diesen Gründen mittlerweile vom Heizen mit Holz ab, und zwar sowohl von Kaminen als auch von Pelletheizungen.

Kaminöfen umrüsten oder austauschen

Kaminöfen schneiden bei der Umweltbilanz häufig schlecht ab. Ältere Modelle sind wahre Feinstaubschleudern. Zwar ist gesetzlich geregelt, wie viele Schadstoffe Kamine abgeben dürfen. Für ältere Öfen, die vor 2010 gebaut wurden, gelten allerdings höhere Grenzwerte als für neue. Wer noch einen alten Ofen besitzt, dessen Zulassung laut Typenschild vor 1994 erfolgt ist, muss diesen seit 2021 mit einem Filter nachrüsten oder darf ihn nicht mehr betreiben. Bis Ende 2024 müssen auch Öfen, die bis 2010 gebaut wurden, entsprechend nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, etwa für "historische Öfen" (vor 1950), Öfen, die die einzige Heizmöglichkeit in einer Wohnung sind sowie für offene Kamine. Ein Ratgeber des Umweltbundesamtes informiert detailliert über die Vorschriften.

Übrigens ist gesetzlich vorgeschrieben, dass offene Kamine - also solche ohne Glastür oder Glasscheibe - nur gelegentlich betrieben werden dürfen. Sie sind also keinesfalls eine Alternative, um etwa dauerhaft die Heizung abzustellen, um Öl oder Gas zu sparen.

Auf Zertifizierung beim Brennholz achten

Wer auf die gemütliche Wärme eines Kamins trotzdem nicht verzichten möchte, sollte auf die Herkunft des Brennholzes achten. So stammt Holz aus osteuropäischen Ländern häufig aus Wäldern, die teilweise rücksichtslos gerodet werden. Orientierung beim Kauf geben das Naturland- sowie das FSC-Siegel, beides Gütesiegel für nachhaltige Forstwirtschaft. Allerdings gibt es auch am FSC-Siegel Kritik. Als nicht empfehlenswert stuft der NABU das PEFC-Siegel für Holzprodukte ein.

Nur gut getrocknetes Holz verwenden

Eine Frau legt einen Holzscheit in einen Kaminofen nach. © picture alliance Foto: Thomas Trutschel
Beim Nachlegen des Kaminholzes sollte man die Tür nur langsam öffnen, damit keine Schadstoffe in den Wohnraum gelangen.

Wichtig ist zudem, dass das Brennholz gut getrocknet ist, denn je feuchter das Holz, desto mehr Feinstaub entsteht. Mindestens zwei Jahre dauert es, bis frisch geschlagenes Holz bei richtiger Lagerung durchtrocknet. Mit einfachen Feuchtigkeits-Messgeräten, die bereits ab 20 Euro etwa in Baumärkten erhältlich sind, lässt sich die Restfeuchte messen. Übrigens: Brennholz im Handel wird teilweise in Hallen getrocknet, die mit fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl beheizt werden - schlecht für die Umweltbilanz des Holzes. Käufer sollten daher genau nachfragen, woher das Holz stammt und wie es getrocknet wurde.

Holz im Kamin richtig schichten und anzünden

Damit ein Kamin möglichst gut heizt, muss das Holz richtig geschichtet werden. Die größten Scheite immer nach unten legen, die kleinsten nach oben. Die Abstände zwischen den einzelnen Scheiten sollten nicht zu groß sein und die Rinde nach außen oder unten zeigen. Legt man Holz in einem brennenden Ofen nach, ist es wichtig, die Tür langsam und zunächst nur einen Spalt zu öffnen. Sonst funktionieren die Abzugssysteme moderner Öfen nicht und Schadstoffe gelangen ins Zimmer.

Zum Anzünden nie Zeitungspapier verwenden, da die Druckerschwärze Schadstoffe enthält. Experten raten, zunächst grobe Holzstücke in den Brennraum zu legen, darauf kleineres "Anmachholz" und Anzünder zu verteilen. Wichtig ist zudem eine ausreichende Luftzufuhr.

Kaminofen einbauen - das ist zu beachten

Vor dem Einbau eines neuen Kaminofens sollte zunächst der Schornsteinfeger prüfen, ob der Schlot frei und groß genug für den Betrieb ist. Der Einbau kann dann durch einen Fachbetrieb erfolgen. Bei der Auswahl sollte man auf das Energielabel, über das alle neuen Kamin- und Kachelöfen verfügen müssen, achten.

Pelletheizungen: Ältere Modelle austauschen oder ersetzen

Zwar wird der Einbau von Pelletheizungen noch gefördert. Wer sein ganzes Haus mit Holz heizen möchte, sollte trotzdem zunächst abwägen, ob es aus Umweltgründen nicht sinnvoller ist, komplett auf eine brennstofffreie Technik etwa mit einer Wärmepumpe zu setzen. Das gilt insbesondere für Neubauten. Bei Bestandsbauten, die mit Holz beheizt werden, kann eine moderne Pelletheizung sinnvoll sein. Es empfiehlt sich aber, diese durch Techniken wie Solarthermie zu ergänzen.

Ein Mitarbeiter hält in der Produktion bei German Pellets in Wismar Holzpellets in den Händen. © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner
Pellets werden aus Holzresten zu Stäbchen gepresst. Bei der Qualität gibt es teils deutliche Unterschiede.

Ältere Pelletheizungen (Einbau vor 2010) sollten zudem in den nächsten Jahren gegen ein neueres Modell ausgetauscht werden, denn mittlerweile gelten bezüglich des Feinstaub-Ausstoßes und der CO2-Emissionen deutlich strengere Vorschriften. Neuere Modelle sind umweltschonender und effektiver, verbrauchen also weniger Holz. Da die Preise für Pellets in den letzten Monaten stark gestiegen sind, könnte sich der Einbau eines sparsameren Modells mittelfristig auch finanziell auszahlen.

Pellets kaufen: Auf Zertifizierung achten

Beim Kauf der Pellets empfiehlt es sich, auf Produkte mit dem Blauen Engel oder ebenfalls mit einer FSC- oder Naturland-Zertifizierung zurückzugreifen. Verbraucher sollten zudem auf die Zertifizierung DIN plus oder EN plus achten. Diese Normen sichern die Qualität der Pellets, etwa hinsichtlich des maximalen Aschegehalts. Die Pellets am besten bei Lieferanten in der Region bestellen, denn auch der Transport verbraucht Kraftstoff.

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Holzpellets, die teilweise brennen. © Colourbox

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 18.07.2022 | 19:30 Uhr

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