Ein Vermieter weist in der Nähe der Universität mit Schildern auf seine Wohnungen für Studenten hin. Die sind allerdings bereits alle belegt. © picture alliance / Wolfram Steinberg Foto: Wolfram Steinberg

Wohnungsmarkt für Studierende bleibt in SH angespannt

Stand: 04.10.2022 10:14 Uhr

Die meisten Hochschulen im Land sind schon ins Wintersemester gestartet. Aber: Einige Studierende suchen noch immer nach passenden Wohnungen. Denn die sind rar und teuer.

Die Lage sei kritisch, betont das Studentenwerk Schleswig-Holstein. Während das Studium für viele Studierende bereits begonnen hat, suchen einige von ihnen noch immer nach einer Wohnung, einem WG-Zimmer oder einem Platz in einem Wohnheim.

Studentenwerk: "Wir brauchen mehr Wohnheimplätze!"

Doch die Wartelisten für einen Platz im Studentenwohnheim seien lang, der Andrang groß, berichtet die Geschäftsführerin des Studentenwerks Schleswig-Holstein, Susann Schrader: "Wir haben im Raum Kiel im Augenblick fast 1.000 Wartende auf unseren Listen, in Lübeck haben wir fast 500 und selbst in Flensburg sind es immer noch 200, die auf unseren Listen stehen. Und wir brauchen noch mehr Wohnheimplätze. Da ist mein Appell an die Städte, dass sie uns stadtnah Gelände zur Verfügung stellen."

Miete für WG-Zimmer gestiegen

Der Platz im Wohnheim ist günstiger als in einer WG. Ein WG-Zimmer in der Landeshauptstadt kostet laut einer Studie im Schnitt 380 Euro. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr - der höchste Mietanstieg seit zehn Jahren. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass selbst Jugendherbergen nach eigenen Angaben Anfragen von Studierenden haben, die vorübergehend eine Bleibe suchen.

Doch um mehr Wohnheime zu bauen, müssten Städte günstige Grundstücke bereitstellen, betont das Studentenwerk. Das fordert vom Land auch mehr finanzielle Unterstützung, damit die Mieten für Wohnheim-Bewohner wegen der explodierenden Energiekosten nicht stark angehoben werden müssen.

Studierende ziehen zurück zu den Eltern

Viele Studierende blicken besorgt auf die steigenden Energiekosten und sparen, wo es geht. Eine Kieler Studentin sagte NDR Schleswig-Holstein, sie lasse die Heizung noch ausgeschaltet, ziehe dafür nachts zehn Kleidungsschichten an, um nicht zu frieren. Es gibt auch Studierende, die erstmal wieder zu ihren Eltern gezogen sind, weil es sonst zu teuer wäre. Und viele berichten, sie suchen jetzt nochmal verstärkt nach Nebenjobs, um Geld zu verdienen.

Hohe finanzielle Belastung auch für Auszubildende

Auch den Auszubildenden ergeht es momentan nicht viel besser. Die bekommen zwar eine Vergütung, aber die ist nicht üppig. Nach NDR Informationen erhalten Bäcker- und Bodenleger-Azubis weniger als 600 Euro, angehende Friseure noch weniger. Zu den monatlichen Ausgaben kommen in einigen Fällen auch noch weite Fahrten zu den Berufsschulen hinzu. Eine Berufsschülerin berichtete NDR Schleswig-Holstein, sie müsse zweimal die Woche von Marne nach Husum: Fast 140 Kilometer hin und zurück.

Das Problem erkennen laut Handwerkskammer Lübeck immer mehr Ausbildungsbetriebe und übernehmen die Fahrtkosten, auch um die Azubis in diesen Zeiten in der Firma zu halten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.10.2022 | 08:00 Uhr

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