Stand: 02.05.2018 05:00 Uhr

Zwei Jahre Planen für einen Monat Putzen

Von Finn Sitzenstock

Es ist vermutlich die größte Putzkolonne des Landes: In einem kaum zu überblickenden Geflecht aus Rohren, Türmen und Maschinen sind etwa 650 Frauen und Männer im Einsatz. Sie sollen die Raffinerie Heide in Hemmingstedt (Kreis Dithmarschen) wieder auf Vordermann bringen. Etwa ein Viertel des riesigen Werkes direkt an der Bundesstraße 5 und in Sichtweite der Autobahn 23 ist abgeschaltet worden, um die Produktionsanlagen zu reinigen und Teile zu ersetzen. Damit die Arbeiter überall herankommen und auch schwere Teile anheben können, sind 15 Kräne im Einsatz. "Es bleibt aber ein echter Knochenjob", sagt Karsten Beeck, der bei der Raffinerie den Bereich Special Projects leitet.

Frühjahrsputz bei der Raffinerie Heide

Schrubben bei 30 Grad

Karsten Beeck zeigt auf den riesigen Reaktor für die Energieerzeugung. Experten müssen ihn von innen reinigen und deshalb über eine Leiter in den Reaktor hineinklettern. Sie tragen Schutzanzüge, die so ähnlich aussehen wie bei Tauchern. Zur Sicherheit werden die Experten per Kamera und Funk überwacht. Unten angekommen heißt es dann Hand anlegen und mit schweren Maschinen die Innenwände reinigen - bei mehr als 30 Grad Celsius. Sobald sie die Rückstände an den Wänden entfernt haben, kann ein neuer Katalysator in den Innenraum des Reaktors eingesetzt werden. Der wurde zuvor aus den USA angeliefert.

Spezialkräfte und Teile aus der ganzen Welt

Beeck und seine Kollegen müssen vor allem die Logistik im Blick behalten. Die Vorbestellungen von Teilen könnten mitunter auch bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen, sagt er. Der Frühjahrsputz bedarf daher einer langen Planungsphase. Der Zeitraum, in dem die komplexe Reinigung dann letztendlich durchgeführt werden könnte, wäre zwar wetterbedingt sechs Monate lang, realistisch sei aber wirklich nur ein kurzer Zeitraum im Jahr. Die Raffinerie braucht nämlich Spezialkräfte aus der ganzen Welt - und die müssen erstmal Zeit haben. Neben 150 Angestellten der Raffinerie sind auch 500 Beschäftigte von externen Firmen im Einsatz - Tag und Nacht. Vor Ort ist auch der TÜV, um Inspektionen zu machen.

Ein Stillstand, der kein echter ist

Die Produktion haben sie zwar gedrosselt, aber der Betrieb soll auch während des sogenannten Stillstands weitergehen. Die Kunden bekommen weiterhin Benzin, Diesel oder Kerosin. "Das kostet natürlich", sagt Karsten Beeck. Mehrere Millionen Euro gibt die Raffinerie aus, um auf der einen Seite die Reinigung zu finanzieren, aber auch das Produktionsniveau weiter aufrecht erhalten zu können. Die Raffinerie Heide hat im vergangenen Jahr rund 4,3 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet und damit 2,1 Milliarden Euro Umsatz gemacht - erneut ein Rekordergebnis. "Wir haben eine sehr gute Auslastung unserer Anlagen gehabt", sagt Raffinerie-Chef Jürgen Wollschläger. Damit das so bleibt, wollen sie weiter investieren und die Anlagen optimieren. Die Planungen für den nächsten Stillstand laufen schon.

 

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 02.05.2018 | 09:10 Uhr

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