Stand: 22.11.2018 16:25 Uhr

Sig Sauer: US-Chef entgeht Haft durch Kaution

von Volkmar Kabisch und Benedikt Strunz

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat den Geschäftsführer der amerikanischen Schwester des schleswig-holsteinischen Rüstungskonzerns Sig Sauer verhaften lassen. Dem Waffenhändler wird vorgeworfen, in verantwortlicher Position Zehntausende Pistolen illegal nach Kolumbien geliefert zu haben. Inzwischen kam er auf Kaution frei.

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Sig Sauer hat seinen Firmensitz in Eckernförde.

Bei der Einreise am Flughafen Frankfurt am Main klickten die Handschellen. Ron Cohen, Chef der US-Niederlassung des ältesten deutschen Waffenkonzerns Sig Sauer, wurde verhaftet. Der 57-jährige Waffenhändler wurde aufgrund eines Haftbefehls europaweit gesucht.

Millionen-Kaution als Sicherheitsleistung

Eine Sprecherin des Landgerichts Kiel bestätigte Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", wonach der Top-Manager Mitte Oktober verhaftet und anschließend nach Kiel überstellt worden sei. Ende Oktober wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, wofür Cohen eine Kaution in Höhe von mehreren Millionen Euro als Sicherheitsleistung hinterlegte.

Das Landgericht Kiel will so verhindern, dass sich der in den USA lebende Rüstungsmanager einem Prozess gegen ihn und vier weitere Sig-Sauer-Verantwortliche entzieht. Wann und ob es zu dem Prozess kommen wird, ist weiter unklar. Derzeit ist das Hauptverfahren gegen Cohen, die beiden in Deutschland lebenden Eigentümer der Sig-Sauer-Gruppe, Michael Lüke und Thomas Ortmeier, und weitere Verantwortliche noch nicht eröffnet.

Pistolen ohne Genehmigung ins Bürgerkriegsland geliefert?

Die Staatsanwaltschaft Kiel wirft den Angeklagten vor, mehr als 30.000 Pistolen ohne entsprechende Genehmigung zunächst in die USA und von dort ins damalige Bürgerkriegsland Kolumbien geliefert zu haben. Dabei handele es sich um einen Verstoß gegen die Außenwirtschaftsverordnung, der mit Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet würde. Die Pistolen vom Typ SP 2022 werden heute von der kolumbianischen Nationalpolizei eingesetzt.

Der Anklage waren jahrelange Ermittlungen und mehrere Durchsuchungen bei Sig Sauer und in Privaträumen vorausgegangen. Im Sommer 2014 berichteten NDR, WDR und SZ darüber, dass Tausende Pistolen ohne Genehmigung nach Kolumbien gelangten.

Genehmigungen nur für Lieferungen in die USA

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Fünf Mitarbeiter von Sig Sauer angeklagt

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat gegen fünf Mitarbeiter des Eckernförder Waffenherstellers Anklage erhoben. Zudem soll das Unternehmen die Erlöse aus mutmaßlich illegalen Waffenlieferungen zurückzahlen. (12.04.2018) mehr

Die Staatsanwaltschaft Kiel nahm daraufhin Ermittlungen auf. In Zusammenarbeit mit Behörden aus den USA und Kolumbien rekonstruierten Zollfahnder dann, wie und für welche Pistolen-Lieferungen die Genehmigungsbehörden offenbar wissentlich über den wahren Bestimmungsort getäuscht worden waren. Denn genehmigt waren ausschließlich Lieferungen für den US-Markt - nicht aber für einen Weitertransport nach Kolumbien.

Cohen nimmt Schlüsselrolle bei dem Deal ein

Ron Cohen nahm bei der Lieferung als Geschäftsführer der US-Niederlassung Sig Sauer Inc. eine Schlüsselrolle ein. Denn mit dem US-Schwesterunternehmen bestand ein Vertrag des amerikanischen Militärs zur Ausrüstung der befreundeten kolumbianischen Polizei mit Sig-Sauer-Pistolen. Cohens Anwalt ließ eine kurzfristige Anfrage zum Vorgang unbeantwortet.

Ein Sprecher von Sig Sauer sagte im April diesen Jahres zur Anklage der Staatsanwaltschaft Kiel, man habe die Waffen auf Basis eines Rahmenvertrags an die US-Regierung geliefert, die wiederum mit der kolumbianischen Polizei zusammengearbeitet habe. "Nach wie vor sind wir fest davon überzeugt, dass unsere Ausfuhren in die USA stets rechtskonform erfolgten", erklärte er weiter.

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Illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien

Waffen der schleswig-holsteinischen Firma SIG Sauer sind nach Recherchen von Panorama 3 und "Süddeutscher Zeitung" zwischen 2009 und 2012 illegal nach Kolumbien geliefert worden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 22.11.2018 | 18:08 Uhr

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