Frau schaut auf Display der Abflugzeiten am Airport © colourbox

Von Berlin nach SH: Quarantäne-Regelungen für Reisende

Stand: 05.10.2020 19:58 Uhr

Vier Bezirke in Berlin sind für Schleswig-Holsteiner zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Das bringt Quarantäne-Auflagen für Reisende mit sich. Viele Menschen sind verunsichert.

Mitte, Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und jetzt auch Tempelhof-Schöneberg: Inzwischen hat Schleswig-Holstein schon vier Bezirke in Berlin als Risikogebiete im Inland ausgewiesen. Alle Besucher der Hauptstadt, die sich in diesen Stadtteilen aufgehalten haben, müssen sich nach ihrer Rückkehr in Schleswig-Holstein in Quarantäne begeben oder zwei negative Corona-Tests vorweisen. De facto bedeuten diese Corona-Regelungen in Schleswig-Holstein, dass mehr als 1,3 Millionen Berliner aus den vier betroffenen Bezirken in den Herbstferien praktisch keinen Urlaub in Schleswig-Holstein machen können. Die Hauptstadt hat insgesamt knapp 3,8 Millionen Einwohner.

Eine Reisende zieht im Hauptbahnhof in Berlin ihren Koffer hinter sich her. © dpa Foto: Marius Becker

AUDIO: Unklarheiten und Kritik an Berlin-Quarantäneregelung (1 Min)

Folgen für Tourismus noch unklar

Wie viele Berliner normalerweise in den Herbstferien Urlaub in Schleswig-Holstein machen, darüber konnte die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein am Montag keine Angaben machen. Im gesamten Jahr 2018 sei jeder zwanzigste deutsche Gast in Schleswig-Holstein aus Berlin gekommen, sagte am Montag Manuela Schütze, Sprecherin der Tourismus-Agentur. 2018 kamen 8,6 Millionen Gäste insgesamt, die Zahl der Übernachtungen betrug 34,4 Millionen. "Die aktuelle Corona-Krise fordert ständig neue Lagebewertungen durch die schleswig-holsteinische Landesregierung", sagte Schütze. "Zum Schutz aller sind auch die Regelungen für alle Einreisende ob aus innerdeutschen oder ausländischen Risikogebieten gleich. Einreisende aus Risikogebieten im Inland sind lediglich von der Testpflicht ausgenommen."

Ausnahmen für Transportunternehmen und Politiker

Es gibt Ausnahmen von der Quarantäne-Regelung - unter anderem für Firmen, die aus Schleswig-Holstein Waren in die Hauptstadt transportieren. Wenn die Mitarbeiter danach nach Schleswig-Holstein zurückfahren, müssen sie nicht in Quarantäne. Die Unternehmer verunsichere das aber, da nicht klar sei, wie lange das noch so bleibe, sagt die stellvertretende Hauptgeschäfsführerin der IHK zu Kiel, Julia Körner.

Ein junger Mann blickt durch eine Fensterscheibe nach draußen. © photocase.de Foto: klublu
Bei einem Verstoß gegen die Quarantäne-Auflagen droht ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro.

Eine solche Ausnahmeregelung gibt es nicht nur für Transportunternehmen, sondern auch für Politiker: Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete und auch Europa-Abgeordnete sind aus dem Schneider. Sie dürfen wie gewohnt zwischen Schleswig-Holstein und Berlin pendeln.

Bei Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro

Offiziell sollen schleswig-holsteinische Ordnungsbehörden die Einhaltung der Quarantäne-Regeln überwachen, wie, ist allerdings noch unklar. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, es gehe insbesondere um die Eigenverantwortung. Wer sich allerdings nicht beim Gesundheitsamt melde, wenn er aus einem der Bezirke zurück ist, riskiere ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro, sagte der Ministeriumssprecher.

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn übt Kritik

Kritik an Schleswig-Holsteins Alleingang kommt unter anderen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Es helfe auf Dauer nicht, Berlin in Bezirke zu unterteilen. Es handele sich um eine große, dynamische Stadt, so der CDU-Politiker. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die frischen Quarantäne-Regeln für Berlin ebenfalls kritisch: "Ich glaube, dass es sehr unübersichtlich wird, wohin man noch ohne eine Quarantäne-Androhung reisen darf und wohin nicht." Auch der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD-Fraktion, Ralf Stegner, übte Kritik: Er nannte die neue Quarantäne-Regelung für Berlin "Kleinstaaterei".

Neben Berlin gelten in Schleswig-Holstein die Städte Hamm und Remscheid (Nordrhein-Westfalen) als Risikogebiete im Inland.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.10.2020 | 14:00 Uhr

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