Stand: 20.03.2018 15:16 Uhr

Spannende Fakten über das Phänomen Stau

"Stauwochenende erwartet", "Mehr als 100 Kilometer Stau im Norden": Alljährlich zur Ferienzeit begegnen uns die gleichen Schlagzeilen - und man hat das Gefühl, es wird immer schlimmer. Doch stehen wir wirklich immer häufiger und länger im Stau? Wie entstehen Staus? Und wie verhalten sich Verkehrsteilnehmer richtig?

Tim Berendonk © NDR

Wie entstehen Staus?

Wie entstehen Staus? Nehmen die Staus zu und wie verhalten sich Verkehrsteilnehmer richtig, wenn nichts mehr voran geht? Tim Berendonk mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Stau.

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Staus entstehen oft ohne besonderen Grund

Die einfachste Erklärung für einen Stau ist ein Unfall oder eine Baustelle. Dabei fahren die Autos langsamer oder bleiben stehen. Zwei Drittel aller Staus treten allerdings ohne besonderen Grund auf, wenn viel Verkehr herrscht. Ein leichtes Abbremsen eines Fahrzeugs reicht, das zwingt den nachfolgenden Fahrer, etwas stärker zu bremsen - und der übernächste muss noch ein bisschen stärker auf die Bremse treten. Auf diese Weise entsteht eine sogenannte Stauwelle, die sich nach hinten fortsetzt. Auslöser für diese Staus können auch häufige Spurwechsel oder zu dichtes Auffahren sein. Denn dadurch werden die dahinter fahrenden Verkehrsteilnehmer zum Abbremsen gezwungen - mit dem bereits beschriebenen Effekt, dass die folgenden Autofahrer noch ein bisschen stärker bremsen müssen. Einen solchen Stau aus dem Nichts bezeichnen Experten als Phantom-Stau.

Viele Staus wären vermeidbar

"An vielen Staus sind wir selbst schuld", sagt Michael Schreckenberg, einer der renommiertesten Verkehrsforscher Deutschlands. Ihm zufolge wären 10 bis 20 Prozent der Staus vermeidbar - jedoch hapere es an Kooperationsbereitschaft, menschlichem Reaktionsvermögen und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Stauforschern zufolge fließt der Verkehr bei einem Tempo von 85 Kilometern pro Stunde am flüssigsten.

Wir stehen immer länger im Stau

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Dem ADAC zufolge standen die Verkehrsteilnehmer in Deutschland 2017 insgesamt 457.000 Stunden im Stau.

Für das Jahr 2017 verzeichnete der ADAC 723.000 Staus, das entspricht einem Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Würde man diese Staus aneinanderreihen, wäre die Blechschlange 1.448.000 Kilometer lang. Im Schnitt bildete sich den Verkehrswissenschaftlern des ADAC zufolge jeden Tag eine Blechlawine von knapp 4.000 Kilometern.

Mehr Verkehr und Baustellen sorgen für mehr Stau

Der ADAC führt dies auf eine generelle Zunahme bei den Autofahrten sowie die Baustellensituation auf Deutschlands Straßen zurück. Tatsächlich steigt das Verkehrsaufkommen stetig an. 46 Millionen Fahrzeuge sind hierzulande zugelassen - der Schwerlastverkehr noch nicht mitgerechnet. Immer mehr Leute pendeln mit dem Pkw zwischen ihrer Arbeit und ihrem Zuhause. Das Auto ist für viele Menschen alternativlos, weil sie mit Bahn und Bus länger brauchen würden oder zeitlich zu unflexibel wären.

Lkw-Verkehr verstopft die Straßen

Seit 1990 hat sich der Lkw-Verkehr fast verdoppelt, und er soll in den nächsten zehn Jahren noch einmal um knapp 40 Prozent ansteigen. Deutschland ist Transitland Nummer eins in Europa, der Zulieferverkehr der deutschen Seehäfen verstopft zusätzlich die Straßen. Und auch unser Konsumverhalten ist schuld: Je mehr online bestellt wird, desto mehr Waren kommen auf die Straße. Besonders bedenklich daran ist, dass ein voll beladener 40-Tonner die Straße so stark abnutzt wie 60.000 Pkw. Das bleibt nicht ohne Folgen: Der Asphalt ist vielerorts marode und rissig. Auch deshalb gibt es rund 1.000 Dauerbaustellen in Deutschland pro Jahr. Nach Angaben des ADAC konnten von den 2.200 Kilometern Autobahn, die bis 2015 hätten ausgebaut werden sollen, bislang nur etwas mehr als die die Hälfte realisiert werden.

WissensCheck: Wissensrubrik auf tagesschau24

WissensCheck - das ist die Wissensrubrik auf tagesschau24. Tim Berendonk präsentiert alle 14 Tage dienstags ein aktuelles Thema aus Wissenschaft und Forschung. Die Folgen laufen um 9.20 Uhr, um 10.20 Uhr und stündlich zwischen 10.50 und 18.50 Uhr.

Stau macht krank

Stau kann krank machen: Laut einer Studie erhöht sich der Stresspegel im Stau um bis zu 60 Prozent. Hektischer Aktionismus nützt jedoch gar nichts. Auch wenn das schwer zu ertragen ist: Im Schnitt verlieren die Fahrer am wenigsten Zeit, die auf ihrem Weg bleiben und nicht aufs Navigationsgerät hören. Umfahrungen bringen wenig, außer bei einer Vollsperrung.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 20.03.2018 | 09:20 Uhr

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