Stand: 17.08.2016 05:00 Uhr  | Archiv

Chef-Anruf im Urlaub - darf der das?

Frau telefoniert am Strand mit dem Handy © dpa
Dienstliche Telefonate im Urlaub? Viele Arbeitnehmer werden auch im Urlaub von Ihren Vorgesetzten angerufen.

Endlich Urlaub und raus aus dem Arbeitsalltag. Die freie Zeit für Privates nutzen, vielleicht mit der Familie verreisen, Sonne und Strand genießen und dann: Das Handy klingelt und der Chef ist dran. Wie soll man als Arbeitnehmer reagieren? Muss man ans Telefon gehen oder kann der Anruf einfach ignoriert werden? Viele Menschen sind unsicher, was sie machen sollen - auch wenn das Telefon zum Beispiel nach Feierabend klingelt.

Was darf der Chef während der Freizeit von Arbeitnehmern verlangen?

Ein dienstlicher Anruf ist nur in absoluten Notfällen erlaubt. Denn Feierabend und Urlaub sind per Gesetz geschützt. So müssen zwischen Dienstende und Arbeitsbeginn laut Arbeitszeitgesetz (ArbZG §5) mindestens elf Stunden ohne Störung zur Erholung gewährleistet sein. Ist das nicht der Fall, begeht der Arbeitgeber eine Ordnungswidrigkeit. Bis 15.000 Euro Geldbuße könnten die Folge sein. Ausnahmen gelten für Gastronomie, Landwirtschaft und andere Bereiche. Davon abgesehen kann der Chef Sondervereinbarungen schließen, zum Beispiel eine Art erhöhte Aufmerksamkeit einführen. Tätigkeiten nach Feierabend - wie E-Mails checken und Anrufe annehmen - müssen dann aber auch genau geregelt sein. Streng genommen werden diese kurzen Aufgaben der Arbeitszeit angerechnet. Aber der Aufwand muss dann schon erheblich sein.

Was darf der Chef nicht?

Die private Handynummer muss einem Vorgesetzten nicht mitgeteilt werden. Es gibt nämlich keine gesetzliche Verpflichtung dafür. Auch darf er nicht verlangen, im Urlaub Anrufe und Nachrichten entgegenzunehmen - auch das Diensthandy kann ignoriert werden. Denn wer sich im genehmigten Urlaub befindet, darf nicht zu Arbeiten verpflichtet werden, so ist es im Bundesurlaubsgesetz (BurlG) geregelt. Ist der Urlaubsantrag bewilligt, darf der Chef es sich nicht mehr anders überlegen. Bis zur Genehmigung allerdings schon. Übrigens stehen Vollzeitbeschäftigten mindestens 24 Urlaubstage zu. Allerdings wird der Sonnabend als Werktag mitgerechnet.

Welche Ausnahmen gibt es?

Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft. Beim Bereitschaftsdienst kann der Ort vorgeschrieben werden, an dem auf einen Einsatz gewartet wird. Das kann im Unternehmen, aber auch zu Hause sein. Warte- und Arbeitszeit müssen komplett bezahlt werden. Anders bei der Rufbereitschaft: Der Arbeitnehmer kann sich an einem Ort seiner Wahl aufhalten. Im Falle eines Anrufs muss er allerdings zur Arbeit fahren. In diesem Fall wird nur der Einsatz bezahlt. Genaueres ist in Arbeits- und Tarifverträgen geregelt.

Wie kann ich mich im Urlaub vor Arbeit schützen?

Wichtige Aufgaben sollten rechtzeitig an arbeitende Kollegen übergeben werden. Eventuell können im Unternehmen auch automatische E-Mail-Weiterleitungen eingerichtet werden. Es sollte auch geklärt werden, welche Situation einen Notfall darstellen. Kollegen sollten vor dem Griff zum Telefon überlegen, wer vielleicht noch bei der Problemlösung helfen könnte. Auch wenn vielen der Schritt schwer fällt, ist er oft der einfachste: Handy ausschalten und ignorieren, dann kann es auch mit der Erholung im Urlaub klappen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Frühaufsteher | 22.07.2019 | 05:00 Uhr

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