Ein Blumengesteck auf einem Holzsarg © Mary Stark / fotolia Foto: Mary Stark

Was ist zu tun, wenn Angehörige sterben?

Stand: 10.01.2022 09:14 Uhr

Nach dem Tod eines Menschen trifft zunächst eine tiefe Trauer die Hinterbliebenen. Angehörige müssen nun aber auch viele Entscheidungen treffen. Wer muss informiert werden? Wie wird die Beerdigung organisiert?

In Deutschland sterben jährlich etwas mehr als 900.000 Menschen. Eine hohe Zahl, doch statistisch gesehen hat man im eigenen Umfeld eher selten mit dem Tod zu tun, nämlich nur etwa alle 18 Jahre. Sich jedoch auch vor einem Todesfall mit dem Ende auseinanderzusetzen, ist ratsam. Denn wer sich um die Bestattung eines Angehörigen kümmern muss, wird eventuell mit überraschend vielen Fragen konfrontiert.

Direkt nach dem Tod: Arzt oder Ärztin verständigen

Sterben Angehörige zu Hause, muss ein Arzt oder eine Ärztin benachrichtigt werden, um die Leichenschau durchführen zu können. Danach wird der Totenschein ausgestellt. Dieser ermöglicht es dem Bestattungsunternehmen, die weiteren Schritte zu unternehmen. Das Bestattungsunternehmen kann parallel oder direkt nach der Totenschau informiert werden. Wichtig: Gibt es einen Vorvertrag mit einem bestimmten Unternehmen? Lebt ein Mensch zum Zeitpunkt seines Todes im Seniorenwohnheim oder befindet sich im Krankenhaus, kümmert sich das Personal um die ersten Schritte.

Die Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur rät außerdem zu folgenden Schritten:

  • Mögliche Verfügungen des Verstorbenen zusammenstellen (Organspende, Willenserklärung zur Bestattung, Vorsorgevertrag mit Bestattungsunternehmen).
  • Nahe Angehörige benachrichtigen und die weitere Vorgehensweise absprechen.
  • Unterlagen des Verstorbenen zusammenstellen: Personalausweis/Reisepass, Stammbuch (Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Scheidungsurteil, Sterbeurkunde des Ehepartners), Krankenversichertenkarte, Rentennummer, Dokumente über eventuell vorhandene Grabstelle
  • Mit dem Bestattungsunternehmen den Auftrag besprechen und klären, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen möchten.
  • Arbeitgeber des Verstorbenen informieren.

Wie lange dürfen Tote zu Hause bleiben?

Nach den verschiedenen Länder-Bestattungsgesetzen bleiben der Familie in der Regel 36 Stunden Zeit, um ein Unternehmen mit dem Transport des oder der Toten in eine Leichenhalle zu beauftragen (Ausnahmen: in Brandenburg und Sachsen 24, in Thüringen 48 Stunden).

Zu Lebzeiten über Wünsche für Bestattung sprechen

Da sich fast jeder einmal um eine Beerdigung oder Urnenbeisetzung kümmern muss, ist es sinnvoll und hilfreich, sich im Vorwege mit den Aufgaben zu beschäftigen. Behutsam zur Sprache gebracht, kann man auch mit den Eltern über das Thema reden und sie nach ihren Wünschen fragen. Dabei hilft es, auch über die eigenen Vorstellungen zu sprechen. Angehörige und Freunde sollten über den Todesfall informiert werden. Eine Benachrichtigungsliste, die der Verstorbene selbst noch vor seinem Tod zusammengestellt hat, ist dabei eine große Hilfe.

Soll es eine Erd- oder Feuerbestattung sein? Welche Art von Urnengrab: In einem anonymen Hain auf dem Friedhof, in einem Friedwald, in einer Urnenwand oder auf See? Wie soll die Trauerfeier organisiert sein? Bis zum endgültigen Abschied ist eine Menge zu entscheiden. Persönliche Wünsche, die zu Lebzeiten aufgeschrieben oder benannt wurden, können dabei sehr hilfreich sein.

Die wichtigsten Dokumente: Sterbeurkunde und Erbschein

Für die Regelung der anstehenden Formalitäten sind zwei Dokumente wichtig: die Sterbeurkunde und der Erbschein. Die Sterbeurkunde stellt das Standesamt aus. Da später in einigen Fällen Original-Dokumente gebraucht werden, zum Beispiel bei Vertragskündigungen, sollten gleich mehrere Ausführungen in Auftrag gegeben werden. Die Gebühren sind je nach Bundesland und Gemeinde unterschiedlich.

Erbschein beim Amtsgericht beantragen

Im Falle einer Erbschaft dient der Erbschein dazu, sich gegenüber Dritten zweifelsfrei als Erbe zu legitimieren. Er ermöglicht zum Beispiel den Zugang zu den Konten des Verstorbenen oder die Überschreibung einer Immobilie auf den eigenen Namen. Beantragt wird das Schriftstück beim Nachlassgericht des zuständigen Amtsgerichts.

Die Kosten dafür ergeben sich aus der Höhe des anfallenden Erbes. Eventuell kann ein notarielles Testament den Erbschein ersetzen. Das spart eine Menge Kosten, aber ein Testament wird nicht immer anerkannt.

Verträge und Mitgliedschaften kündigen

Nach dem Tod eines Angehörigen muss dessen Zahlungsverkehr gestoppt und verschiedene Verträge gekündigt werden. Dazu zählen:

  • Mietverträge
  • Versicherungen
  • Mitgliedschaften in Vereinen
  • Abonnements von Zeitungen oder Zeitschriften
Verschiedene Unternehmen wie Versicherungen, Stromversorger, Telefonanbieter müssen schriftlich über den Tod ihres Kunden unterrichtet werden, um die jeweiligen Verträge zu kündigen. Dafür ist in einigen Fällen eine Kopie, manchmal aber auch eine Original-Sterbeurkunde erforderlich. Hilfreich für die Kündigung von Daueraufträgen ist ein Blick auf die Kontoauszüge des Verstorbenen.

Was passiert mit Social-Media-Accounts nach dem Tod?

Auch um den "digitalen Nachlass" sollten sich die Hinterbliebenen kümmern. Das betrifft zum Beispiel Social-Media-Accounts von Facebook, Instagram oder Twitter. Denn die Profile mit den persönlichen Daten und allen Fotos sowie Videos bestehen dort erst einmal fort.

Wenn die Zugangsdaten nicht bekannt sind, mit deren Hilfe sich ein digitales Profil einfach selbst löschen lassen könnte, ist auch hier ein Brief oder eine E-Mail samt einer Kopie der Sterbeurkunde der richtige Weg. Die Abwicklung von Todesfällen wird äußerst unterschiedlich gehandhabt.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät dazu, sich auch hier bereits zu Lebzeiten Gedanken zu machen. Im besten Fall benennt man eine Person, die sich um den digitalen Nachlass kümmert und im Falles des Todes auf die wichtigsten Zugangsdaten Zugriff hat.

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Dieses Thema im Programm:

Die Tricks | 10.01.2022 | 21:00 Uhr

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