Opernkonzert

Benjamin Britten: Death in Venice

Samstag, 13. Juni 2020, 20:30 bis 23:00 Uhr

Der innere Kampf zwischen Ordnung, Regeln und formaler Strenge auf der einen Seite und Impulsivität, Begehren und Freiheit auf der anderen Seite - eine spannungsvolle Dynamik, mit der der Komponist Benjamin Britten sich zeitlebens auseinandergesetzt hat. Im "Tod in Venedig" von Thomas Mann fand er einen Stoff, der diese Thematik aufgreift, die Grundlage für Brittens letzte Oper "Death in Venice", uraufgeführt 1973.

Aschenbach ist fasziniert von dem jungen Tadzio

Ein junger Mann sitzt auf der Bühne, ein älterer Mann, ebenfalls auf dem Boden, schaut ihn sehnsüchtig an. © Catherine Ashmore/ROH Foto: Catherine Ashmore
Leo Dixon als Tadzio und Mark Padmore als Aschenbach in "Death in Venice" in London.

In Venedig begegnet der Protagonist Aschenbach, ein alternder ausgebrannter Schriftsteller, dem jungen Tadzio und erkennt, wie sehr er sich zu ihm hingezogen fühlt. Auch im Angesicht des Todes in der verseuchten Lagunenstadt kann er sich der Faszination Tadzios nicht entziehen.

Apollinische und dionysische Charakterseiten im Widerstreit

In dieser Aufführug aus dem Royal Opera House in London singt Mark Padmore den Aschenbach:

Der Junge steht für vieles. Aber ich glaube, für Thomas Mann und Benjamin Britten ist er die Verkörperung der Schönheit. Es ist in vielerlei Hinsicht ein philosophisches Stück über die Frage, was Schönheit bewirken kann. Aber es beleuchtet auch die verschiedenen Seiten der Charaktere, die dionysische und die apollinische Seite. Einerseits hat man diese fast chaotische, unbändige  Leidenschaft. Und auf der anderen Seite den Wunsch nach Form, Schönheit und Stil. Und der Junge ist ohne es zu wissen eine Art Katalysator dafür, was sich in Aschenbachs Kopf abspielt. Mark Padmore über den "Tod in Venedig"

Wandelbarer Richard Farnes

Am Pult steht in dieser Aufnahme vom Dezember 2019 Richard Farnes. An der Seite von Mark Padmore ist unter anderem Gerald Finley zu erleben. Er verkörpert gleich sieben Rollen:

Zwei Männer in Mänteln und Hüten, der Linke auf einen Stock gestützt: Gerald Finley in der Rolle des Reisenden und Mark Padmore als Aschenbach in "Death in Venice" auf der Bühne des Royal Opera House' London. © Catherine Ashmore/ROH Foto: Catherine Ashmore
Gerald Finley, links im Bild als der Reisende, und Mark Padmore als Aschenbach im "Death in Venice" in London.

"Brittens Musik ist so klar. Jedem der sieben Charaktere hat er eine ganz wunderbare musikalische Sprache gegeben. Es geht also darum, wirklich das zu tun, was in der Partitur steht. Und diesen musikalischen Impulsen zu folgen, um zum Kern der Charaktere vorzustoßen. Der Gondoliere ist sehr brummig, der ältliche Geck völlig übertrieben, der Hotelmanager ist großspurig und imposant - und das hört man alles in der Musik. Das ist wunderbar."

"Death in Venice" aus dem Royal Opera House

In dieser Sendung erklingt die Aufzeichnung aus dem Royal Opera House London vom 06. Dezember 2019.

Eine Sendung von Friederike Westerhaus.

Weitere Informationen
Szene aus "Hoffmanns Erzählungen" © Vincent Leifer

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