ARD Radiofestival 2019

Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker

Freitag, 23. August 2019, 20:00 bis 22:30 Uhr

Von Maria Ossowski

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Kirill Petrenko bereitet sich akribisch auf seine Konzerte vor.

Freude schöner Götterfunken. Kirill Petrenko hat zum Auftakt seiner ersten Saison als Chef der Berliner Philharmoniker und zu Ehren von Beethovens 250. Geburtstag dessen berühmteste Sinfonie gewählt: "Ich habe mir immer vorgestellt, wenn man eine Botschaft an die fernen Planeten senden würde und man würde darin unsere Menschheit als Individuen und als Gesellschaft - die Gesellschaft mit all unseren positiven wie negativen, mit allen fantastischen Kultureinrichtungen und auch den schrecklichen Dingen, die wir gemacht haben in der Vergangenheit - wenn man das alles beschreiben müsste, könnte man nirgendwo eine bessere Beschreibung finden, als in Beethovens 9. Sinfonie."

Die Neunte von Beethoven ist auch eine Hommage an frühere Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Das Chorfinale klingt immer anders. Bei Wilhelm Furtwängler pompöser, bei Herbert von Karajan heller und bei Claudio Abbado tänzerischer. Hat Kirill Petrenko einen Lieblingsvorgänger? "Bei jedem klang das Orchester anders - und so soll es auch sein. Und deswegen kann ich von jedem sehr viel abgewinnen, möchte aber meinen eigenen Klang, meine eigene philharmonische Welt kreieren.“

Friede, Freude, Freiheit immer aktuell

Die Neunte soll auch ein Ausdruck des menschlichen Miteinanders über Grenzen hinweg sein. Beethoven, Schubert, Brahms, dort wird ein Schwerpunkt der kommenden Jahre liegen: "Mein Anliegen wäre, mit diesen unterschiedlichen Musikern, mit ihren unterschiedlichen Traditionen in ihren Heimatländern zusammen zu kommen in diesem Repertoire, was ich als Urrepertoire der Berliner Philharmoniker bezeichnen würde, dieses deutsch-österreichische, klassisch-romantische Repertoire."

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In Baden Baden und Berlin wird Petrenko auch Beethovens "Fidelio" dirigieren, am Festspielhaus zusätzlich die "Missa Solemnis", die später einmal in Berlin erklingen soll: "Mit diesen drei Fs: in Beethovens Neunter geht es um Freude, in 'Fidelio' um Freiheit, in 'Missa Solemnis' um Frieden. Ich vermute, jeder pflichtet mir bei, dass diese drei Begriffe heute enorm an Aktualität gewonnen haben, wenn man zur Zeit sieht, was in Europa passiert. Das erfüllt uns alle wirklich mit Sorge. Man hat das Gefühl, dass man für diese lang etablierten Begriffe heute wirklich wieder kämpfen muss. Das hat Beethoven wie kein anderer dargestellt."

Akribische Vorbereitung bei Petrenko

Der 47-Jährige Dirigent aus Omsk, der in Meiningen, an der Komischen Oper und in München Triumphe feierte, bereitet sich akribisch auf jedes Konzert vor. Keine Interviews, nur die Partitur zählt, die Probe und das Konzert: "Also ein bisschen Angst ist immer dabei. Dieses Orchester hat eine Energiequelle in sich, die unbeschreiblich ist. Ich als Dirigent muss mit dieser Energiequelle richtig umgehen lernen. Vor jedem Konzert habe ich den Wunsch, mit dem Orchester auf den Wolken zu fliegen, weil ich spüre, was für ein Potenzial da drin ist. Und ich muss nur die Wege finden, dieses Potenzial voll auszuschöpfen."

Die kommende Saison ist die letzte, in der Petrenko noch hin und her reisen muss, zwischen Bayern und der Hauptstadt. "Diese Spielzeit muss ich meine Zeit noch aufteilen. Das Eine endet und das Andere fängt an. Ich finde das eine sehr zufriedenstellende Situation und ich freue mich sehr darauf."

Das Programm:

Rundfunkchor Berlin
Berliner Philharmoniker
Ltg.: Kirill Petrenko
Alban Berg: Lulu-Suite
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
Um eine Stunde zeitversetzte Übertragung des RBB aus der Philharmonie

anschließend:
Young Euro Classic 2019
Bundesjugendorchester
Ltg.: Alexander Shelley
Werke von George Gershwin
Aufzeichnung des RBB vom 3. August im Konzerthaus Berlin

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