Stand: 09.02.2017 20:48 Uhr

Zwischenstopp der "A" bringt dem Eigner Millionen

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Die "A" lag mehrere Tage vor Kristiansand in Norwegen.

Fünf Jahre lang wurde an der größten Segeljacht der Welt in Kiel gearbeitet. Am Sonntag hat die "A" den Hafen verlassen. Auf ihrem Weg ins Mittelmeer machte die Crew einen zweitägigen Stopp in Norwegen. Der Halt bei Nebel und Schnee im Hafen von Kristiansand war aber nicht zum Spaß. Er könnte dem Eigner der Mega-Jacht Millionen bringen. An Bord war ein Mitarbeiter der Hafengesellschaft, um den Besuch in Norwegen offiziell zu bestätigen. Das berichtet die norwegische Zeitung "Dagens Næringsliv" (DN). Demnach benötigt Multimilliardär Andrey Melnichenko die Unterschriften und Stempel der Norweger, um in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit zu werden.

Gilt nur für Ausländer

Fast alle Exportgüter werden nicht in Deutschland, sondern im Verwendungsland besteuert. Ansonsten könnte es zu einer Doppel-Besteuerung in zwei Ländern kommen. Nach Angaben des Finanzministeriums in Kiel müssen für eine Steuerbefreiung mehrere Kriterien erfüllt sein. Der Gegenstand muss in Deutschland nach den Wünschen des Auftraggebers hergestellt und anschließend ins EU-Ausland gebracht werden. Norwegen gehört nicht zur Europäischen Union. Außerdem muss der Abnehmer selbst Ausländer sein. "Der Lieferer stellt in diesen Fällen den Kaufpreis ohne Mehrwertsteuer in Rechnung und weist in der Rechnung auf das Vorliegen einer Ausfuhrlieferung hin", teilte der Sprecher des Finanzministeriums auf Anfrage von NDR 1 Welle Nord mit.

Für den Hersteller besteht bei der Variante allerdings die Gefahr, dass sein Kunde die erforderlichen Dokumente im Ausland nicht erhält. "Daher hat er in diesen Fällen die Möglichkeit, die Mehrwertsteuer zunächst vom Käufer zu fordern und diese dann nach Vorlage der Ausfuhrdokumente an diesen wieder zu erstatten", heißt es weiter vom Ministerium.

Nobiskrug: "Kein Kommentar"

Auf welche Variante sich die Werft Nobiskrug und Auftraggeber Melnichenko geeinigt haben, ist nicht bekannt. Die Geschäftsführung der Werft wollte sich zu steuerlichen Fragen des Verkaufs nicht äußern. "Kein Kommentar", teilte eine Sprecherin mit. Sollte Multimilliardär Melnichenko die Umsatzsteuer bereits mit dem Kauf bezahlt haben, erhält er diesen Millionen-Betrag aus Deutschland zurück. Der genaue Kaufpreis ist geheim. Nach unbestätigten Berichten sollte der russische Unternehmer etwa 400 Millionen Euro für das Schiff bezahlen - und damit etwa 76 Millionen Euro Umsatzsteuer.

Unklar ist auch, ob Melnichenko den Jacht-Neubau in einem anderen Land versteuern muss. Heimathafen ist die gut 1.200 Einwohner zählende Stadt Hamilton im Tropenparadies Bermuda. Ein Sprecher von Melnichenko teilte auf Anfrage mit, der Eigner werde alle Steuerverpflichtungen erfüllen. Nach Ansicht von Experten gibt es bei Schiffsneubauten eine Reihe von Möglichkeiten, auf legale Weise die Umsatzsteuer zu reduzieren oder ganz zu sparen.

Für viele Luxusjachten geht es nach Norwegen

Wie die norwegische Zeitung "DN" berichtet, hatten bereits zuvor viele andere Luxusjachten nach ihrer Fertigstellung in Deutschland zuerst den Hafen von Kristiansand angelaufen - obwohl weder Schiffe noch Eigner einen unmittelbaren Bezug nach Norwegen haben. Darunter ist auch die Motorjacht "A", die ebenfalls für Melnichenko in Kiel gebaut wurde. Nach Ansicht von Experten könnte der Hafen beliebt sein, weil er so dicht an Norddeutschland liegt und weil Papiere von dort möglicherweise leichter bei deutschen Behörden anerkannt werden als aus einem vermeintlichen Steuerparadies.

Auf dem Weg ins Mittelmeer

Der deutsche Staat profitiert aber trotzdem von der Entwicklung und dem Bau der Luxus-Jacht in Kiel - unter anderem über die Gewerbesteuer, die Einkommensteuer der Werftarbeiter und deren Sozialabgaben.

Die "A" hat Kristiansand inzwischen verlassen und ist auf dem Weg ins Mittelmeer. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord soll die Innenausstattung in Cartagena im Süden Spaniens fertiggestellt werden. Außerdem stehen weitere Probefahrten an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.02.2017 | 15:00 Uhr

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